
Foto: AndreyPopov
Die Geheimratsecken wandern immer weiter nach hinten oder die Haare im Scheitelbereich werden zunehmend dünner? Dann ist man vom androgenetischen Haarausfall betroffen.
Dieser kann sowohl bei Frauen als auch bei Männern auftreten und sorgt bei den Betroffenen oft für Verunsicherung. Ganz machtlos ist man dabei allerdings nicht. Hier erfahren Sie, woran man erkennt, ob es sich um die androgenetische Alopezie handelt und welche Methoden dem Haarausfall entgegenwirken können.
Was ist androgenetischer Haarausfall?
Nicht jeder Haarverlust ist gleich. Während viele Menschen in stressigen Phasen oder bei Mangelzuständen verstärkt Haare verlieren, steckt bei der sogenannten androgenetischen Alopezie eine ganz andere Ursache dahinter. Diese Form des Haarausfalls gilt als die häufigste weltweit – bei Männern ebenso wie bei Frauen. Betroffene verlieren dabei meist nach einem bestimmten Muster zunehmend Haare, und das über einen längeren Zeitraum hinweg.
Der Begriff „androgenetisch“ verrät bereits, dass Hormone und genetische Veranlagung eine entscheidende Rolle spielen. Im Gegensatz zu diffusem Haarausfall, bei dem die Haare gleichmäßig am ganzen Kopf ausfallen, oder kreisrundem Haarausfall, bei dem kahle, runde Stellen entstehen, ist der Verlauf bei androgenetischem Haarausfall klar erkennbar. Typisch sind bei Männern Geheimratsecken oder eine lichte Stelle am Hinterkopf. Bei Frauen beginnt es meist mit einer Ausdünnung im Scheitelbereich.
Welche Ursachen hat der androgenetische Haarausfall?
Die Hauptursache für androgenetischen Haarausfall liegt in einer genetisch bedingten Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber einem bestimmten Hormon: Dihydrotestosteron, kurz DHT. Dabei handelt es sich um ein Abbauprodukt des männlichen Geschlechtshormons Testosteron. DHT kommt sowohl bei Männern als auch bei Frauen im Körper vor, allerdings in unterschiedlicher Konzentration.
Bei Betroffenen wirkt dieses Hormon auf die Haarfollikel schädlich. Die Haarwurzeln reagieren empfindlich auf das DHT, was zur Folge hat, dass sich ihre Wachstumsphase immer weiter verkürzt. Die Haare werden feiner, wachsen langsamer und fallen schließlich ganz aus. Mit der Zeit bilden sich die betroffenen Haarfollikel zurück und können kein kräftiges Haar mehr produzieren – eine sogenannte Miniaturisierung findet statt. Dieser Prozess verläuft schleichend, ist aber fortschreitend.
Neben der erblichen Veranlagung kann auch das hormonelle Gleichgewicht eine Rolle spielen. Besonders bei Frauen kann ein Anstieg der Androgene, etwa durch das Absetzen hormoneller Verhütungsmittel, das PCO-Syndrom oder in den Wechseljahren, den Haarausfall verstärken. Auch bei Männern steigt das Risiko mit zunehmendem Alter, wenn der Testosteronstoffwechsel aktiver wird.
Welche Symptome äußern sich bei Frau und Mann?
Androgenetischer Haarausfall zeigt sich bei Männern und Frauen auf unterschiedliche Weise. Während sich bei Männern oft typische Geheimratsecken und eine Glatze entwickeln, verläuft der Haarausfall bei Frauen meist diffuser und ohne vollständigen Haarverlust.
Haarausfall bei Männern
Bei Männern beginnt der androgenetische Haarausfall häufig schon in jungen Jahren. Erste Anzeichen sind meist zurückweichende Haaransätze an den Schläfen, auch als Geheimratsecken bekannt. Mit der Zeit lichtet sich auch das Haar am Oberkopf, bis sich die typischen kahlen Stellen verbinden können. Bei starkem Verlauf bleibt nur noch ein Haarkranz am Hinterkopf bestehen.
Die Symptome im Überblick:
- Bildung von Geheimratsecken
- Lichtes Haar am Scheitel und Oberkopf
- Mögliche Glatzenbildung im späteren Verlauf
Haarausfall bei Frauen
Anders als bei Männern verlieren Frauen ihre Haare meist gleichmäßig über den gesamten Oberkopf. Der Haaransatz bleibt dabei in der Regel erhalten. Betroffene bemerken oft zuerst, dass der Scheitel breiter wird und das Volumen nachlässt. Eine vollständige Glatze tritt bei Frauen äußerst selten auf.
