
Die Künstlerin freut sich auf die neue Ausstellung.
Foto: privat
Bad Dürkheim. Malerei, Fotografie, Collage – müsste sie sich festlegen, Karola Reichel könnte sich nicht entscheiden, welche Technik sie mehr liebt.
Und so sind auch die Werke der Künstlerin aus Hettenleidelheim irgendwo dazwischen einzuordnen: Verfremdete Fotografie, mit Licht gemalt und mit Farbe ergänzt.
Am Sonntag, 21. Oktober, um 11 Uhr lädt sie ins Kreishaus Bad Dürkheim zur Vernissage ihrer Ausstellung „Surprise – Linie und Fläche“. Bis 23. November ist ihre Kunst im Foyer zu sehen.
Ihre Inspiration zieht Reichel vor allem aus ihren Reisen nach Italien und Frankreich. Die Natur, mal sanft, mal wild, und die unterschiedlichen Lichtsituationen faszinieren sie. Licht und Wasser, daraus zieht sie ihre Kraft, diese Motive finden sich immer wieder in ihren Bildern.
„Mit meinen Maleraugen erkenne ich sofort das Potential für ein Foto“, sagt Reichel. Viele Fotos entstehen bei Streifzügen auf ihren Reisen. Anschließend verfremdet sie das Festgehaltene, wertet Fragmente mit Farben auf oder vernichtet sie. „Wie im realen Leben auch entsteht durch die Änderung der Perspektive ein neues Bild.“ Flächen und Linien verbleiben im Foto, doch die Gegenständlichkeit verschwindet.
1994 ist Reichel durch Zufall zur Malerei gekommen – sie selbst sagt, sie sei „reingeschlittert“. Als Ausgleich zu ihrer Arbeit als Unfallsachbearbeiterin in der Autobahnmeisterei Montabaur habe sie zu zeichnen begonnen.
Dann Malkurse an der Volkshochschule in Kirchheim besucht und an der Freien Kunstakademie in Mannheim.
„Die Malerei war so wichtig für mich geworden, dass ich auch immer mehr Museen und internationale Kunstmessen besucht habe.“ In Basel ging sie ins Museum Beyeler. „Dort habe ich Bilder gesehen, die mich so fasziniert haben, dass ich bei diesem Künstler studieren wollte.“
Das war Qi Yang aus China, der an der Akademie in Steinfeld als Gastdozent lehrte. „Zum ersten Mal bin ich in seinen Kursen mit experimenteller Malerei, Drucktechniken, Fotobearbeitung und Collage in Kontakt gekommen. Ich habe gemerkt, was man alles mit Fotos machen kann.“
Es folgten Kurse an der Europäischen Kunstakademie in Trier, bis sie sich entschloss, ein Hauptstudium zu absolvieren. „Das habe ich auch abgeschlossen – mit 61 Jahren!“
Die Volkshochschule Hettenleidelheim hat sie dann ermuntert, Unterricht zu halten. Und so leitete sie von 2006 bis 2017 Kurse für Jugendliche und Erwachsene, vor allem in Acrylmalerei. Auch mit Kindern in Kindergärten hat sie oft gearbeitet.
Inzwischen hat Reichel häufig ausgestellt, Malerei und Fotografie. Nicht nur in Deutschland, auch in Italien, Frankreich und Österreich. Italien und Frankreich sind ihre liebsten Reiseziele und Quelle ihrer Ideen: „In Italien bewundere ich die Vielfalt und die Farben der Natur, der Aromen und Düfte.
Und im Gegensatz dazu finde ich in der Normandie und in der Bretagne die Wildheit, den Gezeitenwechsel des Atlantiks. Das prägt meine Bilder.“
Bei Ebbe bildeten sich Sandbilder im Wasser, für sie wie Formen von urzeitlichen Tieren und Pflanzen. Viele ihrer Fotografien entstehen genau dann. Die meisten Bilder ihrer jetzigen Ausstellung hat sie auf der Île d’Oléron an der französischen Atlantikküste aufgenommen.
„Ich finde fast an jeder Straßenecke und in den Werften am Hafen, am Meer, Motive, an denen fast jeder achtlos vorübergeht.“
Die Übergänge von der Malerei zur Fotografie und umgekehrt sind für sie fließend: „Bereits durch den Blick auf das Objekt, beim Festlegen der Ausschnitte, betrete ich die Brücke vom Foto zur Malerei.“
Und so wie sich auch später noch der Blick verändert, wenn sie Ausschnitte zur Bearbeitung auswählt, so kann sich der Blickwinkel des Betrachters noch am vollendeten Bild ändern: Viele von Reichels Bildern lassen sich von zwei oder sogar vier Seiten aufhängen, und eröffnen so immer wieder neue Perspektiven.

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