Mittwoch 4.November 2026

Landratswahl im Kreis Südliche Weinstraße: Fragen an SPD-Kandidatin Anna Bendel

5. Februar 2025 | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße, Politik regional

Anna Bendel
Foto (c): Reissmann

SÜW – Am 23. Februar 2025 wird im Kreis Südliche Weinstraße der Landrat / die Landrätin neu gewählt. 

Für die SPD geht Anna Bendel ins Rennen. Was sind ihre Ziele und Pläne für den Landkreis? Der Pfalz-Express hat sie dazu befragt. Hier sind die Antworten. 

PEX: Was motiviert Sie, sich als Landrätin zu bewerben, und welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Kandidatur?

Ich bin ein echtes Kind der Südlichen Weinstraße – hier liegen meine Wurzeln, hier schlägt mein Herz. Meine Heimat liegt mir am Herzen, und genau das ist meine größte Motivation. Ich sehe das immense Potenzial unseres Landkreises und möchte es fördern. Es ist mir wichtig, neue Ideen einzubringen, Dinge neu zu denken und – wo sinnvoll – auch kritisch zu hinterfragen. Mein Ziel ist es, unserer Region frische Energie und innovative Impulse zu geben, damit wir optimistisch in die Zukunft blicken können.

Ich möchte die Südliche Weinstraße zu einem Ort machen, der für Menschen jeden Alters einladend, inspirierend und lebenswert ist. Diese Vision treibt mich an, und ich bin fest überzeugt, dass wir gemeinsam viel erreichen können.

Unsere Region ist reich an Möglichkeiten und Traditionen. Ich sehe es als unsere Aufgabe, diese Schätze zu bewahren, mutig die Herausforderungen anzugehen und die Südliche Weinstraße zu einem Vorbild für nachhaltige Entwicklung zu machen.

Für unsere Heimat, für die Menschen – für alle, die hier leben, und für alle, die in Zukunft hier leben möchten. 

Wie würden Sie einem Außenstehenden den Kreis Südliche Weinstraße in maximal drei Sätzen beschreiben?

Die Südliche Weinstraße ist nicht nur ein Ort, sondern ein Lebensgefühl – geprägt von Tatkraft, Herzlichkeit und einer atemberaubenden Landschaft aus Weinbergen und Wäldern. Hier trifft eine tiefe Verwurzelung in Traditionen auf eine zukunftsgerichtete Offenheit, die Raum für Innovation und Gemeinschaft schafft. Ob kulinarische Genüsse, kulturelle Vielfalt oder die Lebensqualität im Einklang mit der Natur – die Südliche Weinstraße ist ein Ort, der inspiriert und verbindet.

Bezahlbarer Wohnraum ist knapp, die ärztliche Versorgung muss gesichert und die Digitalisierung vorangetrieben werden. Wie möchten Sie diese Herausforderungen meistern?

Wohnraum: Bezahlbarer Wohnraum ist eine der drängendsten Sorgen vieler Bürgerinnen und Bürger. Um diese Herausforderung zu meistern, müssen alle politischen Ebenen – Bund, Länder und Kommunen – eng zusammenarbeiten. Es ist unerlässlich, den Sozialen Wohnungsbau wieder stärker zu fördern, da er viel zu lange vernachlässigt wurde.

Ebenso müssen Maßnahmen gegen Bodenpreisspekulation ergriffen und die Mietpreisbremse effektiver gestaltet und konsequent angewandt werden. Gleichzeitig brauchen wir eine Entbürokratisierung in der Planungs- und Baugesetzgebung, um den Bau neuer Wohnungen schneller und effizienter zu ermöglichen.

Auch auf Landkreisebene gibt es viele Ansatzpunkte. Ich möchte Bauwillige unterstützen, indem Genehmigungsverfahren beschleunigt und das Bauamt bürgerInnenfreundlich und beratend aufgestellt wird.

Gemeinden benötigen gezielte Unterstützung bei der Baulanderschließung, der Innenentwicklung und der Sanierung von Altbaubeständen. Gerade in unseren Dörfern schlummert viel Potenzial: Leerstehende Häuser, Gehöfte und Altbauten können in bezahlbaren Wohnraum umgewandelt werden – das belebt nicht nur die Dörfer, sondern schafft gleichzeitig dringend benötigten Wohnraum.

