
Foto über dts Nachrichtenagentur
Washington – Der US-Lehrer, dessen Faschismus-Experiment in einer Geschichtsklasse 1967 zur Vorlage für das Buch „Die Welle“ wurde, bereut dieses heute zutiefst.
„Es war ein abschreckendes Beispiel, das ich niemals wiederholen würde“, sagte Ron Jones der „Welt am Sonntag“.
Jones hatte als 26-jähriger Lehrer der Cubberley High School in Palo Alto bei San Francisco seinen Schülern zeigen wollen, wieso so viele Deutsche Hitler gefolgt waren. Er führte einen autoritären, fast militärischen Unterrichtsstil ein und gab der Gruppe den Namen „Dritte Welle“.
Eigentlich habe er das Experiment nach der ersten Unterrichtsstunde für beendet gehalten, doch die Schüler hätten von sich aus weitermachen wollen, sagte Jones: „Als ich am nächsten Tag in die Klasse kam, saßen alle wieder aufrecht da, die Hände gefaltet. Von da an passierte alles spontan.“
Nach der Auflösung am letzten Tag habe er lange nicht darüber geredet. „Ich wusste, dass ich zu weit gegangen war, und schämte mich. Auch dafür, dass ich selbst so manipulierbar war. Ich wollte so etwas nie wieder machen. Es war Glück, dass niemand zu Schaden gekommen ist“, sagte Jones.
Dennoch habe das Experiment sein Leben und das seiner Schüler auch positiv beeinflusst. „Einige meiner Schüler, die ja jetzt auch schon Mitte 60 sind, sind immer noch Rebellen. Und auch ich habe mich in den Jahren danach viel engagiert, an der Schule etwa für die Bürgerrechtsbewegung.“
Doch seit mehr als 50 Jahren könne er dem Experiment nicht entkommen. Gerade läuft eine Netflix-Serie („Wir sind die Welle“), die sich an die Geschichte der „Dritten Welle“ anlehne. Und im Dezember zeigt der Pay-TV-Sender Crime+Investigation eine Dokumentation, welche die Originalgeschichte rekonstruiert. (dts Nachrichtenagentur)

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