Montag, 24. Juni 2024

Landratswahl im Kreis Germersheim: Fragen an Grüne-Kandidatin Barbara Merz

20. Mai 2024 | Kategorie: Kommunalwahl 2024, Kreis Germersheim, Politik regional

Barbara Christina Merz
Foto: v. privat

Kreis Germersheim – Am 9. Juni 2024 wird im Kreis Germersheim der Landrat / die Landrätin neu gewählt. Für die Partei Bündnis 90 / Die Grünen geht Barbara Christina Merz in Rennen. 

Was sind ihre Ziele und Pläne für den Landkreis? Der Pfalz-Express hat sie dazu befragt. Hier sind die Antworten. 

PEX: Was motiviert Sie, sich als Landrätin zu bewerben, und welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Kandidatur?

Den Zusammenhalt der Gesellschaft stärken, Brücken zu bauen zwischen den Generationen, Geschlechtern, Alteingesessenen und Zugezogenen, eine Gesellschaft zu gestalten, die Platz in ihrer Mitte bietet für Menschen mit und ohne jedwede Einschränkungen. Eine Gesellschaft, die die Zukunft für die nachfolgenden Generationen sichert und Brücken baut über Kreis- und Landesgrenzen hinaus für gemeinsamen Natur-, Umwelt- und Klimaschutz, Mobilität, Gesundheit, Wirtschaft, Kunst, Kultur und Sport 

Wie würden Sie einem Außenstehenden den Kreis Germersheim in maximal drei Sätzen charakterisieren?

Ich bin ja keine „Außenstehende“, aber ich würde ihn als den sonnigen Süden mit Potential für viel gute, saubere, nachhaltige und unabhängige Energie beschreiben, als wertvolle Natur- und Kulturlandschaft geprägt vom Fluss, als starke Wirtschaftsregion mit Industrie mit Innovationskraft und als historisch spannende Gegend, in der man die Spuren spürt, die die Menschen vor uns hinterlassen haben

Bezahlbarer Wohnraum ist knapp, die ärztliche Versorgung muss gesichert und die Digitalisierung vorangetrieben werden. Wie möchten Sie diese Herausforderungen adressieren?

 – Wohnraum:

Nachverdichtung der Innenorte und ein Leerstandskataster im Zusammenhang mit Unterstützungsangeboten dabei, diese Immobilien zu vermieten oder zu verkaufen, Unterstützung beim Wohnraumtausch zwischen den Generationen, Innovative neue Konzepte wie Tiny Houses, Gemeinschaft- und Generationenhäuser etc. fördern

 – Ärztliche Versorgung:

Unterstützung der Gründung von MVZs auf Kreisebene, in Gemeinden und in Gemeindeverbünden, Stipendien für Medizinstudierende, die bereit sind, sich für einige Zeit im Kreis niederzulassen und zu praktizieren, überregionale und auch grenzübergreifende Zusammenarbeit zwischen Kliniken und Gesundheitseinrichtungen fördern, eine gute Infrastruktur im Kreis fördern (Kitas, Schulen, Betreuungs- und Freizeitangebote, Mobilität, Pflege), die es attraktiv macht für junge Mediziner, sich hier niederzulassen, insbesondere für Medizinerinnen, da diese nicht selten noch mehr darauf schauen als ihre männlichen Kollegen, wo sie Familie und Arbeit gut verbinden können; ausländische medizinische Fachkräfte und Ärzte/innen, die bei uns arbeiten möchten, dabei unterstützten, rascher in ihrem Fach anerkannt zu werden und arbeiten zu dürfen

 – Digitalisierung:

Die Verwaltung muss weg von den Papier- und Aktenbergen, Abteilungen und auch Verwaltungen überregional müssen leichter und standardisiert Daten austauschen können so dass z. B. keine neuen Anträge bei Umzug über die Kreisgrenze (z. B. Bürgergeld) nötig sind, Homeoffice soll unkompliziert möglich werden und für die Bürger der digitale Zugang zu Dienstleistungen der Verwaltung Standard werden – das demokratisiert auch den Zugang für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind oder terminlich wenig flexibel

Die Digitalisierung wird hoffentlich auch rasch dazu führen, dass die Verwaltungsmitarbeiter Arbeitsabläufe leichter, schneller, effizienter und kostengünstiger erledigen können.

Wie wollen Sie die Finanzen des Landkreises konsolidieren?

