Mittwoch 14.Oktober 2026

Gleichstellungsbeauftragte Trog stellt Tätigkeitsbericht vor: Über 500 Beratungsfälle – Gleichstellungsarbeit ist oft Krisenhilfe

1. Juli 2026 | Kategorie: Kreis Germersheim

Lisa-Marie Trog, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Germersheim.
Foto (Archiv): KV GER / sey

Kreis Gemersheim – Hinter dem Begriff „Gleichstellungsarbeit“ verbirgt sich weit mehr als die Förderung der Chancengleichheit. Als Gleichstellungsbeauftragte ist Lisa-Marie Trog zentrale Ansprechpartnerin für Fragen der beruflichen Gleichstellung, unterstützt Menschen in akuten Krisen und setzt sich für den Schutz vor Gewalt ein.

Wie groß der Bedarf ist, zeigt ihr Tätigkeitsbericht für die Jahre 2023 bis 2025: Mehr als 500 Beratungsfälle wurden in diesem Zeitraum registriert. Die Bandbreite reicht von Benachteiligungen im Berufsleben bis hin zu häuslicher und sexualisierter Gewalt.

Ein sensibles Nadelöhr im regionalen Hilfesystem bleibt die Auslastung des Frauenhauses Südpfalz. Im Jahr 2023 fanden dort 28 Frauen und 33 Kinder Schutz. In den Jahren 2024 und 2025 kamen weitere 25 Frauen und 45 Kinder hinzu. Die Zahlen entsprechen dem bundesweiten Trend und verdeutlichen den anhaltend hohen Bedarf an Schutzplätzen.

Trog macht deutlich, dass häusliche Gewalt alle gesellschaftlichen Schichten betrifft. Besonders Menschen ohne finanzielle Rücklagen oder ein tragfähiges soziales Umfeld seien auf anonyme Schutzangebote angewiesen. Gleichzeitig tauchten nicht alle Betroffenen in der Statistik auf, weil manche bei Verwandten oder Freunden unterkämen.

„Häusliche und sexualisierte Gewalt ist kein Randphänomen, sondern bittere Realität mitten in unserer Gesellschaft. Die hohen Beratungszahlen zeigen uns vor allem eines: Wir haben im Landkreis ein funktionierendes Hilfesystem, das Betroffenen den Mut gibt, das Schweigen zu brechen. Unser unbedingter Auftrag als Landkreis ist es, hinzusehen, Betroffene lückenlos zu schützen und Gewalt in jeglicher Form die rote Karte zu zeigen“, sagt Trog.

Ein wichtiger Baustein der Präventionsarbeit war die Wanderausstellung „Man(n) tötet nicht aus Liebe“. Sie rückte das Thema Femizide – also die Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts – in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion.

Die Ausstellung sollte patriarchale Besitzansprüche sichtbar machen und mit der Verharmlosung solcher Taten als vermeintliche „Beziehungsdramen“ brechen. Die Resonanz im Landkreis habe gezeigt, wie wichtig Aufklärung sei, um Warnsignale frühzeitig zu erkennen.

Künftig will die Gleichstellungsstelle ihre Präventionsarbeit noch stärker auf junge Menschen ausrichten. Geplant sind digitale Angebote, die sich mit algorithmisch verstärkten Rollenbildern, Frauenfeindlichkeit im Internet und moderner Vaterschaft befassen. So sollen gegenseitiger Respekt und die Übernahme von Verantwortung frühzeitig vermittelt werden.

Wer von Gewalt betroffen ist oder eine betroffene Person kennt, kann sich vertraulich an die Gleichstellungsbeauftragte wenden. Das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist rund um die Uhr unter der Telefonnummer 116 016 erreichbar.

Kontakt Gleichstellungsstelle Landkreis Germersheim:

Gleichstellungsbeauftragte Lisa-Marie Trog

E-Mail: gleichstellungsbeauftragte@kreis-germersheim.de

Web: www.kreis-germersheim.de/gleichstellung

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