Konkret stelle ich mir vor, eine kompetente und leicht zugängliche Beratungsstelle im Bauamt des Landkreises einzurichten, die Bauwillige und Gemeinden effizient und unbürokratisch unterstützt. So können wir gemeinsam Lösungen entwickeln, die sowohl kurzfristig entlasten als auch langfristig wirken.

Ärztliche Versorgung: Eine verlässliche medizinische Versorgung ist essenziell für die Lebensqualität und Attraktivität unserer Region. Um diese Herausforderung anzugehen, ist es zunächst wichtig, unsere kommunalen Krankenhäuser zu stärken. Durch den Ausbau von Kompetenzschwerpunkten und sinnvolle Kooperationen können wir die Wirtschaftlichkeit der Krankenhäuser verbessern und gleichzeitig die Versorgungssicherheit erhöhen.

Ich sehe großes Potenzial in der weiteren Entwicklung Medizinischer Versorgungszentren (MVZ). Diese Einrichtungen bieten die Möglichkeit, verschiedene Fachrichtungen unter einem Dach zu bündeln und somit eine breite Versorgung wieder aufzubauen.

Besonders in unseren kommunalen Krankenhäusern könnten mehr solcher Zentren etabliert werden. Für Annweiler ist es mir ein besonderes Anliegen, eine gute Lösung zu finden, um wohnortnahe, zeitgemäße und vor allem ambulante medizinische Angebote wiederaufzubauen. Als Mit-Träger des Kommunalen Klinikums steht der Landkreis hier in der Verantwortung.

Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit mit Initiativen wie „Südpfalz-Docs“ und anderen Projekten zur Nachwuchsgewinnung entscheidend. Junge Ärztinnen und Ärzte für die Region zu begeistern und langfristig zu binden, ist ein zentraler Baustein für eine stabile Versorgung. Kooperationen mit benachbarten Landkreisen können hierbei Synergien schaffen.

Um den Einstieg für junge Medizinerinnen und Mediziner zu erleichtern, halte ich es für sinnvoll, in den Verbandsgemeinden geeignete Räumlichkeiten für medizinische Dienste anzubieten. Dies kann Praxisgründungen erleichtern und die Hemmschwelle für eine Niederlassung in ländlichen Regionen senken. Gemeinsam können wir die Weichen dafür stellen, dass eine gute ärztliche Versorgung für alle Menschen im Landkreis gewährleistet bleibt – heute und in Zukunft.

Digitalisierung: Digitalisierung ist eine wesentliche Säule für die Zukunftsfähigkeit unseres Landkreises und muss mit Nachdruck vorangetrieben werden. Der erste und wichtigste Schritt ist die Beschleunigung des Breitbandausbaus. Hier gibt es immer noch viele Hürden, die sowohl die Bürgerschaft als auch die Gemeinden belasten.

Diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen, sehe ich als eine zentrale Aufgabe, die ich zur „Chefin-Sache“ machen werde.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf unseren Schulen. Die Digitalisierung in den weiterführenden Schulen in Trägerschaft des Landkreises muss energisch vorangetrieben werden, um sicherzustellen, dass keine Generation den Anschluss verliert. Unsere berufsbildenden Schulen, wie jene in Bad Bergzabern, bieten bereits eine starke Grundlage für IT-Management und digitale Bildung. Diese Stärken möchte ich nutzen, um innovative Bildungswege und neue Berufsfelder zu fördern.

Zusätzlich bietet die RPTU Kaiserslautern-Landau, die Universität in unserer Region, ein enormes Potenzial. Sie eröffnet Chancen, Künstliche Intelligenz und andere zukunftsweisende Technologien in unseren Alltag zu integrieren – kritisch begleitet durch ihre natur- und gesellschaftswissenschaftlichen sowie pädagogischen Kompetenzen. Diese Möglichkeiten müssen für die Wirtschaft, die Verwaltung und die mittelständischen Betriebe unseres Landkreises eine neue Priorität bekommen.

