Vogelgrippe-Virus bei Rassegeflügelzüchter in Wörth: Ein Drittel der Tiere könnte gerettet werden – Land nimmt Kompromiss von Landrat Brechtel unter Vorbehalt an

11. Januar 2017 | 8 Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Politik regional, Regional
Besprechung vor dem Vereinsgelände. Fotos und Video: Pfalz-Express

Besprechung vor dem Vereinsgelände.
Fotos und Video: Pfalz-Express

Wörth – Ein Hoffnungsschimmer beim Rassegeflügelzuchtverein: Nachdem das Vogelgrippe-Virus H5 bei sieben Tieren nachgewiesen wurde, sah es nach einer schnellen Keulung des gesamten Bestands aus. Nun kann vielleicht doch ein Drittel der Tiere gerettet werden.

Die Kreisverwaltung Germersheim war am Samstag vom Land aufgefordert worden, die Geflügelpestverordnung umzusetzen und alle Tiere der Einrichtung ausnahmslos zu keulen. Ein Vorschlag von Landrat Dr. Fritz Brechtel, wenigstens die Tiere zu retten, die rasch in Ställen untergebracht werden können, sei vom Ministerium abgelehnt worden, so die Kreisverwaltung.

Der Verein hatte daraufhin einen Eilantrag an das Verwaltungsgericht Neustadt gestellt, um die Tötung der Tiere zu verhindern. Das Gericht hatte verfügt, die komplette Keulung aller Tiere auszusetzen und eine Entscheidung für Mittwoch angekündigt.

Video: Landrat Dr. Fritz Brechtel beim Zuchtverein in Wörth (11.1. 2017). Wir bitten die Störungen im Ton an manchen Stellen zu entschuldigen.

Das Umweltministerium in Mainz hat aber zwischenzeitlich dem Kompromissvorschlag Brechtels, so viele Tiere wie möglich des Wörther Rassegeflügelzuchtvereins zu retten, unter Vorbehalt zugestimmt. „Ich bin unendlich erleichtert darüber, dass das Land somit im zweiten Anlauf dem Kompromiss folgt“, sagt Brechtel.

Nachdem das Landesministerium nun umgeschwenkt sei, müsse das Gericht nicht mehr über den Eilantrag entscheiden. Die Kreisverwaltung hätte als untergeordenete Behörde auf Weisung des Landes die Tötung der Tiere anordnen müssen. Das Umweltministerium widerspricht dieser Darstellung. Die Kreisverwaltung wiederum widerspricht der Darstellung von Umweltministerin Ulrike Höfken.

In der Zuchtanlage werden etliche seltene und gefährdete Arten gehalten. „Die Tiere werden nicht zu Erwerbszwecken gehalten, sondern zur Arterhaltung oder zur Erhaltung seltener Rassen. Deshalb habe ich mich bereits am Sonntag für eine Kompromisslösung beim Land eingesetzt“, so Landrat Brechtel.

Nachdem es sich nun sehr wahrscheinlich bei dem gefundenen Virus um einen niedrigpathogenen (schwach Krankheiten erregenden) Subtypen handelt, und nicht um den aggressiven Virus H5N8, hatte Brechtel bis heute Mittag weiter gehofft, dass das Land seinen Vorschlag annimmt.

Ein weiteres entsprechendes Schreiben hatte der Landrat gestern (Dienstag) an das Ministerium gesandt: „Eine Lösung könnte darin bestehen, möglichst viele Tiere in geschlossenen Ställen unter besonderer Beobachtung der Anforderungen des § 47 Abs. 1 und 2 der Geflügelpestverordnung unterzubringen und zu halten, regelmäßig den verbleibenden Gesamtbestand zu beproben und nur die Tiere zu keulen, die nicht einwandfrei untergebracht werden können“, heißt es darin sinngemäß.