Typische Symptome bei Frauen:
- Ausdünnung der Haare am Oberkopf
- Breiter werdender Scheitel
- Deutlich verringertes Haarvolumen
Wie kann man androgenetischen Haarausfall behandeln?
Da androgenetischer Haarausfall genetisch bedingt ist, ist er nicht vollständig heilbar. Doch es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Fortschreiten zu verlangsamen oder den Haarverlust optisch zu verbessern. Die Wahl der Behandlung hängt von den individuellen Erwartungen ab. Wer frühzeitig handelt, kann auf lange Sicht oft mehr Haar erhalten.
Pflegende Produkte und kosmetische Lösungen
Im frühen Stadium reicht es oft schon aus, spezielle Shampoos und Tonics zu verwenden, die das Haar kräftigen und die Kopfhaut pflegen. Diese Produkte enthalten oft Koffein, Biotin oder pflanzliche Extrakte, bei denen sich Basilikum überraschenderweise als durchaus effektiv herausstellte. Natürliche Haarkuren können helfen, die Durchblutung anzuregen und das Haarwachstum anzukurbeln. Auch kaschierende Produkte wie Schütthaar oder getönte Sprays schaffen optisch schnelle Abhilfe.
Umstellung von Ernährung und Lebensstil
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Zink, Eisen, B-Vitaminen und Proteinen kann das Haar von innen stärken. Stressabbau, ausreichend Schlaf und Bewegung unterstützen zusätzlich das hormonelle Gleichgewicht und die Regenerationsprozesse der (Kopf-) Haut. Zwar ersetzt dies keine medizinische Therapie, doch es kann eine Verschlechterung verlangsamen.
Hormonelle Behandlungen
Da androgenetischer Haarausfall eng mit dem männlichen Hormon Dihydrotestosteron (DHT) zusammenhängt, setzen manche Behandlungen genau hier an. Medikamente wie Finasterid (für Männer) hemmen die Umwandlung von Testosteron zu DHT und können so den Haarausfall bremsen. Für Frauen werden in bestimmten Fällen Antiandrogene wie Cyproteronacetat oder Spironolacton eingesetzt. Das geschieht allerdings nur unter ärztlicher Aufsicht.
Minoxidil
Minoxidil ist ein rezeptfreies Mittel, das sowohl Männern als auch Frauen helfen kann. Es wird direkt auf die Kopfhaut aufgetragen und regt dort die Durchblutung an. Das kann zu verstärktem Haarwachstum führen und den Haarausfall verlangsamen. Die Wirkung zeigt sich meist nach mehreren Monaten konsequenter Anwendung. Wichtig ist, dass Minoxidil dauerhaft angewendet werden muss. Wird die Behandlung gestoppt, setzt auch der Haarausfall wieder ein.
PRP-Behandlung (Eigenbluttherapie)
Bei der PRP-Therapie (Platelet-Rich Plasma) wird dem Patienten eigenes Blut entnommen, aufbereitet und in die Kopfhaut injiziert. Die enthaltenen Wachstumsfaktoren sollen die Haarfollikel stimulieren und für gesünderes Haarwachstum sorgen. Die Methode gilt als relativ schonend, ist aber nicht für jeden geeignet und muss regelmäßig wiederholt werden.
Haartransplantation
Wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine Haartransplantation in Betracht gezogen werden. Dabei werden Haare aus dicht bewachsenen Arealen – meist vom Hinterkopf – in kahle Stellen verpflanzt. Die Ergebnisse sind dauerhaft, allerdings ist der Eingriff kostspielig und nicht ohne Risiken. Wichtig ist eine gründliche ärztliche Beratung und realistische Erwartung an das Ergebnis.
Es gibt auch immer wieder Patienten, bei denen die neu eingepflanzten Haare nicht gut aufgenommen werden und wieder ausfallen. Das kann den ganzen Prozess ganz schön in die Länge ziehen.
Wie diagnostiziert man androgenetischen Haarausfall?
