Herxheim – Weit über 80 Zuhörer begrüßte Alexander Schweitzer, südpfälzischer SPD-Abgeordneter und Fraktionsvorsitzender im rheinland-pfälzischen Landtag, am Montagabend in Herxheim.
In seiner Reihe „Schweitzer trifft…“ hatte er den ehemaligen Bundesvorsitzenden der SPD, Franz Müntefering, in den kleinen Saal der Festhalle eingeladen, um mit ihm über die immer aktuellen und oftmals sehr emotional diskutierten Themen Sterbehilfe und Sterbebegleitung zu reden.
Schweitzer und Franz Müntefering „konnten miteinander“ – der Austausch war locker, die Ernsthaftigkeit des Themas blieb dennoch erhalten.
Neben den Bereichen Sterbehilfe und Sterbebegleitung wurde auch ein Schwerpunkt auf die Pflege gelegt und über den demografischen Wandel gesprochen.
Hintergrund des Gesprächs zwischen den beiden Politikern war das Vorhaben von Bundesregierung und Bundestag, der Sterbehilfe mit einem neuen Gesetz einen rechtlichen Rahmen zu geben.
Die eine Seite dieser Debatte ist das Gesetz, das mit rechtlichen Hintergründen und medizinischen Standpunkten und Abwägungen einhergeht.
„Aber bei einem so sensiblen Thema geht es ebenso um ethische Fragestellungen am Lebensende, um christliche Grundwerte, um Menschenwürde und um Selbstbestimmung. Wie gehe ich meine letzten Schritte vor dem Lebensende und mit wem gehe ich sie? Wichtig ist, dass man das Sterben zulässt und als etwas Menschliches erlebt“, ist die Meinung von Müntefering, der seit 2013 ehrenamtlicher Präsident des Arbeiter-Samariter-Bunds Deutschland ist.
Beim Thema Hospiz- und Palliativarbeit und waren sich Schweitzer und Müntefering schnell einig, dass durch diese Arbeit eine Begleitung möglich ist, die Schmerzen und Leid lindern könne.
Dadurch könnten die letzten Schritte mit mehr Qualität und Würde gegangen werden können, weil man den Tod als etwas Normales ansehe und das Sterben „menschlich erlebt“ werde.
„Sterben wird heute outgesourced. Das ist ein furchtbarer Begriff, aber auch ein furchtbarer Zustand. Sterben ist uns fremd“, so Schweitzer. Das Gespräch wurde zudem durch die persönlichen Erfahrungen aus Franz Münteferings Leben bereichert.
Mehr Lohn und Wertschätzung für Pflegepersonal
Ein großer Teil der Veranstaltung wurde vom Thema Pflege eingenommen, das in den letzten Jahren an Wichtigkeit zugenommen hat, da die Bevölkerung immer älter wird: „1956 wurde drei Hundertjährigen zum Geburtstag gratuliert, im vergangenen Jahr gratulierte Malu Dreyer schon 800 Jubilaren“, stellte Alexander Schweitzer fest.
„Rheinland-Pfalz ist mit 135 Pflegestützpunkten sehr gut aufgestellt, was rund 50 Prozent aller Stützpunkte in Deutschland ausmacht. Außerdem haben wir eine sehr dichte Ansiedlung von großen und auch kleinen Krankenhäusern.“
Eine Erkenntnis war aber auch, dass sich viele Angehörige vornehmen, einen Pflegebedürftigen zuhause zu betreuen. „Aber Pflegen ist ein Beruf. Das ist vielen nicht bewusst – bis sie die Arbeit in die Knie zwingt. Es ist ein Unterschied, ob wir einen krebskranken oder einen dementen Angehörigen pflegen“, stellt Müntefering klar.
Dass ein Fachkräftemangel in den Pflege besteht und der Beruf nicht angemessen entlohnt wird, ist keine Überraschung. „Dem Pflegeberuf fehlt es an Wertschätzung.
Wenn sich mehr Männer für den Beruf entscheiden, und Gleiches gilt auch für den Beruf des Erziehers, dann würden auch die Löhne steigen“, so Müntefering, ehemaliger Bundesminister für Arbeit und Soziales (von 2005 bis 2007).
In puncto Sterbehilfe und Sterbebegleitung gebe es stets eine Verbindung zu Demenz, was eine große Herausforderung für Pflegekräfte, Mediziner und Angehörige sei: „Viele ältere Menschen sagen sich, bevor ich meine Angehörigen zur Last falle, mache ich selbst Schluss“, so Schweitzer.
Doch das Sterben auf Bestellung ist in Deutschland nicht legal. „Hier müsste der ethische Rahmen geklärt sein: Ab wann ist es Beihilfe zum Suizid? Wann ist es aktive Sterbehilfe? Bis wohin kann das ein Arzt mit seinem Gewissen vereinbaren?“, so Müntefering.
Fazit am Ende der Veranstaltung: Wohl niemand kann diesen Themen dauerhaft ausweichen – ebensowenig gibt es eine politische Schablone für eine allgemeingültige Lösung.
Doch das könne auch eine Chance sein – geleitet von persönlichen Erfahrungen und Eindrücken und nicht von Parteigrenzen, so Schweitzer.
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