Auch die Kreisverwaltung selbst kann durch Digitalisierung und Entbürokratisierung effizienter werden. Ich bin überzeugt, dass es hier ungenutzte Potenziale gibt, die durch digitale Prozesse freigesetzt werden können. Digitalisierung ist für mich keine abstrakte Vision, sondern eine praktische Notwendigkeit, die in allen Lebensbereichen spürbare Verbesserungen bringen muss.

Wie wollen Sie die Finanzen des Landkreises konsolidieren?

Die finanziellen Herausforderungen des Landkreises können nicht allein auf lokaler Ebene gelöst werden. Es ist unerlässlich, dass Bund und Länder die kommunalen Finanzen nachhaltig stärken, damit Städte, Gemeinden und Landkreise ihre bürgernahen Aufgaben wieder umfassend erfüllen können. Dennoch entlässt das den Landkreis nicht aus der Verantwortung, mit den verfügbaren Mitteln äußerst sparsam und verantwortungsbewusst umzugehen.

Mir ist bewusst, dass dies eine anspruchsvolle Aufgabe ist, die viel Engagement und harte Arbeit sowohl von den Mitarbeitenden der Verwaltung als auch von den politisch Verantwortlichen erfordert. Es ist mein Anspruch, den sorgsamen Umgang mit öffentlichen Geldern nachweislich zu gewährleisten.

Gemeinsam mit dem Kreistag möchte ich Strukturen und Prozesse prüfen, Prioritäten klar setzen und Einsparpotenziale nutzen, ohne dabei zentrale Aufgaben oder Zukunftsprojekte zu gefährden. Verantwortungsvoll und zielgerichtet zu handeln, ist für mich der Schlüssel, um den Landkreis sowohl finanziell als auch inhaltlich zukunftssicher aufzustellen.

Welche Strategien haben Sie, um die lokale Wirtschaft zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen?

Die lokale Wirtschaft zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen, beginnt mit einem engen und vertrauensvollen Dialog mit den Betrieben unseres Landkreises. Nur durch kontinuierlichen Austausch können wir frühzeitig auf Herausforderungen reagieren, die Wirtschaft gezielt unterstützen und mögliche Krisen abwenden. Ein offenes Ohr für die Anliegen unserer Unternehmerinnen und Unternehmer, Handwerksbetriebe und mittelständischen Unternehmen ist die Grundlage für gezielte Maßnahmen.

Ich möchte die Wirtschaftsförderung des Landkreises ausbauen und stärker auf Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Innovation und Vernetzung ausrichten. Durch gezielte Unterstützung für Start-ups und junge Betriebe können wir kreative Talente in unserer Region halten, neue Unternehmen ansiedeln und der Südlichen Weinstraße ein innovatives, zukunftsgerichtetes Profil verleihen.

Ein besonderer Fokus liegt für mich auf den Schlüsselbranchen unserer Region – dem Weinbau und dem Tourismus. Unsere Winzerinnen und Winzer stehen vor großen Herausforderungen wie Klimawandel, Strukturwandel und veränderten Konsumgewohnheiten. Ich möchte sie unterstützen, innovative Ansätze in Produktion und Vermarktung zu entwickeln und neue Formen der Präsentation und Außenwirkung zu etablieren. Hier sind überraschende und kreative Ideen gefragt, etwa durch den Einsatz moderner Kommunikationsmittel und gezielte Kampagnen, um unsere Region und ihre Produkte stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rücken.

Durch diese Maßnahmen möchte ich nicht nur bestehende Arbeitsplätze sichern, sondern auch neue schaffen – für die Menschen, die unsere Region lebendig, zukunftsfähig und einzigartig machen.

Wie beabsichtigen Sie, Integration und sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft zu fördern?

Polarisierung und gesellschaftliche Spaltung nehmen seit Jahren zu, was mich zutiefst besorgt. Es wäre vermessen zu glauben, Einzelne könnten diese Entwicklungen aufhalten. Stattdessen sind Zusammenhalt, gesellschaftliches Engagement, fairer Meinungsstreit, die Verteidigung unserer Grundwerte und der Schutz der Demokratie Anliegen aller Bürgerinnen und Bürger.

