Dienstag 3.November 2026

Röttgen und Hofreiter gegen russische Eishockey-Spieler bei WM – Kritik an politischer Instrumentalisierung des Sports

3. November 2026 | Kategorie: Politik

Symbolbild: dts Nachrichtenagentur

Berlin – Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen spricht sich gegen eine Teilnahme Russlands an der Eishockey-Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland aus und erwartet von der Bundesregierung, keine Visa an russische Spieler auszugeben.

Ähnlich äußerte sich der Grünen-Politiker Anton Hofreiter. Beide argumentieren mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Dem steht die Position gegenüber, dass Sport grundsätzlich politikneutral bleiben und Sportler nicht pauschal ausgeschlossen werden sollten.

„Russland führt einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, der sogar immer mehr ein menschenverachtender Vernichtungskrieg gegen Zivilisten und zivile Lebensräume in der Ukraine wird“, sagte Röttgen dem „Stern“. Solange dies der Fall sei, könne es keine Teilnahme Russlands an internationalen Sportwettbewerben geben.

Die Grundlage solcher Veranstaltungen seien Fairness und Respekt – Werte und Prinzipien, die Putins Russland jeden Tag mit Füßen trete. Als Konsequenz könne es darum auch keine Visaerteilung nach Deutschland für russische Sportler und Sportfunktionäre geben.

Sport sollte keine „Normalität vortäuschen“

Der internationale Sport dürfe keine Normalität vortäuschen, „die im Gegensatz zu der Brutalität, dem Töten und Sterben steht, das die Ukrainer jeden Tag durch die russische Aggression erleiden“.

Hofreiter nannte die Entscheidung des internationalen Sportgerichtshofs fatal. Eishockey sei in Russland hochpolitisch. Russische Nationalspieler hätten Putin und seine Partei bei den vergangenen Wahlen öffentlich unterstützt. Angesichts des fortgesetzten Angriffskrieges und zunehmender Kriegsverbrechen könne er sich nicht vorstellen, dass die Bundesregierung dem russischen Team Einreisevisa erteile.

Russland dürfe keine internationale Bühne im Sport erhalten. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hatte vergangene Woche Russland eine Teilnahme an der WM erlaubt. Das Schiedsgericht gab einer Berufung des russischen Eishockeyverbandes gegen den Weltverband IIHF statt und hob dessen Ausschluss auch für die Saison 2026/2027 mit sofortiger Wirkung auf. Damit wären die Russen bei der Weltmeisterschaft im Mai 2027 in Deutschland spielberechtigt.

Sport sollte politikneutral bleiben

Kritiker dieser politischen Haltung verweisen darauf, dass Sport grundsätzlich politikneutral bleiben müsse. Sportler seien keine Politiker und sollten nicht für die Handlungen ihrer Regierung haftbar gemacht oder pauschal ausgeschlossen werden.

Ein Ausschluss russischer Athleten untergrabe das Prinzip des fairen Wettbewerbs und der Trennung von Sport und Politik, das internationale Verbände und Olympische Ideale eigentlich vertreten.

Viele Sportfunktionäre und Beobachter argumentieren, dass gerade in Zeiten politischer Spannungen der Sport eine der wenigen verbleibenden Brücken zwischen Völkern darstellen könne und dass individuelle Sportler nicht für staatliche Entscheidungen bestraft werden dürften.

Eine Visa-Verweigerung würde zudem die Entscheidung des unabhängigen Sportgerichtshofs unterlaufen und den Sport weiter politisieren.Die Bundesregierung hat sich zu möglichen Visa-Entscheidungen bislang nicht abschließend geäußert. Die Debatte um die Rolle des Sports im Kontext des Ukraine-Krieges dürfte damit weiter anhalten.

Zur Startseite

Abonnieren Sie auch unseren Pfalz-Express-Kanal bei YouTube

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Kommentare sind geschlossen