Montag 12.Oktober 2026

Kreis Germersheim: Ärger über Müllabfuhr in mehreren Orten – PreZero verspricht Besserung

24. September 2026 | Kategorie: Kreis Germersheim, Regional, Top-Artikel

Foto: Pfalz-Express

Kreis Germersheim – Mal bleiben Gelbe Säcke liegen, mal werden Mülltonnen verspätet oder gar nicht geleert. Was zunächst vor allem aus Zeiskam und Lustadt berichtet wurde, scheint kein rein örtliches Problem zu sein.

Nach einem Bericht des Pfalz-Express haben sich weitere Leser aus dem Kreis Germersheim gemeldet.  Unter anderem wurden auch aus Maximiliansau und Kandel Probleme bei der Abholung geschildert. Jetzt reagierte die Kreisverwaltung: PreZero habe Rückstände mit Sonderschichten aufgeholt und zugesichert, die regulären Touren wieder zuverlässig zu fahren, hieß es am Donnerstagnachmittag (24.9.2026).

Bereits seit Monaten gibt es immer wieder Ärger über verspätete Abfuhren. Besonders deutlich wurde das Ende August in Zeiskam. Ausgerechnet während der Kerwe blieb Müll über das Wochenende an den Straßen stehen. Ortsbürgermeisterin Susanne Lechner sprach das Problem bei der Kerweeröffnung sogar öffentlich gegenüber der anwesenden Kreisbeigeordneten Anette Kloos an.

Damals erklärte die Kreisverwaltung auf Anfrage des Pfalz-Express, über das Jahr habe es einige Verzögerungen im Kreisgebiet gegeben. Eine besondere Häufung speziell in Zeiskam sei jedoch nicht bekannt. PreZero habe Personalengpässe und technische Defekte an Fahrzeugen als Gründe genannt.

Lechner widersprach dieser Einschätzung deutlich. Bei der Gemeinde seien etliche Beschwerden eingegangen. In Zeiskam habe es mehrfach Verzögerungen bei unterschiedlichen Abfallarten gegeben. Gerade wegen der Freitagsabfuhr sei das besonders auffällig: Bleibt eine Tour aus, steht der Müll schnell das ganze Wochenende an der Straße.

Lustadt: Anwohnerin spricht von Problemen seit Monaten

Kurz nach unserem ersten Bericht meldete sich eine Leserin aus Lustadt. Sie beobachte die unzuverlässige Abholung bereits seit etwa einem halben Jahr.

Die Anwohnerin berichtete unter anderem von unterschiedlichen Abholzeiten innerhalb des Orts. Während Tonnen im Oberdorf bereits geleert worden seien, hätten sie im Unterdorf teilweise noch Tage länger gestanden.

Sie habe selbst bereits mehrfach bei der zuständigen Stelle angerufen und nachgefragt, wann der Müll abgeholt werde. Deshalb habe sie sich besonders über die damalige Aussage gewundert, der Kreisverwaltung lägen keine konkreten Beschwerden vor.

Auch die Aufforderung, bei Verzögerungen zusätzliche Abfälle beispielsweise in Kartons oder Papiertüten bereitzustellen, sieht die Leserin kritisch. Gerade bei längerem Stehen und entsprechendem Wetter könnten diese durchweichen. Besonders unangenehm werde es bei Biomüll.

Nach ihren Angaben blieb eine Biotonne einmal rund zweieinhalb Wochen ungeleert. Hinzu komme ein weiteres Problem: Bei angekündigten Nachleerungen würden die Bürger per Abfall-App teilweise aufgefordert, ihre Tonnen draußen stehen zu lassen. Dadurch könnten Gehwege über längere Zeit beeinträchtigt werden.

Vor allem aber stört die Anwohnerin das Verhältnis zwischen Gebühren und Leistung. Während Abfallgebühren pünktlich fällig würden, werde die damit verbundene Leistung aus ihrer Sicht wiederholt verspätet erbracht.

Auch aus Maximiliansau kommt Kritik

Es meldete sich dann ein weiterer Leser, diesmal aus Maximiliansau. Auch dort werde der Müll seit einigen Wochen teilweise erst am nächsten oder sogar übernächsten Tag abgeholt.

Der Leser kritisiert die Situation deutlich. Seiner Ansicht nach müsste PreZero mehr Personal beschäftigen und zusätzliche Fahrzeuge vorhalten, um Ausfälle auffangen zu können. Seine Vermutung: Einsparungen, hoher Arbeitsdruck oder die Bezahlung könnten für die Personalprobleme eine Rolle spielen.

Sein eigentlicher Kritikpunkt ist jedoch eindeutig: Als Kunde erwarte er „für sein Geld die vereinbarte Leistung“.