Personen in öffentlichen Ämtern – ob Landrätinnen und Landräte, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister oder Abgeordnete – haben jedoch die Möglichkeit, durch Worte und Taten Einfluss zu nehmen. Die öffentliche Rede ist ein wertvolles Instrument, um für Gemeinsinn und Zusammenhalt einzutreten. Daher vermeide ich bei Grußworten Belanglosigkeiten und setze auf Botschaften, die Bürgerinnen und Bürger inspirieren und den demokratischen Kontext stärken. Klare Positionen, das Thematisieren von Missständen und ein aktives Handeln gegen Spaltung sind dabei essenziell.

Die freie Presse und der Qualitätsjournalismus spielen ebenfalls eine zentrale Rolle – durch gründliche Recherche, kluge Themenauswahl und verantwortungsvolle Berichterstattung.

Die Integration Geflüchteter bleibt eine herausfordernde, aber chancenreiche Aufgabe – für den Arbeitsmarkt, das gegenseitige Verständnis und aktive Nachbarschaften. Vieles gelingt dank ehrenamtlicher Arbeit in unseren Dörfern und Städten, die ich wertschätze und fördern möchte.

Auch die Verbandsgemeinden leisten hier Beeindruckendes. Gemeinsam mit Ehrenamtlichen und Verantwortlichen möchte ich erörtern, wie der Landkreis gezielt unterstützen kann. Ein positives Beispiel ist das „Haus der Familie“ in Bad Bergzabern: Räume der Begegnung und Zusammenarbeit, die Integration und sozialen Zusammenhalt fördern, entsprechen meiner Vision für unsere Gesellschaft.

Auch die Kultur fördert den sozialen Zusammenhalt: Kreismusikschulen, Musik- und Kunstvereine oder Theatergruppen stärken Talente und Miteinander. Ein Vorbild ist das Theater Chawwerusch in Herxheim, das mit humorvollen wie tiefgründigen Stücken zum Nachdenken und Zusammenfinden einlädt. Solche Projekte verdienen nachhaltige Unterstützung.

Was möchten Sie den Lesern sonst noch mit auf den Weg geben?

Demokratie ist ein wertvolles Gut – eine Errungenschaft, die wir nicht als selbstverständlich hinnehmen dürfen. Sie ist nichts, was uns vom Himmel fällt, sondern etwas, das wir gemeinsam gestalten und täglich leben müssen. Demokratie lebt davon, dass wir uns einbringen, miteinander diskutieren, respektvoll streiten und uns letztlich für das Gemeinwohl entscheiden.

Jede Stimme zählt, jede Wahl ist eine Möglichkeit, die Zukunft aktiv mitzugestalten. In einer Demokratie sind es nicht die wenigen Mächtigen, die allein Entscheidungen treffen, sondern die Vielfalt und der Wille der Bürgerinnen und Bürger, die den Kurs bestimmen. Diese Mitbestimmung ist ein großes Privileg, das in vielen Teilen der Welt keine Selbstverständlichkeit ist. Es liegt an uns, dieses Privileg zu schützen und es zu nutzen – gerade in Zeiten, in denen Populismus und Extremismus versuchen, unsere Werte zu untergraben.

Ich rufe Sie dazu auf, bei der Landrätinnen- der Bundestags- und jeder zukünftigen Wahl eine demokratische Partei zu wählen – eine Partei, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung achtet und verteidigt. Denn Demokratie ist stark, wenn wir sie stärken. Sie ist lebendig, wenn wir uns beteiligen. Und sie ist zukunftsfähig, wenn wir sie weiterentwickeln.

Gemeinsam können wir unsere Gesellschaft zu einem Ort machen, an dem Toleranz, Gerechtigkeit und Respekt nicht nur Worte sind, sondern gelebte Realität. Lassen Sie uns diesen Weg miteinander gehen – für eine lebendige, starke Demokratie, die Freiheit und Chancen für alle bietet.

Zur Person: Die Diplom-Verwaltungsbetriebswirtin (FH) und Master of Arts (Organisation und Kommunikation) ist 37 Jahre alt und ist in Silz aufgewachsen. Zuletzt hat sie als Referentin für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit in der Staatskanzlei in Mainz gearbeitet. 

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