
Die Artisten freuen sich, für das Landauer Publikum spielen zu dürfen.
Foto: Pfalz-Express/Ahme
Landau. „Hello again“ heißt es beim Landauer Weihnachtscircus, der aktuell noch bis zum 2. Januar auf dem Neuen Messeplatz das Grand Chapiteau aufgeschlagen hat.
Die Spielfreude ist trotz der schwierigen Corona-Zeiten bei Circusdirektor Jakel Bossert, seinem Team und den Artisten ungebrochen. „The show must go on“ lautet das Motto, dem sich alle verpflichtet fühlen.
Um dem Ganzen Ausdruck zu verleihen, hat Bossert im Circus zu einem kleinen Pressegespräch eingeladen. Mit dabei sind Tony Alexis, André vom Trio Broadway, El Diablo Kaiser, Ciro vom Duo Extreme, Yasmina Tarantini und Kevin Stippka.
„Das Leben muss weitergehen“, sagt Bossert. Dass dieses Jahr die Ferien in Rheinland-Pfalz ungünstig liegen, der Circus dadurch früher begonnen hat und es durch die Corona-Bestimmungen weniger Publikum gibt, drückt auf die Stimmung.
Bisher sind die Nachmittagsvorstellungen trotzdem gut besucht, bei den Abendvorstellungen „könnte es noch mehr sein“, so Bossert. Spontan in den Circus zu gehen, sei schwierig. „Aber wir spielen so lange, dass ein Besuch bei uns durchaus geplant werden kann.“ Der Weihnachtscircus sei auf jeden Fall einen Corona-Test wert, so der stolze Circusdirektor.
Danach erzählen Tony, André, Ciro, El Diablo, Yasmina und Kevin dem Pfalz-Express stellvertretend für die anderen Artisten aus ihrem bewegten Leben.
Man merkt, dass sich alle gut verstehen und Freunde geworden sind. Ja mehr noch, das ist Familie für sie. Man trifft sich immer wieder beim Circus. Alle sind international unterwegs. Tony Alexis zum Beispiel. Der gebürtige Spanier ist einer der bekanntesten international tätigen Clowns. Er spricht 7 Sprachen und gehört zu einer Familie, die fünf Generationen lang nichts anderes als Spaßmacher hervorgebracht hat.
Der Applaus ist das Brot des Künstlers, weiß nicht nur Tony. Es ist eine Belohnung für die Artisten, ein Lebenselexier in einer „magischen Welt“, das ihnen in Corona-Zeiten fehlt. Keine Arbeit, keine Entschädigungen, man zehrt von den Ersparnissen, ohne zu wissen, wie es weitergeht, ob und wann man auftreten kann.
Und wie ist das mit den schulpflichtigen Kindern? El Diablo Kaiser (seinen bürgerlichen Vornamen wird er während des Interviews nicht nennen) hat drei Kinder im Alter von 6, 10 und 13 Jahren. Wie die meisten Circus-Kinder werden sie privat und durch die Internet-Schule unterrichtet. Zweimal im Jahr gibt es Prüfungen um den Wissensstand zu dokumentieren. „Das läuft gut und die Kinder sind bereit für das Leben“, kann der Familienvater, der Hochseilakrobatik zeigt, berichten.
Ja, der Kontakt mit dem Publikum ist für alle Artisten wichtig. So gehen die Clowns in „normalen“ Zeiten gerne ins Publikum und lassen es mit agieren. Im Blick haben die Artisten ihr Publikum immer – von ganz oben am Trapez könne man das gesamte Circusrund gut überblicken, so „El Diablo“. Artisten haben generell ein feines Gespür dafür, ob die Atmosphäre gut ist, das Publikum „mitgeht“ und der Abend gelingt.
Der Circus lebt durch seine Traditionen. Die 8. Circus-Generation wird durch Yasmina Tarantini vertreten. Schon mit 13 Jahren begann die junge Frau mit einem ausgefeilten Training, ausgeprägtem Talent und exzellenter Körperbeherrschung auf ihr Ziel, eine große Kontorsion-Artistin zu werden, hinzuarbeiten.
Kevin Stipka ist einer der Wenigen in Europa, die die Kunst des Jonglierens mit Tennisschlägern beherrschen. Auch er in einer Circusfamilie aufgewachsen, die eigentlich mit Tieren gearbeitet hat. Viel joggen und Reflexe trainieren, steht auf dem täglichen Programm des jungen Mannes, der schon mit 6 Jahren Circusluft geschnuppert hat.
Europapark Rust, Circus Roncalli bis zum Landauer Weihnachtscircus: Das sind circensische Stationen, die André vom Trio Broadway beschreiben kann. Auch er ist einer der hochkarätigen, vielfach ausgezeichneten Stars der Manege. „Die Leute lieben seine Performance“, so Ludwig Tillner, die gute Seele des Circus und laut Tony Alexis „unser großer Vater“. Tillner ist Mitorganisator und Marketing-Chef des Landauer Weihnachtscircus.
In jungen Jahren begann Ciro Cardinali seine Karriere im Zirkusring. Er begann mit Pferden zu arbeiten und aufzutreten. Von Pferden stieg er zu Löwen und Tigern um. Im Laufe der Jahre entwickelte er auch eine Leidenschaft für das Trapezfliegen und das Hochseillaufen. Ciro hat als Entertainer ein bisschen von allem gemacht (vom Clown bis zum Zirkusdirektor).
Mit seiner Frau Samira bildet er das Duo Extreme, das waghalsige Tricks mit dem Bogen und Messerakrobatik zeigt. Wann welche Tricks gezeigt werden, sei auch tagesabhängig, sagt Ciro. Ein absolutes Vertrauensverhältnis zwischen dem Artistenpaar ist (über)lebenswichtig.
Tony Alexis wirkt nachdenklich: „Es ist eine schwierige Zeit für Alle. In Spanien ist es gute Tradition zusammen Weihnachten und Neujahr zu feiern, spontan zu sein – das ist jetzt leider nicht möglich. Aber wir machen das Beste daraus“.
Der Circus gastiert noch bis einschließlich 2. Januar. (desa)

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