
Menschen aus dem 2. Afghanistan-Evakuierungsflug am 17.08.2021.
Foto: GAF /über dts Nachrichtenagentur
Ein Offizier vom Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr hat seltene Einblicke in die Evakuierungsoperation aus Kabul im Sommer 2021 gewährt. „Wir – alle, die vor Ort waren – haben das Beste aus der Lage gemacht“, sagte Oberstleutnant Tobias R. der der „Süddeutschen Zeitung“.
Nach dem Abzug der internationalen Truppen hatten die Taliban in kürzester Zeit das Land unter ihre Kontrolle gebracht. Die Bundeswehr wurde beauftragt, deutsche Staatsbürger und andere Schutzbedürftige aus Kabul auszufliegen. Der Soldat führte in diesen Tagen die Kräfte des KSK an, die Brigadegeneral Jens Arlt zusätzlich unterstellt waren, um auch außerhalb des Kabuler Flughafens Menschen zu retten. Wegen der chaotischen Verhältnisse hatten es viele aus eigener Kraft nicht mehr zu den Flugzeugen geschafft.
Hubschrauber-Einsatz ausgeplaudert
Die Arbeit der Bundeswehr wurde dabei offenbar durch zögerliches Handeln und teils Gedankenlosigkeit politischer Entscheidungsträger erschwert, wie aus den Schilderungen des Oberstleutnants hervorgeht. Beispielsweise konnten zwei aus Deutschland nach Afghanistan verlegte Spezialkräfte-Hubschrauber seinen Angaben zufolge nicht genutzt werden, weil deren Einsatz zuvor in Deutschland öffentlich bekannt gemacht worden war. Der CDU-Politiker Johann Wadephul hatte am 19. August in der ZDF-Talkrunde bei Maybrit Illner darüber gesprochen.
Dies hatte schwerwiegende Folgen, wie der KSK-Soldat berichtet: „Das amerikanische Verteidigungsministerium hat den Einsatz aber dann letztlich im Rahmen einer Risikobewertung nicht mehr gebilligt.“
Keine Namenslisten
Zum Problem für die Retter sei auch geworden, dass das Auswärtige Amt lange Zeit keine Listen mit Namen von zu evakuierenden Personen zur Verfügung stellte. „Eine formelle Liste des Auswärtigen Amtes gab es in den ersten Tagen nicht“, so der KSK-Soldat. Für die erste Rettungsaktion außerhalb des Flughafens hätten die KSK-Leute auf eigene Faust Kontaktdaten einer Familie recherchiert, von der sie aus der Presse erfahren hatten. Da war die Bundeswehr fast schon eine Woche im Einsatz in Kabul.
„Die Liste wurde von mir am Folgetag massiv eingeklagt, weil ich gesagt habe: Ich bin jetzt bereit. Ich brauche jetzt diese Liste, und dann habe ich sie vom Auswärtigen Amt endlich auch bekommen“, sagte der Soldat.
Insgesamt hat das Kommando Spezialkräfte seinen Angaben zufolge zwölf Operationen außerhalb des Flughafens durchgeführt und dabei 150 Personen gerettet. Zusammen mit den Menschen, die über die Schleusen in den Flughafen gelangt waren, konnte die Bundeswehr weit mehr als 5.000 Personen bei der Evakuierungsoperation aus Afghanistan ausfliegen. Tausende weitere Schutzbedürftige blieben jedoch im Land zurück.
In Berlin befasst sich seit Anfang Juli ein Untersuchungsausschuss mit den dramatischen Umständen des Abzugs aus Afghanistan. (dts Nachrichtenagentur)
Gefällt Ihnen unsere Zeitung?
Fügen Sie den Pfalz-Express als bevorzugte Quelle bei Google hinzu. So verpassen Sie keine wichtigen Nachrichten aus der Region.
⭐ Bei Google als bevorzugte Quelle hinzufügen
Diesen Artikel drucken



Kabul – Die Bundeswehr schickt noch am Freitag zwei Helikopter des Kommandos Spezialkräfte (KSK) nach Kabul. Das berichtet der „Spiegel“ unter Berufung ...
Kabul – Die Evakuierungsaktion der Bundeswehr in Afghanistan gerät ins Stocken. Gegen 22 Uhr deutscher Zeit (1 Uhr Ortszeit) landete eine A400M ...
Kabul/Berlin – In der afghanischen Hauptstadt Kabul ist ein Deutscher auf dem Weg zum Flughafen angeschossen worden. Das sagte die stellvertretende Regierungssprecherin ...
Berlin – Die Verantwortlichen in der deutschen Botschaft in Kabul sollen ihre Evakuierung einem Medienbericht zufolge auf eigene Faust eingeleitet haben, nachdem ...
Kabul – Die Bundeswehr hat den zweiten Evakuierungsflug aus Afghanistan absolviert. Der Transporter vom Typ A400M habe den Flughafen Kabul am Dienstagnachmittag ...
Kabul – Am Donnerstag hat es gegen 15:20 Uhr deutscher Zeit (17:50 Uhr Ortszeit) zwei Explosionen im Außenbereich des Flughafens Kabul gegeben, ...
Kabul – Die Sicherheitslage am Flughafen in Kabul verschlechtert sich immer weiter. Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums sollen in den Menschenmengen am ...
Dschalalabad/Kabul – Bei der Großoffensive der Taliban in Afghanistan haben die Islamisten am Sonntag auch die Provinzhauptstadt Dschalalabad im Osten des Landes ...
Kabul – In Afghanistan ist am gestrigen Samstag ein deutscher Soldat bei Kämpfen mit Aufständischen getötet worden. Das teilte die Bundeswehr am ...
Berlin – Bei dem Autobombenanschlag im Diplomatenviertel der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Mittwochmorgen auch Bedienstete der deutschen Botschaft verletzt worden. Das ...












