Samstag, 14. Dezember 2019

44. Wir sind Kirche-Bundesversammlung in Neustadt: „Es gibt keine Alternative zu Synodalität und zum Synodalen Weg“

Diakonat der Frau in Deutschland gefordert

23. Oktober 2019 | noch keine Kommentare | Kategorie: Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer

Das am 19. Oktober 2019 in Kloster Neustadt an der Weinstraße gewählte Bundesteam: Günther Doliwa, Christian Weisner, Sigrid Grabmeier, Susanne Ludewig, Heinrich Mix und Magnus Lux (v.l.n.r.) 
Foto: privat

Neustadt. Den für Deutschland geplanten „Synodalen Weg“ wie die derzeit in Rom stattfindende Pan-Amazonien-Synode sieht die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche in der weltweiten Kirchenkrise als mögliche Wendemarken an, die sich wechselseitig unterstützen und befruchten können.

Doch die in der deutschen Bischofskonferenz wie auch im Vatikan immer noch vorhandenen Widerstände gegen grundlegende Reformen in der kirchlichen Machtstruktur gefährden die so dringend erforderlichen Erneuerungsprozesse in der weltweiten Kirchenkrise.

Die Wir sind Kirche-Bundesversammlung vom 18. bis 20. Oktober 2019 in Neustadt an der Weinstraße fordert die deutschen Bischöfe auf, beim Papst eine Sondergenehmigung zur Einführung des Diakonats der Frau in Deutschland zu erwirken. Dies könne und solle auf der Grundlage der Beschlüsse der Gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer („Würzburger Synode“ 1971-75) bereits unabhängig von dem jetzt geplanten Synodalen Prozess erfolgen.

Im Rahmen des vor einem Jahr begonnenen internen Strategieprozesses beschloss die seit 1995 bestehende innerkirchliche, aber unabhängige Reformbewegung auf ihrer 44. Bundesversammlung in Neustadt einstimmig bei vier Enthaltungen ein Positionspapier für die Arbeit der nächsten Jahre mit folgenden Schwerpunkten:

• Angesichts der unsäglichen Schließungen und Zusammenlegungen von Pfarreien in allen Bistümern in Zukunft noch stärker die Gemeinden und Glaubenden an der Kirchenbasis darin unterstützen, selber initiativ zu werden, Verantwortung zu übernehmen und „Kirche vor Ort“ zu sein;
• Gemeinsam mit anderen Reformkräften auch in Zukunft das Handeln der Kirchenleitungen kritisch begleiten und dringend notwendige Reformprozess einfordern und gestalten;
• Im Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung auch die Zusammenarbeit mit anderen kirchlichen und säkularen Gruppierungen verstärkt suchen.

Die KirchenVolksBewegung sieht es als Erfolg ihres jahrzehntelangen Engagements an, dass für den „Synodalen Weg“ der Bischöfe die Themen Macht, Zölibat, Sexualmoral und Gleichberechtigung der Frauen festgelegt worden sind, die bereits 1995 Inhalt des Kirchenvolksbegehrens waren.

Anlass waren damals die Missbrauchsvorwürfe gegen den Wiener Kardinal Groer. Auch die vor einem Jahr veröffentlichte MHG-Studie benannte diese Punkte als Risikofaktoren sexualisierter Gewalt.

In Arbeitsgruppen berichtete Andrea Keber aus Nieder-Olm über die Aktivitäten der neu entstandenen Frauenbewegung „Maria 2.0“, mit der Wir sind Kirche gut vernetzt ist. Mit ihren langjährigen eigenen Erfahrungen in der Seelsorge Lateinamerikas gaben Dr. Christy Orzechowski und Dr. Willi Knecht eine bis jetzt eher positive Einschätzung der Pan-Amazonien-Synode.

Unter Papst Franziskus hätten die indigenen Völker endlich auch eine eigenständige Stimme erhalten, die ihnen unter den Vorgängerpäpsten verwehrt wurde. Eine dritte Arbeitsgruppe zum Thema Gemeinde zeigte mit der neuen Wir sind Kirche-Veröffentlichung „Krise als Chance“ Wege der Gemeindeaktivierung auf.

Für den 3. Ökumenischen Kirchentag 2021 setzt sich Wir sind Kirche für die gemeinsame Mahlfeier ein.

Den Auftakt des Treffens im Herz-Jesu-Kloster Neustadt bildete der analytische und die Reformkräfte wertschätzende Vortrag „O Gott, die Kirche! Fünf vor oder schon nach zwölf?“ von Matthias Drobinski (Süddeutsche Zeitung).

Zuvor hatten der Rektor des Klosters, P. Gerd Hemken SCJ, und Domkapitular Franz Vogelsang, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Bistum Speyer, die mehr als 60 Delegierten und Gäste begrüßt. Das Grußwort des Katholikenrats Speyer wurde verlesen.

In das sechsköpfige Bundesteam wurden für zwei Jahre wiedergewählt: Günther Doliwa (Herzogenaurach, Erzbistum Bamberg), Sigrid Grabmeier (Deggendorf, Bistum Regensburg), Susanne Ludewig (Kassel, Bistum Fulda), Magnus Lux, (Schonungen, Bistum Würzburg) und Christian Weisner (Dachau/München, Erzdiözese München und Freising). Neu hinzugewählt wurde Heinrich Mix (Hannover, Bistum Hildesheim).

Die mit mehr als 60 Delegierten gut besuchte 44. Bundesversammlung stand unter dem Leitwort „In Bewegung bleiben!!“. Die nächste Bundesversammlung findet vom 6.-8. März 2020 im Exerzitienhaus der Franziskaner in Hofheim/Taunus statt.

Hintergrund:

Die weltweit vernetzte KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche ist aus dem KirchenVolksBegehren 1995 in Österreich hervorgegangen, das allein im deutschsprachigen Raum von fast 2,5 Millionen Menschen unterschrieben wurde.

Die fünf Forderungen zielen auf mehr Mitbestimmung in der Kirche, die Gleichberechtigung der Frau, die Freistellung des Zölibates für Priester, eine positive Bewertung der Sexualität und die Verkündigung als Frohbotschaft und nicht als Drohbotschaft. Die öffentlichen Bundesversammlungen der KirchenVolksBewegung in Deutschland finden zwei Mal im Jahr an wechselnden Orten statt. Internet: www.wir-sind-kirche.de

 

Print Friendly, PDF & Email
Zur Startseite

Zu den Kommentaren

Abonnieren Sie auch unseren Pfalz-Express-Kanal bei YouTube

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Kommentare sind geschlossen

Directory powered by Business Directory Plugin