
Dach mit Photovoltaikanlage.
Foto: Pfalz-Express
SÜW – Der Kreistag hat die Umsetzung des integrierten Klimaschutzkonzepts Landkreis Südliche Weinstraße beschlossen. Das von der Kreisverwaltung erstellte integrierte Klimaschutzkonzept hat Klimaschutzmanager Philipp Steiner in der Sitzung vorgestellt.
Der Landkreis will schnell umsteigen von fossilen auf nachhaltige Energien. Das von der Nationalen Klimaschutzinitiative geförderte Projekt „Erstvorhaben Klimaschutz“ endet zum Februar 2023. Das Konzept soll dann im „Anschlussvorhaben Klimaschutz“ weiter umgesetzt werden.
Die Inhalte und Ziele des Konzepts: 100 Prozent erneuerbare Wärme- und Stromversorgung sowie Mobilität bis 2050. Das bedeutet von 80 Prozent fossiler Energieversorgung auf 0 Prozent in nicht einmal 30 Jahren.
Die Ambitionen haben gute Gründe, wie das Konzept belegt: Der Klimawandel macht sich mit steigenden Temperaturen, veränderten Niederschlägen und Vegetationszeiten sowie Hitze- und Dürrephasen bemerkbar und gilt in der Wissenschaft und bei Meteorologen als unumstritten.
Windkraft und Photovoltaik sollen aber nicht nur Treibhausgasemissionen senken. Auch der teuren Abhängigkeit von fossilen Importen kann mit erneuerbaren Energien begegnet werden. Gemeinsam mit Bürgern, Kommunen und Unternehmen will der Landkreis die Energieversorgung der Zukunft nachhaltiger gestalten.
„Die Kommunen allein können natürlich nicht alle Fragen der Energiewende beantworten. Darum wird der Landkreis sein Mögliches für die Energiewende und den Schutz unserer Lebensgrundlagen tun. Wir brauchen eine effiziente und flexible Energieversorgung in der Südlichen Weinstraße. Nebenbei übernehmen wir mit dem Ausbau der Erneuerbaren auch Verantwortung für unsere Beiträge zum Klimawandel, dessen Folgen wir deutlich merken“, betont Landrat Dietmar Seefeldt. „Viele gute Beispiele machen es uns deutschlandweit vor: Wenn wir zusammenarbeiten, können wir viel erreichen“.
Dreistelliger Millionenbetrag für Öl, Gas und Sprit
Grundlegend für eine erfolgreiche Konzeptumsetzung sieht auch Klimaschutzmanager Philipp Steiner das gemeinsame Engagement von Bürgern, Kommunen und Unternehmen. „Wenn wir die Verbräuche effektiv senken und die benötigte Energie vor Ort erzeugen, haben wir schon viel gewonnen. Aktuell sind wir von großen Versorgern und ineffizienten Lieferketten abhängig. Rund 293 Mio. Euro sind 2019 aus dem Landkreis für Öl, Gas und Sprit abgeflossen. Diese gewaltige Summe wurde quasi verbrannt und steht hier vor Ort nicht mehr zur Verfügung. Jedes erneuerbare Kilowatt, PV-Modul und Windrad zahlt auf das gemeinsame Konto einer bezahlbaren und nachhaltigen Energieversorgung in der Region ein.“
Statt zentraler Kohle- und Atomkraftwerke sind zunehmend kleine, regionale und regenerative Energieerzeuger gefragt. Für das Klimaschutzkonzept wurden darum die Potenziale für Windenergie, Solarenergie, Biomasse und sogar Wasserkraft ermittelt.
Rechenbeispiel: Landkreis kann Energiebedarf nachhaltig decken
Die umfassende wissenschaftliche Arbeit lieferte das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) vom Umweltcampus Birkenfeld. Das Ergebnis der Berechnungen: Rechnerisch kann der Landkreis seinen Energiebedarf nachhaltig decken. Beim Strom sogar drei Mal allein mit Photovoltaik und Windkraft.
Nachhaltige Wärme können anteilig Biomasse, Solarthermie und Geothermie liefern. Mit den ermittelten Potenzialen können zugleich Abhängigkeiten von fossilen Lieferketten ersetzt werden. Dabei seien die Kommunen ebenso gefragt wie ansässige Bürger und Unternehmen, so die Kreisverwaltung.
Im Landkreis werden bisher rund 55 Prozent des Stroms und 13 Prozent der Wärme regenerativ vor Ort erzeugt. Dabei sind laut Konzept bereits 228 Mio. Euro Wertschöpfung entstanden.
Weitere Schwerpunkte im Konzept sind unter anderem die Steigerung der Energieeffizienz im Landkreis und die kommunale Wärmeplanung. Das interaktive Klimaschutzportal erreichen Interessierte über https://suedliche-weinstrasse.klimaschutzportal.info/portal/startseite.
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