
Maria Pötsch lern Schleiereule Emma kennen.
Foto: Henning Wiechers für Caritasverband für die Diözese Speyer
Ludwigshafen – Kuschelkontakt mit ganz besonderen Vögeln konnten Bewohner des Caritas-Altenzentrums St. Josefspflege in Ludwigshafen aufnehmen: Da kamen Eulen zu Besuch.
Tierbesuche in Seniorenresidenzen haben sich etabliert. Die dort wohnenden Menschen mögen solche Besuche, leben durch sie oft regelrecht auf, ist die Erfahrung, die dahintersteckt. Hunde oder Hasen etwa sind inzwischen häufig Gäste in den Einrichtungen.
Aber zuweilen kommen auch ungewöhnliche tierische Gäste. In der St. Josefspflege waren es diesmal Eulen verschiedener Arten und Größen: die Schleiereule Emma, der Kaninchenkauz Oskar, Woodford-Kauz Heidi und die Weißgesichtseule Olaf. Aus dem Donnersbergkreis nach Ludwigshafen mitgebracht hat sie Michael Hoffmann, Mitarbeiter der Falknerei Bisterschied „Falkner der Herzen“.

Auf geht’s auf die Tour durch die Zimmer (v.l.): Ina Forcht mit Woodford-Kaus Heidi, Inge Friedmann mit Weißgesichtseule Olaf, Falkner Michael Hoffmann mit Schleiereule Emma und Patricia Klann mit Kaninchenkauz Oskar.
Foto: Henning Wiechers für Caritasverband für die Diözese Speyer
Im Foyer der Einrichtung stattet der Falkner die Mitarbeiterinnen Ina Forcht und Patricia Klann mit je einem Lederhandschuh aus und setzt ihnen einen der Vögel mit den scharfen Krallen darauf. Auch die ehrenamtlich engagierte Inge Friedmann, die sonst mit den Bewohnern Bingo spielt, sich mit ihnen unterhält und auch im Chor mitsingt bekommt ein Tier auf die Hand.
Hoffmann sichert sie mit einem Lederriemchen und erklärt seinen Helferinnen, wie sie ganz locker mit den Tieren umgehen und auch eventuelle Gefahren vermeiden können: „Achtung! Die haben einen schnellen Stoffwechsel!“, merkt er an, als Woodford-Kauz Heidi unvermittelt von Ina Forchts Arm etwas direkt neben ihre Füße auf den Boden klatschen lässt.
So macht man sich bereit für den Gang durch die drei Etagen des Hauses mit ihren Gruppenräumen und Zimmern. Gut zwei Stunden Zeit sind dafür vorgesehen. Und das Pensum ist nicht so ganz mühelos zu bewältigen für die Helferinnen mit den gefiederten Gesellen auf ihren Armen. Zwar sind das Leichtgewichte, aber die ungewohnte, wenig variable Haltung des Arms, auf dem sie sitzen, macht nach geraumer Zeit den Trägerinnen doch ein wenig Schwierigkeiten, wie sie gestehen. Insgesamt gut 70 Zimmertüren werden sie am Ende zum Besuch geöffnet haben.

Foto: Henning Wiechers für Caritasverband für die Diözese Speyer
Aber wie die Bewohner darauf reagieren, entschädigt für die Anstrengung. Schon im Foyer hat Bewohnerin Maria Pötsch betont, dass sie sich sehr über die Vögel freut und überrascht ist, wie hübsch deren Gefieder aus der Nähe betrachtet ist und wie weich es sich anfühlt. Die Eulen akzeptieren die Streicheleinheiten mit großer Gelassenheit, lassen offensichtlich die Nähe ohne Scheu zu.
„Sie sind alle quasi vom Schlüpfen an an die Nähe zu Menschen und den körperlichen Kontakt gewöhnt“, erklärt Michael Hoffmann, dessen Chefs Achim und Katharina Häfner sich mit ihrer Falknerei schon vor vielen Jahren auf die therapeutische Arbeit spezialisiert haben.
Und Hoffmann erzählt von vielen schönen Erfahrungen in besuchten Einrichtungen. Neben Pflegeheimen sind das etwa Hospize und Wachkoma-Stationen, aber auch Kindertagesstätten, Förderzentren, Jugendwohngruppen. Immer wieder könne er beobachten, dass die Menschen, selbst wenn sie von schweren Beeinträchtigungen betroffen sind und kaum noch erkennbar mit ihrer Umwelt kommunizieren können, beim Kontakt mit den Vögeln positive Reaktionen zeigen. „Und wenn es sich auch nur darin äußert, dass sie erkennbar ruhiger werden“, nennt er als Beispiel.

Foto: Henning Wiechers für Caritasverband für die Diözese Speyer
In der St. Josefspflege sind die meisten der Bewohner sehr angetan von den ungewöhnlichen Gästen, begrüßen sie mit großem Hallo. „Ach is des kloar“, kommentiert ein Herr, der den Besuch im Krankenbett in seinem Zimmer empfängt. Und eine Dame im Rollstuhl fragt ganz begeistert: „Kann mer die kaafe?“.
Inge Schornick vom selben Flur nimmt höchst interessiert Weißgesichtseule Olaf in den Blick und unter die vorsichtigen Fingerspitzen. Nur wenige möchten die Nähe zu den Vögeln nicht, bitten die kleine Karawane, draußen zu bleiben. Ein Bewohner hat auch die kritische Frage, ob ein solcher Tag für „die armen Viecher“ nicht eigentlich eine zu große Belastung sei. Hoffmann erklärt ihm, dass durch die Gewöhnung an solche Einsätze von klein auf für die Eulen dabei kaum Stress enstehe.
Wegen der positiven Resonanz sollen auch zukünftig wieder Besuche vom „Falkner der Herzen“ auf dem Programm der St. Josefspflege stehen. (hw)

Foto: Henning Wiechers für Caritasverband für die Diözese Speyer
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