Dienstag, 10. Dezember 2019

Finanzbildung ist das A und O: ARD-Journalist Markus Gürne erklärt beim VR-Infoforum der VR Bank Südpfalz Zusammenhänge von Weltpolitik und Finanzmärkten

15. November 2019 | noch keine Kommentare | Kategorie: Landau, Wirtschaft in der Region

ARD-Journalist Markus Gürne beleuchtet die Weltpolitik und empfiehlt mehr Finanzbildung beim VR-Infoforum der VR Bank Südpfalz im Alten Kaufhaus.
Foto: red

Landau. Er arbeitete und lebte in London und Neu-Delhi, war Korrespondent in Kairo und im Irak, spricht regelmäßig mit den Mächtigsten der Wirtschaftswelt: Markus Gürne, Leiter der ARD-Börsenredaktion und Moderator der Sendungen „Börse vor acht“ und „Plusminus“, referierte beim VR-Infoforum der VR Bank Südpfalz zum Thema „Britischer Humor, amerikanischer Furor, chinesischer Drache – was bringt die Zukunft?“.

Gut eine Stunde lang lieferte Gürne den rund 250 Gästen im Kulturzentrum Altes Kaufhaus in Landau überaus kurzweilig und mit nur einer trotz der Beschränkung auf eine Grafik äußerst anschaulich einen Überblick über die wirtschaftliche Lage in der Welt, die Rolle, die Europa darin spielt, und eine Prognose für Deutschland. Vorgestellt wurde er von Frank Weinheimer, Abteilungsdirektor Vermögensmanagement der Genossenschaftsbank: „Finanzbildung ist ein bedeutendes Thema für unser Haus. Wir haben einen Referenten gesucht, der uns mit Blick auf Politik und Kapitalmärkte beantworten kann, was die Zukunft bringt. Mit Markus Gürne haben wir einen Experten gefunden.“

Gürne erklärte eindrucksvoll, eloquent und sehr gut verständlich wirtschaftliche Zusammenhänge. Dass Europa zwar die stärkste Wirtschaftsmacht auf der Welt sein könnte, es aber faktisch nicht mit den vier großen Wirtschaftsmächten USA, Russland, China und Indien aufnehmen kann, zumal Europa wirtschaftliche Stärke im Gegensatz zu den Genannten nicht in politisches Gewicht ummünzen könne. Auch Standortfaktoren spielen eine Rolle. „Europa ist zu klein, es gibt keine einheitliche Währung und es leben hier zu wenig Menschen“, so Gürne.

Besonders die Briten bekamen ihr Fett weg, obwohl der 48-jährige Schwabe normalerweise ein Fan Großbritanniens ist: „Ich liebe den schwarzen Humor und Monty Python – und natürlich die Nationalelf bei Fußball-Weltmeisterschaften, denn spätestens beim Elfmeterschießen ist auf die britischen Jungs immer Verlass.“ Britischer Humor sei angesichts der momentanen Situation des Vereinten Königreichs bitter vonnöten. „Als ich am 23. Juni 2016 ins Bett gegangen bin, dachte ich: So blöd können die Briten nicht sein“, sagte Gürne. Waren die Briten aber und stimmten für den Austritt aus der EU.

Die Auswirkungen werden gewaltig sein, prognostizierte der Wirtschaftsexperte. „England und Wales haben eine Wirtschaftskraft wie Rheinland-Pfalz und Westfalen“, behauptete Gürne.

Die Selbstwahrnehmung sei aber eine andere: Großbritannien halte sich immer noch für das einstige Empire. „Sie leben in der Vergangenheit, das ist ihr Problem.“ Auch Deutschland lebt wirtschaftlich gesehen in der Vergangenheit. „Das haben wir schon immer so gemacht“, so Gürne, sei ein Leitspruch, der immer noch in vielen Unternehmen gilt. In der Automobilindustrie lautet der Standardsatz: „Wir bauen in Deutschland Premium-Produkte.“ Dummerweise sei das nicht das, was die Kunden wollen, und vor allen Dingen sei das nicht das, was in Zukunft benötigt werde. „Wir müssen Denkmuster durchbrechen, innovativ sein“, forderte Gürne.

Auch wenn Markus Gürne den momentanen US-Präsidenten als verhaltensauffällig bezeichnet, müsse man sich doch eine Sache von ihm abgucken: „Wir müssen wieder mehr an uns selbst denken und viel mehr für uns ausgeben.“ Deutschland brauche stabile Nachbarstaaten – „Export ist unser Geschäftsmodell“.

Die Resonanz auf Gürnes Vortrag war äußerst positiv. Im Anschluss richtete das Auditorium zahlreiche Fragen an den Experten. Gürne prognostizierte, dass es bis zum Ende seiner Erwerbstätigkeit mit 67 sicherlich keine Zinsen mehr gibt.

An Aktien komme daher niemand mehr vorbei. Er empfahl Anlegern, sich umfassender zu informieren und Nachrichten auch mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. „Finanzbildung ist das A und O“, so Gürne. Weinheimer stimmte überein und regte zu mehr Bereitschaft an, sich über die Zusammenhänge von Politik und Finanzen zu informieren, bevor er zum gemeinsamen Ausklang ins Foyer des Kulturzentrums einlud.

 

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