München – Die Manipulationen bei der ADAC-Leserwahl zum „Gelben Engel“ sind offiziell bestätigt. Die Reihenfolge der zur Abstimmung gestellten Fahrzeuge stimme nicht nicht mit den auf der Preisverleihung vorgestellten Ergebnissen überein, teilte der ADAC selbst am Montagnachmittag unter Berufung auf einen Bericht des Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte mit.
Gründe für die falschen Ergebnisse seien sowohl vorsätzliche Veränderungen als auch eine technisch fehlerhafte Verarbeitung der Daten. „Unsere Untersuchungen haben Prozessschwächen, Fehler in der Datenverarbeitung sowie Manipulationen bei der Wahl zum `Lieblingsauto 2014` offenbart“, sagte Frank Marzluf von Deloitte.
Der ehemalige ADAC-Kommunikationschef habe demnach auf seinem PC verschiedene Szenarien simuliert, bei denen sowohl die Stimmenzahl als auch die Zuordnung der Stimmen zu den einzelnen Modellen willkürlich verändert wurden. „Die Simulationen erfolgten auf unvollständigen Zahlen.“
Nach Auswertung von Deloitte wurden insgesamt 45.202 Stimmen abgegeben. 3.271 Stimmen fielen auf den VW Golf, 1.703 Stimmen auf den BMW 3er, 1.664 Stimmen auf den Audi A 3, 1.320 Stimmen auf die Mercedes A-Klasse und 1.184 Stimmen auf den Skoda Octavia.
Zudem gibt es laut Deloitte klare Anhaltspunkte dafür, dass ähnliche Veränderungen auch in den Vorjahren vorgenommen worden sind. „Es gibt eindeutige Hinweise darauf, dass die Vorgehensweise bei der Ermittlung des `Lieblingsautos` in den vergangenen Jahren ähnlich abgelaufen ist. Endgültige Aussagen können wir aber erst treffen, wenn unsere Untersuchungen der Vorjahre abgeschlossen sind“, so Marzluf.
Die Prüfergebnisse der Wahl zum „Lieblingsauto“ in den Jahren 2005 bis 2013 werden voraussichtlich nächste Woche vorgestellt.
In Abhängigkeit von den weiteren Ergebnissen der Deloitte-Untersuchung werden rechtliche Schritte gegen den ehemaligen Kommunikationschef des ADAC vorbereitet, teilte der Autoclub mit. Deloitte hatte im Rahmen der Untersuchungen 24 Interviews durchgeführt, 69.000 Dateien von IT-Geräten wiederhergestellt, aufbereitet und systematisch ausgewertet. Anhand der gesamten elektronischen Daten haben Datenbankexperten eine vollständige, neue Auszählung der Online-Stimmen vorgenommen und auf dieser Basis das korrekte Wahlergebnis ermittelt.
„Die Manipulationen bei der Leserwahl zum `Lieblingsauto 2014` sind ein schwerer Schlag für den gesamten ADAC. Wir sind fassungslos, dass dies in unserem Haus passieren konnte“, sagte Karl Obermair, Vorsitzender der ADAC-Geschäftsführung. „Wir verstehen den Unmut der Automobilhersteller und der Öffentlichkeit und bedauern zutiefst, dass wir mit den jetzt bewiesenen Manipulationen sehr viel Vertrauen verloren haben. Dafür möchten wir uns bei unseren Mitgliedern, den ADAC Mitarbeitern sowie den betroffenen Automobilherstellern in aller Form entschuldigen. Die Auszeichnung `Gelber Engel` wird es in Zukunft definitiv nicht mehr geben“, so Obermair weiter.
„Deloitte wird die Wahl zum `Lieblingsauto` von 2005 bis 2013 sowie die übrigen `Gelber Engel`-Kategorien seit 2005 – wie öffentlich angekündigt – lückenlos analysieren.“
Bereits am Mittag hatte ADAC-Präsident Peter Meyer mit sofortiger Wirkung sein Amt niedergelegt. Unterdessen teilte die Daimler AG mit, sämtliche „Gelbe Engel“-Auszeichnungen des ADAC der vergangenen Jahre zurückzugeben. „Publikumspreise sind für Daimler grundsätzlich von hoher Bedeutung, da sie unmittelbar die Meinung der Öffentlichkeit widerspiegeln. Unabdingbare Voraussetzung hierfür ist, dass die Leserwahlen korrekt durchgeführt werden“, so Daimler in einer Mitteilung.
(dts Nachrichtenagentur/red)
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