Kandel: Gelbe Säcke verspätet, Restmülltonnen teilweise nicht geleert

Auch aus Kandel liegen dem Pfalz-Express entsprechende Schilderungen vor. Dort wurden Gelbe Säcke nach Beobachtung eines Anwohners zuletzt erst einen Tag nach dem vorgesehenen Termin abgeholt. Zudem seien einzelne Restmülltonnen wiederholt überhaupt nicht geleert worden.

Der Anwohner schildert noch ein anderes, schon länger bestehendes Ärgernis: Geleerte Mülltonnen würden teilweise so auf dem Gehweg zurückgelassen, dass sie Fußgängern im Weg stehen. Sind die Bewohner tagsüber bei der Arbeit, können die Tonnen dort entsprechend lange stehen bleiben.

Gerade für Menschen mit Kinderwagen, Rollatoren oder Rollstühlen kann ein zugestellter Gehweg zum Problem werden.

Gelber Sack, Restmüll, Papier: Wer ist eigentlich zuständig?

Bei den verschiedenen Beschwerden ist eine Unterscheidung wichtig. Nicht jede Abfallart fällt in dieselbe organisatorische Zuständigkeit.

Für Restmüll und Biomüll ist im Kreis Germersheim PreZero Süd mit der Abfuhr beauftragt. Auch die Gelben Säcke werden derzeit von PreZero abgeholt. Die Sammlung der Verkaufsverpackungen läuft allerdings über die Dualen Systeme und wird nicht über die kommunalen Abfallgebühren finanziert.

Für die Papiertonnen ist dagegen Remondis zuständig, für die Glasboxen Süd-Müll.

Kreis spricht jetzt von Verzögerungen über Wochen und Monate

Inzwischen äußert sich – wie oben erwähnt – die Kreisverwaltung erneut zu der Situation und formuliert die Dimension der Probleme deutlicher als noch bei unserer ersten Anfrage.

„In den vergangenen Wochen und Monaten kam es in Teilen des Landkreises zu Verzögerungen bei der Abholung von Abfällen“, heißt es jetzt von der Kreisverwaltung. Als Gründe führe PreZero weiterhin vor allem personelle Ausfälle und technische Defekte an Entsorgungsfahrzeugen an.

Nach intensiven Gesprächen zwischen Kreisverwaltung und Geschäftsführung des Unternehmens seien die Rückstände mittlerweile durch Sonderschichten vollständig aufgeholt worden. PreZero habe außerdem zugesichert, die regulären Leistungen wieder zu erbringen.

Vertraglich sei das Unternehmen verpflichtet, die vereinbarten Touren ordnungsgemäß auszuführen. Die Kreisverwaltung habe gegenüber PreZero deutlich gemacht, dass die fristgerechte Leerung Priorität habe und personelle oder technische Ausfälle künftig besser aufgefangen werden müssten. 

Brandl: „Ärger ist verständlich“

Landrat Martin Brandl (CDU) zeigt Verständnis für den Ärger der Bürger. „Uns ist bewusst, dass die Verzögerungen für Unmut gesorgt haben“, sagt Brandl. Eine funktionierende Müllabfuhr gehöre zur Verlässlichkeit im Alltag.

Der Kreis habe deshalb bei PreZero nachdrücklich eingefordert, Personal und Fahrzeuge so aufzustellen, dass Ausfälle künftig kompensiert werden könnten. „Die Zusage von PreZero steht: Der Müll wird wie gewohnt abgeholt, die Entsorgungssicherheit im Landkreis ist gewährleistet.“

Ob damit tatsächlich dauerhaft wieder Ruhe bei der Müllabfuhr einkehrt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Abfall-App soll schneller über Ausfälle informieren

Gleichzeitig setzt der Landkreis verstärkt auf seine Abfall-App. Bei kurzfristigen Problemen, beispielsweise einem Fahrzeugdefekt, sollen Verschiebungen dort aktuell mitgeteilt werden.

Wer Push-Benachrichtigungen aktiviert hat, bekommt Änderungen direkt auf das Smartphone. Über die App können Bürger außerdem nicht geleerte Tonnen und andere Probleme melden.

Brandl bittet darum, das Angebot zu nutzen und Informationen auch an Nachbarn weiterzugeben, die kein Smartphone haben.

Die App löst allerdings nur einen Teil des Problems: Sie kann darüber informieren, dass eine Tour ausfällt oder verschoben wird. Ob die Abholung anschließend tatsächlich zeitnah erfolgt, hängt weiterhin vom Entsorger ab.

Für die Bürger dürfte am Ende vor allem eines zählen: dass Tonnen und Gelber Sack am vorgesehenen Tag tatsächlich verschwinden. (red/cli)

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