
Foto: dts Nachrichtenagentur
Berlin – Nach dem großflächigen Stromausfall in Berlin haben die ersten Haushalte wieder Strom.
Bis circa 3:30 Uhr habe man in mehreren Stufen rund 7.000 Haushalte und 150 Gewerbe insbesondere im Bereich Lichterfelde wieder versorgen können, teilte der Netzbetreiber am Sonntag mit.
Mit der Wiederversorgung aller Kunden wird allerdings weiterhin erst am Donnerstagnachmittag gerechnet. Insgesamt waren rund 45.000 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden in den Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde betroffen. Bei Tiefsttemperaturen bis – 6 Grad kein Spaß. Und besonders gefährlich für alte und kranke Menschen.
Der Stromausfall war durch einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke über den Teltowkanal verursacht worden, für den sich die als linksextremistisch eingestufte „Vulkangruppe“ bekannte, die auch schon in der Vergangenheit vergleichbare Anschläge für sich reklamiert hatte. Der Staatsschutz hält das Bekennerschreiben offenbar für echt.
Die Polizei ist unterdessen weiter mit einem Großaufgebot in den betroffenen Gebieten im Einsatz. Insgesamt wurden dafür rund 330 Beamte abgestellt.
In dem im Internet veröffentlichten Bekennerschreiben der „Vulkangruppe“ wird detailliert das Vorgehen, einschließlich des Inbrandsetzens einer Kabelbrücke und des zusätzlichen Kurzschließens beschädigter Leitungen beschreiben.
Ideologie statt Verantwortung
Die Täter stellen die Sabotage als politisch motivierte Aktion gegen die fossile Energiewirtschaft dar und sprechen von einem angeblichen Akt der Notwehr. Stromausfälle in wohlhabenden Stadtteilen des Berliner Südwestens werden von ihnen ausdrücklich als hinnehmbar relativiert („unser Mitleid hält sich…in Grenzen“), während sie sich bei weniger wohlhabenden Betroffenen nachträglich entschuldigen.
Zugleich erklärten die Verfasser, ein länger andauernder Strom- und Heizungsausfall sei weder beabsichtigt noch einkalkuliert gewesen, eine Fehleinschätzung, die im Widerspruch zu den tatsächlichen Folgen für Zehntausende Haushalte steht.
Trotz der massiven Auswirkungen behauptet die Gruppe, eine Gefährdung von Menschenleben ausgeschlossen zu haben.
Update am Sonntagnachmittag (4. Januar 2025) – Stromversorgung in Berliner Kliniken weitgehend wiederhergestellt
Die Lage in den Krankenhäusern im Berliner Südwesten, die von dem großen Stromausfall betroffen waren, hat sich entspannt. Wie die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege mitteilte, sind das Helios-Klinikum Emil von Behring, das Evangelische Krankenhaus Hubertus, das Krankenhaus Waldfriede und das Immanuel-Kant-Krankenhaus bereits wieder an das Stromnetz angeschlossen. Der Anschluss des ebenfalls betroffenen Theodor-Wenzel-Werks stehe kurz bevor.
Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) dankte dem Netzbetreiber Stromnetz Berlin für den schnellen Einsatz. Die ersten Stunden nach dem Ausfall hätten gezeigt, dass die Krisenvorsorge funktioniere.
Durch die koordinierte Arbeit des Krisenstabs und die Kommunikation mit allen Beteiligten konnten geplante Evakuierungen von Gebäuden und Verlegungen von Patienten verhindert werden. Die Charité und Vivantes hätten bei den Vorbereitungen für mögliche Verlegungen unterstützt.
Auch zahlreiche Pflegeeinrichtungen und pflegebedürftige Menschen in Privathaushalten waren von dem Stromausfall betroffen. Die Senatsverwaltung stehe im engen Austausch mit dem Einsatzstab der Berliner Feuerwehr und unterstütze die Heimaufsicht. Dies umfasse auch die Verlegung von Menschen in Pflegeeinrichtungen mit freien Kapazitäten. Die Lage werde fortlaufend neu bewertet, um bei Bedarf weitere Maßnahmen einleiten zu können.
(dts Nachrichtenagentur/ red)
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