Mainz – Angesichts der wachsenden Furcht in der SPD vor einer erneuten Wahlniederlage hat der frühere Parteichef Kurt Beck seine Genossen zur Disziplin aufgerufen.
„Das Dümmste, was wir jetzt tun könnten, ist über etwas anderes als einen rot-grünen Wahlsieg zu reden“, sagte Beck. Auch der Vorsitzende der baden-württembergischen SPD, Nils Schmid, forderte von seinen Genossen volle Konzentration auf den Wahlkampf. „Die Bundestagskandidaten, die Basis, die Mitglieder und Helfer, wollen nichts, ausdrücklich nichts hören von dem, was nach der Wahl passiert“, betonte Schmid.
Mehrere Vertreter der SPD hatten in den vergangenen Tagen öffentlich über Koalitionsoptionen für den Fall einer fehlenden rot-grünen Mehrheit bei der Bundestagswahl spekuliert. Auch das Verhältnis zwischen Parteichef Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier war zunehmend Gegenstand der öffentlichen Debatte geworden. Die Wahlkämpfer in Hessen, wo gleichzeitig auch der Landtag gewählt wird, drängen auf ein Ende dieser Diskussionen.
„Wir haben keine Zeit für Therapiestunden“, sagte Hessens SPD-Generalsekretär Michael. „Wer mit wem nicht kann, damit halten wir uns nicht mehr auf.“ Indessen glaubt ein Drittel der Bundesbürger, dass die SPD bei unklaren Mehrheitsverhältnissen eine Große Koalition anstreben wird. Laut einer Emnid-Umfrage für „Focus“ gehen 33 Prozent der Befragten davon aus, dass sich die SPD auf die Union zu bewegen wird, wenn es nicht für Rot-Grün oder Schwarz-Gelb reicht. 26 Prozent der Befragten glauben dagegen, dass die Sozialdemokraten eher ein Bündnis mit Grünen und Linkspartei anstreben würden.
An eine Ampel glauben nur 13 Prozent. Dass die SPD trotz einer möglichen Regierungsbeteiligung erneut in die Opposition gehen würde, halten lediglich acht Prozent der Befragten für wahrscheinlich. Das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid befragte am 22. und 23 August für „Focus“ 1009 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger. (dts Nachrichtenagentur)
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