Mittwoch 19.August 2026

„… die sich küssen und kosen, donnerstags stets um eins!“: Wieder einmal schönes Sommerfest der „Herbstzeitlosen“

14. Juli 2026 | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße

„Die Herbstzeitlosen“
Foto: Heinz Lambert

Burrweiler. Wieder einmal wurde der blühende Garten von Irene und Diether Mayer im Burrweilerer „Immengarten“ zum Schauplatz des großartigen Sommerfestes der Seniorengruppe „Die Herbstzeitlosen“.

Zu der „Oldie-Truppe“, welcher der leider bereits verstorbene Wilhelm „Willy“ Held einst den Namen gab, zählen rund 25 Damen und Herren aus Burrweiler, Annweiler, Böchingen, Flemlingen, Hochstadt, Landau, Ludwigshafen, Offenbach und sogar aus Mühlacker in Baden. Die längst zum Ehrenmitglied ernannte Seniorenchefin Edith Beck, ist auch mit ihren mittlerweile 97 Jahren noch die Führungspersönlichkeit.

„Wir Senioren wissen eben auch heute noch wie man richtig feiert!“ sagte Edith Beck beim Sommerfest. Sie ließ es sich nicht nehmen die Begrüßung der Frauen und Männer wieder selbst vorzunehmen, besonders die des Ehrengastes Pfarrer Dr. Achim Dittrich, Kooperator der Pfarrei Hl. Anna Edenkoben, der auch für die Wallfahrten auf den Annaberg bei Burrweiler verantwortlich zeichnet.

Die persönliche Anrede „Geistliche Hoheit“, die Edith Beck für ihn wählte, dürfte im gefallen haben. „Auch ältere Menschen freuen sich noch über Überraschungen und ihnen entgegen gebrachte Hochachtung“, stellte Edith Beck fest.

Dr. Dittrich bekannte, dass er eigentlich gerne Augustinus hieße, da er am 28. August geboren wurde, dem Namenstag des Heiligen. Seine Eltern hatten ihm aber bei der Namensvergabe wohl kein Mitspracherecht eingeräumt. Mittlereile habe er sich aber mit Achim gut arrangiert und angefreundet.

Hatten offensichtlich Spaß: Pfarrer Dittrich und Gastgeberin Irene Mayer
Foto: Heinz Lambert

Er sprach dann das Tischgebt. „O Herr von dem wir alles haben, wir preisen Dich für Deine Gaben. Du speisest uns, weil Du uns liebst; O segne auch, was Du uns gibst. Amen.“ Ein sehr passendes Gebt, hatten doch die Damen und Herren der Gruppe, sicher ganz im Sinne des Herrn, Rollbraten, verschiedene Salate, selbst gebackene Kuchen und diverse Getränke geliefert.

Gerti Kupper aus Offenbach hätte beim Sommerfest Grund zur persönlichen Feier gehabt, stieß sie doch 2001, also vor 25 Jahren zur Gruppe hinzu. Aber an dieses Jubiläum hatte die 78-jährige wohl gar nicht gedacht. „Beim Kaffeetrinken in einem Café in Gleisweiler ergab sich rein zufällig der Kontakt zu Edith Beck, die mir von der Seniorengruppe erzählte. Ich schaute mir das dann bei einem Treffen an und war total begeistert“ erzählt Kupper, die als langjähriges Mitglied des Offenbacher Gemeinderates in der Region bestens bekannt ist.

Gerti Kupper
Foto: Heinz Lambert

Geradezu ein Ritual der Treffen ist, neben Essen, Trinken und Plaudern, das gemeinsame Singen. Immer wieder stimmt irgendwer ein Lied an und alle steigen sofort mit ein, so auch dieses Mal. Das Repertoire umfasst ausschließlich deutsche Lieder, wenig verwunderlich bei der Altersklasse der Beteiligten.

Sollte man mal nicht ganz so Textsicher sein, greift man einfach zu den ausliegenden Liederbüchern und singt mit. Mancher Gesangverein wäre dankbar die kräftigen Stimmen der „Ü 70 Band“ in seinen Reihen zu wissen.

Zu Beginn des gesanglichen Teils des Mittags steht das Vereinslied, dessen Text Willy Held zur bekannten Melodie des „Pfälzer Wind“ kreierte. Im Refrain heißt es: „Wir sind die Herbst, Herbst, Herbst, die Herbstzeitlosen, die sich küssen und kosen, donnerstags stets um eins!“ Eine Strophe widmete Willy Held auch Edith Beck.
„Die Chefin hält die Rede, denkt auch an kranke Leut, zwei Euro zahlt dann jeder, im Monat für die Freud.“

Edith Beck
Foto: Heinz Lambert

Edith Beck war selbst viele Jahrzehnte lang begeisterte Sängerin im Burrweilerer Kirchenchor. Nicht zu vergessen ihre Auftritte an Fastnacht in der „Bütt“, wo sie schon in den 1950er Jahren für Stimmung sorgte.

Sie ist eine „Ur-Burrerin“, hier geboren und aufgewachsen, unter ihrem Mädchennamen Hartkorn. Sie und ihr leider früh verstorbener Mann Alfons 1960/1961 bauten eines der ersten zwei Häuser in einem schmalen Pfad der damals „Woogstamm“ hieß. Wegen der Bienenkörbe die dort standen, bekam die dann angelegte Straße den Namen „Immengarten“, dem später noch das „Im“ vorangestellt wurde. Fast könnte man sagen, dass es ohne die Bautätigkeit der Becks und ihrer Nachbarn Johanna und Fritz Lambert, den Immengarten vielleicht gar nicht gäbe.

Edith Becks besonderer Dank ging an die Familie Mayer, die es Jahr für Jahr möglich macht, dass dieses Fest überhaupt stattfinden kann. „Blumen verwelken und so haben wir uns entschieden euch mit einer guten Flüssigkeit zu überraschen“, erfreute sie die Gastgeber.

Diether Mayer gibt den Ton an
Foto: Heinz Lambert

Zur Geschichte

Seit 54 Jahren gibt es in Burrweiler diese Seniorengruppe die einst Teil des Pfälzerwald-Vereins (PWV) war und deren Gründungsvater der Wanderwart Karl Lambert war- Er schlug im Januar 1972 vor für die Seniorinnen und Senioren des Vereins eigene Wanderungen anzubieten und setzte dies in die Tat um. Nach ihm übernahm Gustav Spieß die Aufgabe, ehe 1991 Edith Beck folgte. Heute ist die Gruppe längst nicht mehr Teil des PWV. Sie steht seit Jahren auf eigenen Füßen.

„Eigentlich wollte ich den Posten damals gar nicht übernehmen, weil ich die Jüngste im Kreis der Älteren war. Aber dann haben mich alle gewählt“, berichtet die mittlerweile 97-jährige. Damals war sie 62 und notierte akribisch die bei den Wanderungen von den Oldies zurückgelegten Kilometer. Diese Aufzeichnungen hat sie auch heute noch.

„Gewandert wird zwar schon seit Jahren nicht mehr, aber wir treffen uns jeden Donnerstag gegen 13 Uhr in verschiedenen Lokalitäten in Burrweiler und Umgebung“, so Beck. Die wöchentliche Organisation der Treffen hat mittlerweile ihr Neffe Diether Mayer übernommen. Schon ob der räumlichen Nähe in der Straße „Im Immengarten“, in der beide nur 15 Meter voneinander entfernt wohnen, bot sich dies an. (Heinz Lambert, Burrweiler)

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