„Ich bin wirklich froh, dass mein hartnäckiges Nachfragen beim Land und die Verfügung des Gerichts doch noch dazu geführt haben, dass sich das Land diesem Vorschlag anschließen konnte, wenn auch zunächst nur unter Vorbehalt“, so Brechtel, „Wermutstropfen bleibt, dass wir vielleicht viele tolle Tiere töten müssen. Wir werden dennoch versuchen, so viele Tiere wie möglich zu retten.“

Beim Verein hofft man nun weiter, dass alles noch „gut“ ausgeht. Veterinäramtsärztin Dr. Maike Wagner sagte, es müsse noch „sehr ausführlich im Detail“ besprochen werden, welche Maßnahmen der Verein und der Kreis treffen müssten. Klar ist, das eine Aufstallpflicht und strengste Hygienemaßnahmen gelten.

Die Mitglieder und der Vereinsvorsitzende Joachim Gottschang sind dazu mehr als bereit. (red/cli)

Landrat Brechtel (li.), Vereinsvorsitzender Joachim Gottschang (re.).

Landrat Brechtel (li.), Vereinsvorsitzender Joachim Gottschang (re.).

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V.li.: Landrat Dr. Fritz Brechtel, Dr. Christoph Jestrabeck (Leiter Kreisgesundheitsamt), Dr. Maike Wagner (Leiterin Kreisveterinäramt).

V.li.: Landrat Dr. Fritz Brechtel, Dr. Christoph Jestrabeck (Leiter Kreisgesundheitsamt), Dr. Maike Wagner (Leiterin Kreisveterinäramt).

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8 Kommentare auf "Vogelgrippe-Virus bei Rassegeflügelzüchter in Wörth: Ein Drittel der Tiere könnte gerettet werden – Land nimmt Kompromiss von Landrat Brechtel unter Vorbehalt an"

  1. Stefan sagt:

    Der Dank gilt vor allem den Tierfreunden und Vereinsmitgliedern selbst, die durch ihren Einsatz und die Einbringung des Eilantrages erst dafür gesorgt haben, daß die Kreisverwaltung nicht sofort – wie ursprünglich geplant und verkündet – kurzen Prozess gemacht hat!

    Ich bin gespannt, wie die Verwaltung nun tatsächlich agiert, nachdem öffentlich Druck auf die derzeitigen Entscheidungsträger ausgeübt wurde.

    Merke: Manchmal bewegt sich die Politik nur durch Widerstand aus der Bevölkerung!

  2. Ben sagt:

    Wieso nicht gleich so?

    Schaue ich mir das Video an: Wieso hat Landrat Brechtel und die Verwaltungsmitarbeiter nicht von Anfang an nach Ausnahmeregelungen gesucht? Erst die vom Verein erwirkte einstweilige Stopp der Keulung hat zu einem Zeitgewinn geführt – und erst dann hat die Verwaltung nochmal geprüft und plötzlich eine Alternative gefunden und vorgelegt.

    Brechtel braucht offenbar immer erst Gegenwind, um nochmal nachzudenken. „Seine“ Forderungen wurden bereits vorher vom Verein geäußert; da hatte ich allerdings nicht den Eindruck, daß man sich von Seiten der Verwaltung zu Anfang darauf einlassen wollte.

    Und: Die Maßgabe, immer und sofort alle Tiere auf Verdacht zu töten, scheint wohl doch nicht so zwingend zu sein, wenn man unter Auflagen auch andere Wege gehen kann. Und genau das hat der Verein von Anfang an angestrebt!

    Es wäre auch schön gewesen, wenn der Landrat mal dem unermüdlichen Einsatz der Vereinsmitglieder und ihrer Unterstützer gedankt hätte, die die letzten Tage rund um die Uhr mobilisiert haben, anstatt wieder mit Vorschriften, Land und EU zu kommen.

    Aber egal, Hauptsache das Ergebnis stimmt und möglichst viele Tiere werden gerettet! Danke!

