Mittwoch, 04. August 2021

Begegnungen: Christliche Mädchenklasse besucht Moschee in Landau

26. Januar 2013 | Kategorie: Landau, Regional

Gelebter Kulturaustausch: Imam Mehmet Ali Gendek und Islamgelehrter Bashir Wared mit der Mädchenklassen der 8c der Maria-Ward-Schule. Fotos: Licht

Landau/Queichheim – Einsicht in die Welt der muslimischen Theologie konnten die Schülerinnen der Klasse 8c der vom Bistum Speyer getragenen Maria-Ward-Schule nehmen.  Die Klasse hatte im Unterricht das Thema Islam behandelt – nun sollten die Mädchen bei einem Besuch in der Moschee der „DITIB Türkisch-Islamische Gemeinde zu Landau e. V.“ interne Eindrücke sammeln und Fragen stellen können.

Die Moschee in der Queichheimer Hauptstraße ist nicht nur ein ritueller Ort des gemeinschaftlichen islamischen Gebets, sondern auch ein sozialer Treffpunkt, um lebenspraktische Werte zu vermitteln. Neben ihrer Funktion als Veranstaltungsort für gesellschaftliche Anlässe bietet die Moschee auch Möglichkeiten für ein gemütliches Beisammensein.

Ein bereits vertrautes Gesicht für die Schülerinnen war Bashir Wared, Gemeindemitglied und Islamwissenschaftler. Er hatte den Besuch der Schulklasse organisiert, nachdem er zuvor in der Maria-Ward-Schule eine Vortrag gehalten hatte. Der diplomierte Ingenieur ist der einzige Nicht-Türke der Gemeinde, er stammt aus Afghanistan. Begrüßt wurden die Mädchen auch von Imam Mehmet Ali Gendek und Dolmetscher Bashir Ahmad.

Zuerst hieß es: Schuhe aus. Auf Strümpfen betrat die Schulklasse den Gebetsraum, der mit einem weichen Teppich ausgelegt ist. Dort erfuhren die Mädchen, dass Imam Ali Gendek auch der Vorbeter des türkisch-islamischen Vereins ist, der „Hodscha“. Gendek ist studierter Theologe und hat eine 35-jährige Erfahrung als Vorbeter. In Landau wird er – wie alle Imame – fünf Jahre bleiben und anschließend in seine Heimat Türkei zurückkehren.

„Islam bedeutet „Sicherheit“, „Hingabe zu Gott“, „die vollkommene“ Religion“, erläuterte der Hodscha und erzählte, dass der Koran vom Erzengel Gabriel an den Propheten Mohammed gesandt und von diesem in weiteren 23 Jahren vervollständigt wurde.

Ein Muslim sei, wer das Glaubensbekenntnis abgelegt hat, erklärte Bashir Ahmad: „Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Diener.“ Sechs Glaubensgrundsätze gäbe es für jeden Muslim, der Glaube an die Einheit Gottes, an die Engel, an die allerheiligen Bücher, an alle Propheten – einschließlich Jesus, betonte Ahmad – , der Glaube an die Vorherbestimmtheit des Schicksals und an die Auferstehung.

Die „Fünf Säulen des Islam“

Die Mädchen hörten gebannt den Ausführungen über die Pflichten eines Muslim zu, die die „Fünf Säulen des Islams“ darstellen: Das Glaubensbekenntnis, das rituelle Gebet, das möglichst zu festen Zeiten mindestens fünf Mal am Tag verrichtet werden muss und weltweit auf arabisch gesprochen wird, das Spenden von Almosen, eine Pilgerfahrt nach Mekka ein Mal im Leben, das 30-tägige Fasten im Monat Ramadan (in diesem Jahr von 10. Juli bis 10 August), währenddessen Wasser- und Nahrungsaufnahme tagsüber verboten sind. Letzteres machte die Mädchen betroffen: Einen ganzen Tag lang im heißen Sommer nicht trinken zu dürfen, das sei doch sehr hart, meinten die Schülerinnen. Ob es denn Ausnahmen gebe? „Kranke, Schwangere, Kinder und Schwache seien davon ausgenommen, erläuterte Ahmad. Ein Muslim sei man sowieso erst ab der Pubertät. Aber wer gesund und stark sei, reinige mit dem Fasten nicht nur den Körper, sondern läutere auch den Geist: „Das kann man schon aushalten, man muss nur wollen“, sagte Ahmad. „Und man kann einmal spüren, was Hunger und Durst wirklich bedeuten.“ Der Ramadan ende mit dem Ramadan-Fest, neben dem Opferfest eins der zwei großen Feiertag im Islam.

Der Hodscha veranschaulichte sogar in weißem Gewand und ritueller Kopfbedeckung den traditionellen Gebetsruf von der eigens dafür vorgesehenen Galerie. Die Schülerinnen zollten dem Allahu akbar-Ruf (Allah ist groß) Respekt, wenngleich die ungewohnten Laute das ein oder andere Lächeln hervorriefen. Auch das Gebet selbst wurde demonstriert, die beiden Kanzeln und die Gebetsnische nebst Bedeutung der Inschriften erklärt.

Viele strenge Vorschriften gäbe es im Islam, meinten die Schülerinnen beim abschließenden Gespräch mit Brezeln, Apfelsaft und Baklava, einem türkischen Gebäck. Klassenlehrerin Eva Becker sieht vor allen Dingen das Verbindende beider Religionen: „Der Monotheismus, das Gebot der Nächstenliebe – es gibt viele Gemeinsamkeiten“, sagte die Pädagogin, die auch katholische Religion unterrichtet.

Die türkische Gemeinde führt übrigens im Rahmen eines neu gegründeten, flächendeckenden islamischen Dachverbands derzeit Gespräche mit dem Land Rheinland-Pfalz über eine Anerkennung der muslimischen Feiertage. Der Integrationsbeauftragte Miguel Vicente signalisierte, dass das Land zu einem Staatsvertrag mit den islamischen Religionsgemeinschaften bereit sei. (cli)

 

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