Sonntag, 23. Juni 2024

Der Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt: Sabrina Stolarczuk erhält Manfred-Eschbacher-Preis der SPD

31. Januar 2023 | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße, Regional, Regional

Kurt Beck, Sabrina Stolarczuk und Gerhard Lingenfelder.

Gommersheim. Sabrina Stolarczuk heißt die diesjährige Preisträgerin des Manfred-Eschbacher-Preises. Der SPD-Gemeindeverband Edenkoben-Maikammer zeichnete die Gommersheimerin für ihre Initiative zur Vermeidung der Verschwendung von Lebensmitteln aus.

Zusammen mit Stolarczuk engagieren sich dafür mit großem persönlichem ehrenamtlichem Einsatz zwischen 20 und 30 Frauen in den Kreisen Südliche Weinstraße und Bad Dürkheim und in Neustadt.

Teilweise täglich sorgen sie dafür, dass noch gute Lebensmittel nicht einfach in der Mülltonne landen, nur weil vielleicht deren Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) schon morgen oder übermorgen abläuft und deshalb nicht mehr in den Verkauf gelangen darf. Sie retten diese Lebensmittel aus Supermärkten oder auch aus Bäckereien.

Der Preis, der mit 250 Euro dotiert ist, wurde zum achten Mal vergeben. Mit ihm werden ehrenamtliche Leistungen von Personen und Gruppierungen in den Verbandsgemeinden Edenkoben und Maikammer gewürdigt.
Namensgeber ist der am 31. Mai 2003 verstorbene frühere Roschbacher Ortsbürgermeister Manfred Eschbacher, der wie kaum ein Zweiter für das Ehrenamt stand.

Ministerpräsident a.D. Kurt Beck, der die Laudatio hielt, sagte zu Beginn: „Wir müssen unsere Lebensmittel wieder mehr würdigen, sie sind ein Kernbereich unserer Gesellschaft.“ In seiner Kinderzeit sei es unvorstellbar gewesen, dass man auch nur ein Stück Brot weggeworfen hätte.

„Die Frage wie wir mit Lebensmitteln umgehen, ist leider total aus dem Fokus geraten, da ja hier in Deutschland diese im Überfluss vorhanden sind. Dies ist aber leider nicht überall in der Welt so. Millionen leiden Hunger. Jährlich sterben Hundertausende von Kindern an Unterernährung. Dies ist ein Skandal für die Menschheit!“ wurde Beck deutlich.

Kurt Beck hat selbst einmal Klarinette gespielt.
Foto: Heinz Lambert

Auch in Deutschland gäbe es immer mehr Menschen, die nicht wüssten, wie sie über die Runden kommen sollen. Es sei wichtig nicht immer nur zu reden, sondern auch zu handeln.
„Das aktive Beispiel, wie hier bei den Lebensmittelrettern, vermittelt mehr als das nur gesprochene Wort!“ stellte der Laudator fest. Nicht zuletzt sei die Überproduktion von Lebensmitteln auch ökologisch schädlich, würden doch Wasser, Energie und auch Düngemittel über die Maßen verbraucht.

Sabrina Stolarczuk betätigt sich seit 2016 als Foodsaver, also Lebensmittelretter.
Sie stieß auf „Foodsharing“ auf der Internetplattform Facebook, als dort jemand einen Kühlschrank zur Aufbewahrung von geretteten Lebensmitteln suchte. Sie war sofort von dieser Idee begeistert und begann ihre Rettertätigkeit.

Ein Aktenschrank aus Stahl diente als erster Aufbewahrungsort für die geretteten Lebensmittel. Heute steht im Hof des Gommersheimer Rathauses ein sogenannter „Fair Teiler“.

Dies ist ein Holzhaus, zu dem die Retter die Lebensmittel bringen und in Regale ein-sortieren. Von dort kann dann jeder, der Bedarf hat, diese abholen.

Vordringlich wendet sich das Angebot aber an Menschen, denen es finanziell nicht so gut geht. Auch in Edesheim und Neustadt gibt es solche Häuser.
„Es geht bei unserer Arbeit in erster Linie darum die Lebensmittel zu retten und davor zu bewahren, dass sie direkt in der Mülltonne landen“, stellt Sabrina Stolarczuk fest.

Lebensmittel deren MHD abgelaufen ist nehmen den Großteil dessen ein, was die Foodsaver abholen. MHD bedeute ja nicht „das ist heute abgelaufen, dann bekomme ich Morgen eine Lebensmittelvergiftung“. Sollten die Lebensmittel widererwarten nicht mehr genießbar sein, kann man diese ja immer noch entsorgen.
„Warum werden Bananen weggeschmissen, die äußerlich mal zwei drei braune Flecken aufweisen? Das Innere ist doch vollkommen in Ordnung“, so Stolarczuk.

Es müsse auch nicht jedes Geschäft alle Lebensmittel bis zum Ladenschluss vorhalten. Wenn das letzte Brot mal eine Stunde vor Geschäftsschluss verkauft sei, dann wäre das halt mal so. Dieses Bewusstsein sei aber oft nur schwer in die Köpfe der Verbraucher, aber vor allem auch in die der Geschäftsleute zu bekommen.

„Das Ziel für uns als Foodsaver muss es sein, dass die Betriebe uns nicht mehr brauchen, weil sie es in ihren Läden hoffentlich schon bald selbst auf die Reihe bekommen Lebensmittelrettung zu betreiben“, schaut Sabrina Stolarczuk in die Zukunft. „Wir retten überall da, wo Bedarf ist. Die Zusammenarbeit mit den Supermärkten funktioniert mittlerweile sehr gut“, freut sie sich.

„Wenn man sich als Lebensmittelretter verdingt, muss man das mit viel Herzblut tun und zu einhundert Prozent hinter dem Stehen was man tut!“ schloss sie ihre Dankesrede.

„Es ist schon sehr beeindruckend und alles andere als selbstverständlich, wenn jemand wie Sabrina Stolarczuk, die verheiratet ist, drei Kinder groß zieht und mitten im Beruf steht, sich neben ihren beruflichen und familiären Verpflichtungen noch so intensiv ehrenamtlich engagiert“, lobte Gemeindeverbandsvorsitzender Gerhard Lingenfelder.

Der Gommersheimer Ortsbürgermeister Lothar Anton freute sich, dass die Preisträgerin aus „seinem“ Dorf kommt. „Wir können stolz sein, dass es hier im Ort Menschen gibt, die sich in überaus hohem Maße ehrenamtlich sozial engagieren. Sabrina Stolarczuk ist hierfür ein leuchtendes Beispiel!“

Manfred Eschbachers Witwe Bernate, die zusammen mit ihrer Tochter Daniela zur Preisverleihung gekommen war, sagte dass es schön sei, dass der nach ihrem Mann benannte Preis auch in diesem Jahr wieder eine würdige Trägerin gefunden hat.

Musikalisch umrahmt wurde die Preisverleihung vom Duo „Sax and dreams“ aus Gommersheim und Hambach, die Glenn Millers „In the Mood“, „I do, I do, I do“ von Abba, „Flashdance – What a feeling“ von Irene Cara und „Angels“ von Robbie Williams herausragend intonierten.

Kurt Beck gab kund, dass er selbst lange Jahre Klarinette gespielt habe. Zu einer Darbietung seiner Kunst ließ er sich allerdings nicht bewegen.
Mehr als ein Bild, das ihn mit dem Instrument in der Hand zeigt, war ihm nicht zu entlocken. (Text und Bilder: Heinz Lambert, Burrweiler)

Foto: Heinz Lambert

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