
Quelle vhs Mutterstadt
Mutterstadt. „Unser Leben ist endlich, das Wissen unendlich“, mit diesen Worten des chinesischen Philosophen Chuang-Tzu begrüßte die zweite Beigeordnete Yvonne Witmann die Jubiläumsveranstaltung anlässlich „60 Jahre Volkhochschule Mutterstadt“ am 23.10. im Foyer des Mutterstadter Rathauses.
„Wir feiern sechzig Jahre eine Institution, in der ein Zugang zu Bildung gewährleistet wird, meist unabhängig von Vorbildung oder Alter“, fuhr sie fort hob die Vermittlung von Sprachen aller Art, Maltechniken, die man sonst nur aus dem Museum kennt, von Schreibtechniken, die bereits im zweiten Jahrhundert entstanden sind und die Chance des Erlernen Könnens von Kochen und Nähen sowie den Erhalt von Wissen über Finanzen, Herzgesundheit oder den Umgang mit digitalen Medien hervor.
Kurz gesagt: „Die vhs in Mutterstadt ist ein unersetzliches Bildungsangebot für jeden einzelnen Bürger in Mutterstadt, das mit einer großen Vielfalt und einem breiten Spektrum an Themen bereits seit 60 Jahren unseren Ort prägt“, unterstrich sie.
Die jetzige örtliche Leiterin Eva Heyder verglich in ihrer Ansprache die Situation der örtlichen vhs mit ihrer eigenen Lebensphase und meinte scherzhaft, sie befinde sich auch kurz vor der Vollendung ihres sechsten Lebensjahrzehnts und denke, sie und die vhs im Ort haben sich ganz gut gehalten.
Sie dankte auch ihren Vorgängern und Vorgängerinnen (Volker Schläfer 1966 -1980, Herbert Bertram 1980 -1986, Ewald Ledig 1986 – 1992, Rita Brechtel 1992 – 1999, Martina Fußer 1999 – 2007, Beate Linder 2007 – 2012, Lilli Frühling – Mattern 2012 – 2000) dafür, dass sie die vhs im Ort zu dem gemacht haben, was sie heute ist.
Ein Dankeschön ging auch an die Leiterin der Volkshochschule Rhein-Pfalz-Kreis (kvhs), Dr. Juliane Kerzel-Kohn sowie die Fachbereichsleiterin für Sprachen, Sabine Weber und den Fachbereichsleiter für Kultur und Gestalten/Gesundheit & Ernährung, Christian Laber-Ganter für den Aufruf an alle Kursteilnehmer, die in den letzten Jahren an kreativen Kursen teilgenommen haben, zur Leihgabe ihrer Kunstwerke für eine Ausstellung auf den drei Ebenen des Rathauses und für die Organisation der Mitmachangebote.
Diese Arbeit verdiene gerade deshalb besondere Anerkennung, da die Kollegen gerade mitten in der aufwändigen Gestaltung des Kursprogrammes Frühjahr/Sommer 2027 steckten, das ab dem 9.12.2026 buchbar sei.
Sie forderte die Zuhörerschaft auf, an späterem Mitmachangebot (Englisch mit Frau Sakia Müller, Französisch mit Frau Brigitte Desrochers, Spanisch mit Frau Marta Hernandez-Nagore, Lach-Yoga mit Karin und Kurt Ziemlich, Zentangle mit Martin Bettag, Qi-Gong mit Ingo Ellerhold) kräftig teilzuhaben und so die Seele der vhs, den Austausch und die Interaktion, gemeinsam zu leben und zu erleben.
Ortshistoriker Volker Schläfer gab einen Überblick über die Historie der vhs in Mutterstadt. Vor 75 Jahren sei das Angebot von der Volkshochschule der Stadt Ludwigshafen gekommen „in der Zentrale des Landkreises, in Mutterstadt“, erste Gastsemester anzubieten.
Für belehrende Vorträge und Kurse seien hervorragende Kapazitäten auf allen Gebieten des Wissens verpflichtet worden. Für eine Teilnahme sei auch unter Schülern und Jugendlichen geworben worden und seien ebenfalls Frauen willkommen gewesen. Sporadisch gingen Veranstaltungen und Kurse bis 1959, danach folgte ein Stillstand bis 1965.
Dann habe der Gemeinderat auf Vorschlag des damaligen Bürgermeisters Herrmann Belzner beschlossen, dem neu gebildeten Kreisvolksbildungswerk (KVBW) beizutreten und so habe1966 das Volksbildungswerk Mutterstadt (VBW) seine Arbeit in der Erwachsenenbildung begonnen.
Er selbst sei derzeit zum ersten nebenberuflichen Leiter bestellt worden. Nach zwei Testveranstaltungen Ende 1965 bildeten dann1966 zwei Dia-Lichtbildervorträgen „Alle Deutschen – von einem Schweden gesehen“ und „Rote Felseninsel Helgoland“ den Auftakt für das Jahresprogramm mit Sprachkursen und Angeboten für den kaufmännischen Berufsalltag.
Nach und nach sei dann das Kursangebot in den Bereichen Sprachen, Hauswirtschaft, Gesundheit, Kreativität und künstlerische Gestaltung, Freizeit- und Hobbyarbeiten sowie Bürotechnik/EDV erweitert worden. Auch Sonderveranstaltungen wie Konzerte oder Tagesfahrten seien hinzugekommen, es seien Kunstausstellungen, Autorenlesungen und Theatergastspiele organisiert worden.