  3. Gregory sagt:

    Der Landrat hat nach Auswegen gesucht, bereits auch schon bevor das Gericht ins Spiel kam. Der Widerspruch hat zusätzlich Zeit verschafft und Druck aufs Land erzeigt. Das war gut so. Das sehen wir doch am Ergebnis.
    Einfach nochmal zur Erklärung: Die Kreisverwaltung ist gegenüber dem Land weisungsgebunden. Da kann auch kein Landrat hochherrschaftlich anders entscheiden. Aber er war derjenige, der sich beim Verein gezeigt hat, und mit offenen Karten gespielt hat.
    Vielleicht schauen Sie sich nochmal die Pressemitteilung von Sonntag von Frau Höfken an. Darin steht: „„Wir haben die Kreisverwaltung Germersheim gestern Abend über den Verdacht informiert. Sie wird umgehend alle notwendigen Maßnahmen einleiten“, sagte Umweltministerin Ulrike Höfken heute. Rund 540 Tiere, zum Beispiel Enten und Gänse, müssen getötet werden.“ (Hier geht es zur kompletten Information des Landes: https://mueef.rlp.de/de/pressemeldungen/detail/news/detail/News/verdacht-der-vogelgrippe-des-typs-h5-in-einem-rassegefluegelbestand-in-woerth-hoefken-alle-erforderl/)

    • Ben sagt:

      Es ist ja nicht das erste Mal, daß Brechtel einknickt und plötzlich das Gegenteil behauptet. Alleine die Art, wie er sich in späteren Interviews als der große Retter aufspielt und all die engagierten Züchter und derern Freunde nicht einmal erwähnt, zeigt doch, daß er hier aus purem Opportunimus herumlavier, weil er im Mai wiedergewählt werden möchte! Einmal Hü und einmal Hott. Ähnliches Spiel wie beim Moscheebau in GER: Erst vollste Unterstützung auf dem Fastenbrechen bei DITIB, dann plötzlich „No-Go“.

      Wenn es ihm so wichtig gewesen wäre, einen Aufschub zu erwirken, wieso muß dann erst der Verein mit einem Eilantrag den Aufschub erwirken? Brechtel und seine Verwaltung hatten bereits eine Firma mit der Keulung beauftragt und das Gelände absperren lassen, sodaß die Vereinsmitglieder die Tiere nicht mehr versorgen konnten – bevor überhaupt feststand, um welche Virusvariante es sich handelt.

      Wer lügt denn nun? Brechtel oder das Landesministerium? Wer täuscht die Bürger? CDU – oder doch eher SPD und Grüne? Man darf gespannt sein.

  4. The Wheezing Locomotive sagt:

    Und? Was ist jetzt?
    D.Trump hat ne Pressekonferenz gegeben, und die Angelegenheit Rassegeflügelzuchtverein Wörth versackt …. Mich würde wirklich recht zeitnah interessieren, wie es dort weitergeht, und auch, ob dem Verein seitens der Verwaltung in irgendeiner Form Hilfe angeboten wird.

    Was passiert mit den kranken Tieren? Kann man die in Quarantäne setzen und hoffen, dass sie die Infektion überleben? oder wird doch einfach mal alles getötet, was infiziert ist?

    So eine Geschichte ist den Leuten in und um Wörth sicherlich näher als das Getöse in Washington, D.C. Bitte bleibt dran!

    • Joe sagt:

      Nichts gegen deine offensichtliche Betroffenheit und deine Besorgnis um die Tiere, aber findest Du nicht, dass deine Formulierung sich irgendwie arrogant anhoert? Ich glaube wenn der President Elected von einer Weltmacht mit seinen Auftritten internationale Konflikte provoziert koennte davon unter Umstaenden auch der Gefluegelzuchtverein betroffen sein…just saying. Whataboutism kommt bei internationalen Themen nie gut, wenn es um ein lokales Problem geht (das ich nicht kleinreden will, nur um’s nochmal erwaehnt zu haben 😉 )

      • The Wheezing Locomotive sagt:

        Joe, bei einem muss ich dir recht geben: Wenn D.T. was von Zaun bricht betrifft es eher den Verein in Wörth als umgekehrt. Wenn D.T. WIRKLICH was Großes vom Zaun bricht, wird H5Nx (mit 1<x<9) wahrscheinlich unsere und deren kleinste Sorge sein…..

        Die zwei Nachrichten (Pressekonferenz Wörth und Trump Tower) fielen zufällig auf den gleichen Tag, Und ehrlich gesagt finde ich die lokale Begebenheit im Moment tatsächlich wichtiger als das unsägliche Benehmen des President Elect.

        Mögen wir zusammen hoffen:
        – dass die Wörther so viele Tiere wie möglich erhalten dürfen
        – und dass der Ami besonnener handelt als er spricht.

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