
Karl Lauterbach
Foto: dts Nachrichtenagentur
Bei der Beschaffung von Arzneimitteln soll der Preis künftig nicht mehr der wichtigste Faktor sein. Das geht aus einem Eckpunktepapier für ein Gesetzesvorhaben von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hervor.
Lauterbach reagiert damit auf die Lieferengpässe bei vielen Medikamenten. Derzeit sind etwa 300 Arzneimittel in Deutschland nicht lieferbar, darunter auch zahlreiche Mittel für Kinder.
Konkret beschreibt das Papier mehrere Maßnahmen. Zum einen sollen die Preisregeln bei wichtigen Arzneimitteln für Kinder gelockert werden. Bislang werden die Kosten durch verschiedene Instrumente möglichst niedrig gehalten, dazu zählen etwa Rabattverträge, Festbeträge und ein Preismoratorium. Das macht die Sparte für Hersteller wenig attraktiv, weil sie mit diesen Produkten in Deutschland oft nur geringe Gewinne erzielen.
Lauterbach will diese Instrumente zur Preissteuerung im Bereich der Kindermedizin teilweise abschaffen, das Preismoratorium soll auf das 1,5-Fache des aktuellen Werts angehoben werden. Die Gewinnspannen der Hersteller sollen damit deutlich steigen, die Produktion dieser Mittel und ihre Lieferung nach Deutschland damit attraktiver werden. Dem Vernehmen nach will Lauterbach schon an diesem Dienstag die Krankenkassen über die neue Regelung informieren, damit sich die Liefersituation möglichst binnen weniger Wochen entspannt.
Diese privilegierte Vergütung von Medikamenten für Kinder soll nicht nur kurzfristig gelten, sondern die Sparte dauerhaft wirtschaftlich attraktiv machen – und so dafür sorgen, dass keine Lieferengpässe mehr entstehen.
Ähnliche Maßnahmen sind laut dem Ministeriumspapier für bestimmte Krebsmedikamente und Antibiotika für Erwachsene geplant. Auch hier sollen die Preise, die an die Hersteller gezahlt werden, auf das bis zu 1,5-Fache der aktuellen Vergütung angehoben werden, damit die Versorgungssituation verbessert wird. Diese Regelung kann auf andere Arzneimittel ausgeweitet werden – insbesondere dann, wenn sich ein Lieferengpass abzeichnet.
Um frühzeitig zu erkennen, bei welchen Medikamenten das der Fall sein könnte, soll die Überwachung der Versorgungslage intensiviert werden.
Insgesamt sollen bei der Beschaffung von Medikamenten künftig andere Kriterien gelten als bisher. So soll nicht wie bisher nur der billigste Anbieter zum Zug kommen. Stattdessen sollen bei wichtigen Arzneimitteln stets zwei Verträge geschlossen werden: Neben dem günstigsten Anbieter aus dem nicht-europäischen Ausland soll immer auch der günstigste Hersteller aus der EU berücksichtigt werden. Der Auftrag wird dann geteilt.
Zudem wird eine Lagerhaltung von bestimmten Arzneimitteln, mit der der Bedarf mehrerer Monate gedeckt werden kann, zur Bedingung dafür werden, dass Hersteller einen Vertrag mit den Krankenkassen abschließen können.
Ökonomisierung zurückdrängen
Die Maßnahmen passen zu Lauterbachs neuer Prämisse, die Ökonomisierung des deutschen Gesundheitssystems zurückdrängen zu wollen. Auch bei der Krankenhausreform rief der Minister ein Ende des Spardrucks aus. Über die Kosten der nun geplanten Maßnahmen gibt es in dem Papier aus dem Ministerium keine Angaben.
Gefällt Ihnen unsere Zeitung?
Fügen Sie den Pfalz-Express als bevorzugte Quelle bei Google hinzu. So verpassen Sie keine wichtigen Nachrichten aus der Region.
⭐ Bei Google als bevorzugte Quelle hinzufügen
Diesen Artikel drucken



Hannover – In Hannover sind zwei Kinder vom Gesundheitsminister persönlich gegen Corona geimpft worden. Karl Lauterbach (SPD) griff beim Besuch eines Impfzentrums ...
Berlin – Der Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung anzuheben, um so Defizite auszugleichen, stößt auf immer ...
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat einen Entwurf für eine kurzfristige Reform der Pädiatrie vorgelegt. In dem Papier schlägt Lauterbach vor, der Kinderheilkunde ...
Berlin – Führende Kinder- und Jugendärzte haben sich in der Debatte um Risiken durch die Delta-Variante für Kinder hinter die Beurteilung der ...
Angesichts der Lieferengpässe bei Arzneimitteln plant Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine neue gesetzliche Regelung. Man müsse sicherstellen, „dass Medikamente in mehreren Weltregionen ...
Den Haag – Dem europäischen Polizeiamt Europol ist ein Schlag gegen den illegalen Handel mit Arzneimitteln und Dopingsubstanzen gelungen. Bei der „Operation ...
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat konkretisiert, wie er sich die weitere Ausgestaltung der elektronischen Patientenakte in Deutschland vorstellt. Das Vorbild sei Israel, ...
Berlin – Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist in großer Sorge über das Corona-Infektionsgeschehen und die ungenaue Datenlage in Deutschland. Zu „Bild“ sagte ...
Berlin – Nach den drei Todesfällen unter Patienten des alternativen Krebszentrums Brüggen (Niederrhein) fordert der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach einen besseren Schutz vor ...












