Dienstag, 28. Mai 2024

Leiter der Rebenzüchtung des Julius Kühn-Instituts Prof. Reinhard Töpfer geht in den Ruhestand

24. April 2024 | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße, Leute-Regional

Professor Dr. Reinhard Töpfer geht in den Ruhestand.
Quelle: JKI

Siebeldingen. Nach fast drei Jahrzehnten Forschung auf dem Geilweilerhof wurde der Experte für molekulargenetische Grundlagen der Pflanzenzüchtung am 18.4. mit einem Fachkolloquium feierlich verabschiedet.

„Der Schlüssel für den Weinbau heißt Anpassung. Die Sortenfrage im Weinbau der Zukunft wird durch Klimawandel und Nachhaltigkeit diktiert. Diese beiden Herausforderungen führen über Dekaden unweigerlich zu einem Sortenwandel“ – mit dieser klaren Ansage an die Weinbaupraxis verabschiedet sich Prof. Dr. Reinhard Töpfer in den Ruhestand.

29 Jahre hat er als Leiter der Rebenzüchtung des Julius Kühn-Instituts (JKI) bzw. seiner Vorgängereinrichtung, der Bundesanstalt für Züchtungsforschung (BAZ), die Forschung des Fachinstituts am Standort Siebeldingen geprägt. Konsequent hat er die Züchtung pilzwiderstandsfähiger Rebsorten, der sogenannten PIWIs, vorangetrieben und sich stark gemacht für die Einführung der neuen Sorten in den Markt.

Dabei war dieser intensive Bezug zur Kultur Weinrebe zu Beginn seiner Forscherkarriere noch nicht absehbar. Beim Blick auf seinen Werdegang (siehe dazu die Eckdaten nachstehend) wird klar, dass er ein ausgewiesener Experte für Fragen der Pflanzengenetik ist. Bevor er 1995 in die Pfalz zur Rebenzüchtung wechselte, betrieb er 10 Jahre Grundlagenforschung im Bereich Pflanzenzüchtung an Weizen und Raps am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln-Vogelsang.

Diese Expertise zur Erforschung genetischer Grundlagen von Pflanzeneigenschaften, etwa zu Krankheitsresistenzgenen und deren Vererbungswege ist jedoch auch für die Züchtung neuer Rebsorten essenziell. Und gerade heute, wo zusätzlich zu den bekannten Pilzkrankheiten auch der Klimawandel den traditionellen Sorten zu schaffen macht, ist Präzisionszüchtung das Gebot der Stunde.

„Die Herausforderungen an den Weinbau waren zu allen Zeiten groß. Aber die Fortschritte in der Rebenzüchtung über die letzten Dekaden sind gewaltig und das Fundament ist gesetzt, um den gewachsenen Herausforderungen wirksam zu begegnen“, sagt Töpfer.

Er selbst hat an dem besagten Fundament entscheidend mitgewirkt, indem er Gen-Merkmals-Beziehungen für züchterisch relevante Eigenschaften aufgeklärt hat, Züchtungsstrategien entwickelte, neue Verfahren zur Hochdurchsatz-Phänotypisierung etablierte und die Möglichkeiten der Digitalisierung der Züchtung in Labor, Gewächshaus, Freiland ausgeschöpft hat.

Dabei behielt er auch die genetischen Ressourcen der Weinreben im Blick, denn „sein“ Institut betreibt am Standort nicht nur eine eigene Genbanksammlung mit rund 3.800 verschiedenen Rebsorten und Wildarten sowie züchterisch wertvollen Zuchtstämmen, sondern koordiniert auch das nationale Netzwerk Deutsche Genbank Reben. Töpfer selbst unternahm zwei Sammelreisen (1999 und 2011) in den Osten der USA, um Vitis-Wildarten für die JKI-Sammlung zu sichern.

In der JKI-Genbank befinden sich alte und bislang in der Züchtung vernachlässigte Rebsorten aus dem deutschsprachigen Raum und seltene osteuropäische Kelter- und Tafeltrauben.

Mehr als die Hälfte der Rebsorten sind Träger von Resistenzen gegen Mehltaupilze und damit wichtig Grundlage für die Züchtung neuer Rebsorten. Unter Töpfer´s Ägide erhielten folgende Neuzüchtungen aus dem Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof den Sortenschutz: Felicia (2004), Reberger (2004), Villaris (2004), Calandro (2011), Calardis Blanc (2018), Calardis Musqué (2023) und gerade erst wurden zwei neue Zuchtstämme zum Sortenschutz angemeldet.

Die Einführung der neuen Sorten in die Weinbaupraxis und schließlich in die Weinregale liegt Prof. Töpfer besonders am Herzen: „Will der Weinbau die volle Innovationskraft aus der Rebenzüchtung nutzen, dann sind neue Vermarktungskonzepte unabhängig vom Sortennamen gefordert. Denn die Züchtung wird schneller neue und bessere Sorten liefern als der Weinbau Vermarktungskonzepte für einzelne Sorten aufbauen kann.“

Doch Professor Töpfer wäre nicht der Botschafter der JKI-Rebenzüchtung, wenn er nicht auch hier mit gutem Beispiel vorangehen würde. Auf seinem eigenen privaten Weingut (rund 2 ha) hat er 1999 in der Großlage Siebeldingen „Im Sonnenschein“ die ersten Regent-Rebstöcke gepflanzt und später mit den weißen Sorten Calardis Blanc und Calarids Musqué ergänzt. Dem Züchtungsforscher wird also auch in seinem Ruhestand nicht langweilig werden.

Eckdaten zum wissenschaftlichen Werdegang

1. 1979 – 84: Biologie-Studium Universität zu Köln mit Aufenthalt WS 1982/83 an der ETH Zürich

2. 1985 – 95: Forschung am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln (Abt. Genetische Grundlagen der Pflanzenzüchtung)

3. 1987: Promotion zum Thema „Transiente Expression chimärer Gene in Weizenembryonen“

4. 1988- 90: Postdoc am MPI Köln, Arbeiten zum Thema „Transformation von Weizen“

5. 1990-95: Arbeitsgruppenleiter am MPI Köln, Arbeit zum Thema „Nachwachsende Rohstoffe: Genetische Modifikation der Samenspeicheröle in Raps“

6. 1994: Habilitation an der Justus-Liebig-Universität Gießen zum Thema „Isolation und Charakterisierung von pflanzlichen Genen für Enzyme des Speicherlipidbiosyntheseweges als Baustein für die Ölpflanzenzüchtung.“

7. April-Sept 1995: Leitung des Fachinstituts für Züchtung landwirtschaftlicher Kulturen der Bundesanstalt für Züchtungsforschung BAZ am Standort Groß Lüsewitz

8. ab Okt 1995: Leitung Fachinstituts für Rebenzüchtung der BAZ, ab 2008 des JKI, auf dem Geilweilerhof in Siebeldingen

9. seit 2014: Honorar Professur an der Justus-Liebig-Universität Gießen

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