Wer feststellt, dass die Haare stetig dünner werden oder kahle Stellen zunehmen, fragt sich schnell, ob das noch normaler Haarverlust ist oder mehr dahintersteckt. Besonders bei einem schleichenden Verlauf, wie er für den androgenetischen Haarausfall typisch ist, bleibt die Ursache oft lange unentdeckt. Eine fundierte Diagnose ist jedoch entscheidend, um frühzeitig die richtigen Maßnahmen ergreifen zu können.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Ein gewisser Haarverlust ist völlig normal – etwa 50 bis 100 Haare verliert der Mensch täglich. Doch wenn über längere Zeit auffällt, dass beim Kämmen oder Duschen deutlich mehr Haare ausgehen oder sich bestimmte Stellen lichten, ist ärztlicher Rat gefragt. Auch wenn in der Familie bereits Fälle von genetisch bedingtem Haarausfall bekannt sind, kann eine frühzeitige Abklärung sinnvoll sein.
Wer ist der richtige Ansprechpartner?
In der Regel ist ein Facharzt für Dermatologie (Hautarzt) die erste Anlaufstelle. Bei hormonellen Auffälligkeiten kann zusätzlich ein Endokrinologe hinzugezogen werden. Gerade bei Frauen, die Veränderungen im Zyklus, unerklärliche Gewichtszunahme oder Akne bemerken, lohnt sich eine weiterführende hormonelle Untersuchung.
So läuft die Diagnose ab
Die Diagnostik bei Haarausfall ist meist mehrstufig aufgebaut:
Anamnese: Zunächst fragt der Arzt nach dem Verlauf, der Familiengeschichte, aktuellen Lebensumständen, Medikamenten oder hormonellen Veränderungen.
Haaranalyse: Mithilfe eines sogenannten Trichogramms oder Trichoscan-Verfahrens wird die Wachstumsphase der Haare untersucht. Dabei erkennt man, wie viele Haare sich gerade in der Wachstums-, Ruhe- oder Ausfallphase befinden.
Blutuntersuchung: Um andere Ursachen wie Eisenmangel, Schilddrüsenstörungen oder hormonelle Dysbalancen auszuschließen, wird ein großes Blutbild gemacht. Besonders relevant: Ferritin, Vitamin D, B-Vitamine, Schilddrüsenhormone und bei Frauen zusätzlich Androgene wie Testosteron und DHEA.
Kopfhautdiagnostik: Mit einem Dermatoskop kann der Arzt die Struktur der Haarfollikel und die Kopfhaut im Detail betrachten. Auch Entzündungen oder Narbenbildungen lassen sich so erkennen.
Warum eine klare Diagnose so wichtig ist
Nicht jeder Haarausfall ist automatisch androgenetisch. Stress, Infektionen, Medikamente oder ein Mangel an wichtigen Nährstoffen können ähnliche Symptome auslösen. Eine fundierte Diagnose stellt sicher, dass keine falschen oder ineffektiven Behandlungen gewählt werden. Je früher die Ursache bekannt ist, desto eher kann der Haarausfall gestoppt oder verlangsamt werden.
Ist der androgenetische Haarausfall reversibel?
Wie bereits erwähnt, ist die androgenetische Alopezie grundsätzlich nicht vollständig umkehrbar. Wer von dieser Form des Haarausfalls betroffen ist, trägt eine vererbte Empfindlichkeit gegenüber dem Hormon Dihydrotestosteron (DHT) in sich. Dieses Hormon sorgt dafür, dass die Haarfollikel mit der Zeit schrumpfen, feiner werden und schließlich keine neuen Haare mehr produzieren.
Was jedoch möglich ist: den Verlauf zu verlangsamen und das vorhandene Haar zu stabilisieren. Durch geeignete Behandlungen lässt sich die aktive Wachstumsphase der Haare verlängern. In einigen Fällen können ruhende Haarfollikel wieder stimuliert werden, solange sie nicht vollständig vernarbt oder zerstört sind. Entscheidend ist, frühzeitig zu handeln. Je länger man wartet, desto schwerer wird es, die Entwicklung aufzuhalten.
Wer sich für eine Behandlung entscheidet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass Geduld gefragt ist. Erste sichtbare Ergebnisse zeigen sich oft erst nach mehreren Monaten. Vollständig wiederherstellen lässt sich das ursprüngliche Haarbild meist nicht, aber ein Fortschreiten kann effektiv gebremst werden.
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