„Das Kreisbildungswerk wurde 1970 in Kreisvolkshochschule umbenannt“, so Schläfer, „nachdem auch Schulabschlüsse und Fachkurse mit Zertifikatsabschlüssen kreisweit angeboten wurden. 2004 erfolgte dann die Umbenennung in vhs Rhein-Pfalz-Kreis.
Schläfer gab einige lustige Anekdoten aus der Reihe der bisherigen örtlichen Leiter zum Besten, von verkehrtherum eingesteckten Dias bis hin zu „derzeit“ moralischen Bedenken (worüber man heut lachen würde), weswegen eine Autorenlesung abgesagt wurde.
„Die Volkshochschule muss auch in Zukunft als wichtiger Teil der Erwachsenenbildung und als wesentlicher Baustein für die Chancengleichheit aller von Bund, Land, Landkreis und Gemeinde ausreichend Finanzmittel erhalten, damit auch weiterhin ein breitgefächertes Angebot in den Sparten Sprachen, Gesundheit, Gesellschaft, Umwelt, Kultur, Kunst und Gestalten sowie Berufsfortbild, EDV und neue Medien gewährleistet ist“, schloss Schläfer seinen Rückblick und rief das Publikum dazu auf, das Bildungsangebot auch zahlreich zu nutzen.
Dr. Juliane Kerzel-Kohn gab einen Abriss über die gegenwärtige Situation der vhs Mutterstadt. Nach einem Einbruch durch die Pandemie, durch die bis 2025 im Vergleich zu 2019 fast zwei Drittel der Unterrichtsstunden und die Hälfte der Kurse sowie Teilnehmende weggefallen seien, leider auch Kursleitungen wegen fehlender Einkünfte aufgegeben hätten, sähe für das laufende Jahr 2026 die Situation wieder besser aus.
Es seien für 2026 insgesamt 163 Kurse geplant und es gebe in über 40 Mutterstadter Kursen Wartelisten. Um einer Rückkehr und steigenden Zahl von Teilnehmern zu begegnen, müsse es aber auch genügend Kursleitungen und Räume geben, die bedauerlicherweise nach wie vor fehlten.
Die Volkshochschule werde immer digitaler, so Kerzel-Kohn weiter. Nach der Freischaltung des Programms zum jeweiligen Stichtag seien in der Regel schon um 1:00 Uhr nachts die ersten 200 Online-Anmeldungen eingegangen. Man habe sich aber entschieden, das gedruckte Programmheft parallel dazu weiterhin beizubehalten. Zukünftig ab 2027 ließen sich Kurse auch direkt aus dem PDF-Programm auf der Website buchen, was eine Extra-Eingabe von Kursnummer oder Kurstitel in der Suchmaske erspare.
Werden sich die Volkshochschulen irgendwann erledigt haben? Frau Kerzel-Kohn denkt: „NEIN!“
Auch wenn durch Sprachen-Apps das Interesse an Sprachkursen rückläufig sei, schlage doch der Präsenz-Unterricht den Fernunterricht und habe sich eines über die letzten Jahrzehnte nicht geändert: „Die Volkshochschule ist nicht nur ein Lernraum für alle, sondern auch ein gesellschaftlich wichtiger sozialer Raum, in dem sich thematisch Gleichgesinnte begegnen und sogar Freundschaften geschlossen werden können“, stellt die Leiterin der kvhs heraus.
Gesundheitsbildung werde bei einem hohen Anteil Älterer angepasst, dazu komme der kreative Bereich, der Haptik und Geist schule, das Erlernen einer Fremdsprache schütze erwiesenermaßen auch gegen Demenz. Ihr Fazit: „Die Volkshochschule wir weiter benötigt werden!“
Für die Organisatoren sehr erfreulich, wurden die Mitmachaktionen im Anschluss an den offiziellen Teil der Veranstaltung sehr gut angenommen. Bürgermeister Torsten Leva, der in seinem Grußwort noch scherzte, im Rathaus gebe es normalerweise nicht so viel zu lachen, mischte sich munter unter die Lach-Yogis, die den Verwaltungssitz mit fröhlichen, ansteckenden Lachgeräuschen in einen Ort der Freude und Ausgelassenheit verwandelten.
Für weiteres Wohlfühlklima sorgten Ramona Grätz und Susanne Kuhn-Landmann mit der Ausgabe von Sekt und Knabbereien. Jubiläumskekse und vhs-Muffins sowie zahleiche originelle Giveaways rundeten das Angebot ab. Für den musikalischen Rahmen sorgten der HHC Mutterstadt mit Wendelin Magin und Monika Keller sowie Uli Valnion.
Die Ausstellung im Rathaus kann noch bis zum 20.11. 2026 bewundert werden.
Beteiligte Künstler:
Nicole Abt (Kalligrafie), Anja Doppler und Kursteilnehmerinnen (Nähen), Elfriede Emsmann, Nick Fiolitakis, Franz Julier, Gaby Fußer, Heike Beate Kolb, Sabine Kutscher, Anna Lena Leister, Claudia Mohr, Ulrike Neumann, Gisela Thies, Petra Trunk, Amine Yaziki (alle Aquarellmalerei), Ulrich Oberst (Fotografie) Bei Kaufinteresse bitte direkt an die Künstler wenden oder an vhs@mutterstadt.de

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