Samstag 11.Juli 2026

Merz und Trump tauschen im Oval Office Höflichkeiten aus – Solide Pflichtübung, kein diplomatisches Desaster

5. Juni 2025 | Kategorie: Nachrichten, Politik

Friedrich Merz und Donald Trump am 5. Juni 2025 im Oval Office.
Foto: dts Nachrichtenagentur

Washington – Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat das Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Oval Office unfallfrei überstanden.

„Alles, was wir wollen, ist ein gutes Verhältnis und einen guten Deal“, sagte Trump zu Merz. Die Stimmung war von Anfang an vergleichsweise harmonisch, nachdem Merz dem US-Präsidenten gleich zu Beginn die Geburtsurkunde von dessen deutschem Großvater Friedrich Trump aus dem Jahr 1869 als Geschenk überreicht hatte. Friedrich – oder Frederick, wie er sich später nannte – wurde in Kallstadt im heutigen Kreis Bad Dürkheim geboren. 

Trump lobte Merz für dessen gute Englischkenntnisse, dieser bedankte sich für die Ehre, im offiziellen Gästehaus übernachten zu dürfen. Wie ihm im Vorfeld geraten worden war, geizte der Bundeskanzler dabei nicht mit dem Wort „great“. Merz sei ein guter Vertreter für Deutschland, aber ein bisschen „schwierig“, sagte der US-Präsident sichtlich im Scherz. Er sei eine großartige Person, genauso wie Chinas Staatschef Xi Jinping, mit dem er gerade noch telefoniert habe, sagte Trump.  

Mehr Innenpolitik, kaum Fragen an Merz

Die anschließende Pressekonferenz drehte sich aus Sicht der amerikanischen Reporter jedoch kaum um internationale Fragen, sondern vor allem um innenpolitische Themen, was von ausländischen Beobachtern als äußerst unhöflich empfunden wurde.

Trump sprach ausführlich über seinen „großen Sieg“ bei der Präsidentenwahl. Immer wieder brachte er auch das Thema „Signiermaschine“ ins Spiel: Sein Vorgänger Joe Biden habe zahlreiche Begnadigungen nicht eigenhändig unterschrieben, sondern mechanisch per sogenanntem Autopen autorisieren lassen – ein Verfahren, das Trump öffentlich infrage stellt. 

Merz versuchte dennoch, außenpolitische Akzente zu setzen. Er sagte dem US-Präsidenten, dieser könne einen Beitrag zur Beendigung des Ukraine-Kriegs leisten. Trump zeigte sich gesprächsbereit – fügte aber hinzu, Russland und die Ukraine erinnerten ihn an „zwei Jungs, die sich hassen und sich prügeln“, und die wohl erst dann aufhörten, wenn „der Leidensdruck groß genug“ sei. Er sprach von 5.000 bis 6.000 Toten pro Woche und betonte, es müsse in jedem Fall bald ein Ende des Sterbens geben.

Der Besuch des Bundeskanzlers in Washington ist auf weniger als 24 Stunden angesetzt. Nach dem Termin im Weißen Haus will Merz noch mehrere Kongressabgeordnete treffen, Interviews bei CNN und Fox News geben und anschließend direkt zurückfliegen. Die Kanzlermaschine soll am Freitagmorgen kurz nach 8 Uhr wieder in Berlin landen. (red/cli/dts Nachrichtenagentur) 

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