Der absehbare Umzug von Teilen der Verwaltung bietet es an, dabei zu überprüfen, welche Strukturen umgebaut und zukünftig effizienter gestalte werden können um zunächst einmal Kosten einzusparen.

Langfristig setze ich auf einen starken Kreis, der seine Energie selbst sauber, sicher und unabhängig produziert, die er braucht. Das wird Energiekosten senken – Sonnen- und Windenergie sind die kostengünstigsten Energien, das ist gut für alle Bürger und die Wirtschaft, die davon profitieren können – und für die Verwaltung selbst auch, die damit langfristig Geld spart. Damit werden gute Voraussetzungen für die Wirtschaft geschaffen.

Auch die Digitalisierung wird dabei helfen, Abläufe in der Verwaltung kostengünstiger und effizienter zu gestalten. Unternehmen sollen bei der eigenen Digitalisierung unterstützt und im ganzen Kreis eine gute Infrastruktur mit 5G geschaffen werden. Mit weiteren Maßnahmen soll die Wirtschaft gestärkt und damit deren Wirtschaftlichkeit gefördert werden. 

Ich würde also in die Zukunft investieren: In günstige Energie und in Digitalisierung, die uns absehbar Geld sparen werden.

Welche Strategien haben Sie, um die lokale Wirtschaft zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen?

Siehe oben, und: Schnellere Genehmigungsverfahren, eine gute Infrastruktur schaffen (Betreuung, Bildung, Geschneit, Mobilität, Freizeit), die es attraktiv für Fachkräfte macht, im Kreis zu leben und zu arbeiten, Genehmigungsverfahren auch für aus dem Ausland stammende Fachkräfte beschleunigen

Wie beabsichtigen Sie, Integration und sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft zu fördern?

Die Bewilligung oder Ablehnung von Bleiberechts- und Arbeitserlaubnis muss beschleunigt werden, eventuell sollte mehr Gebraucht von befristeten oder vorläufigen Bewilligungen gemacht werden, z. B. in Fällen, in denen eine Arbeitsstelle bereits in Aussicht steht, die Lage auf dem Wohnungsmarkt muss für alle entzerrt werden und es sollten noch mehr Begegnungsräume und -möglichkeiten geschaffen werden zum kulturellen Austausch; Personen, die sich in einem Verein/Verband/Ausschuss/Rat engagieren und für ihre Belange und die der Gruppe, zu der sie zählen (Migranten, Jugendliche, Familien, Senioren, Menschen mit Einschränkungen etc.) einsetzten, sollen aktiv eingebunden und auch untereinander gut vernetzt werden, um sich auszutauschen, zu kooperieren, miteinander und mit den Verantwortlichen im Kreis nach guten Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu suchen und Projekte umzusetzen, die Verständnis und Wertschätzung und Rücksicht auf die unterschiedlichen Bedürfnisse unter den verschiedenen Gesellschaftsgruppen und gegenseitige Unterstützung fördern.

Was möchten Sie den Leserinnen und Lesern sonst noch mit auf den Weg geben?

Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der Wertschätzung und Chancengerechtigkeit zwischen den Generationen und Geschlechtern besteht, in der Menschen mit körperlichen, geistigen oder psychischen Einschränkungen ihren Platz finden und sich in ihrem Potential entfalten können für ein glückliches, wertvolles und weitgehend selbstbestimmtes Leben, und in der Menschen, die den Mut hatten, ihre Heimat zu verlassen, und bereit sind, unseren Kreis zu ihrer neuen Heimat zu machen und hier wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell beizutragen, Willkommen geheißen werden.

Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der sich Menschen, die sich zum Wohl aller engagieren, mit ihren Anliegen, Perspektiven und Expertisen gehört und gesehen fühlen, in der alle an einem Strang ziehen für mehr Lebensqualität für alle und für eine gute Zukunft für die nachfolgenden Generationen. Ich will in einer bunten, lebendigen, vielfältigen Gesellschaft leben, in der man von einander lernt und sich mit seinen Unterschieden ergänzt, die wirtschaftlich erfolgreich ist und die daraus ein blühendes kulturelles Leben entwickelt – heute und morgen! Dazu will ich meinen Teil beitragen.

Zur Person

Barbara Christina Merz ist 44 Jahre alt und verheiratet. Von Beruf ist sie freiberufliche Theologin, Rednerin und Kunsttherapeutin in Anstellung.

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