
Unter Druck: Wolfram Weimer am 05.03.2026,
Foto: via dts Nachrichtenagentur
Berlin – Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hat die für den 19. März 2026 geplante feierliche Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises kurzfristig abgesagt.
Grund ist eine eskalierende Debatte um den Ausschluss dreier Buchhandlungen von der Preisträgerliste, die den eigentlichen Zweck der Auszeichnung – die Würdigung unabhängiger Buchhandlungen – zunehmend überlagere, teilte ein Sprecher des Beauftragten für Kultur und Medien (BKM) am Dienstag mit.Eine „angemessene Würdigung“ der Preisträger sei in diesem Klima kaum noch möglich, hieß es.
Die ausgewählten Buchhandlungen erhalten Preisgeld und Urkunde dennoch „auf direktem Wege“. Die Bekanntgabe der Hauptpreise erfolgt gesondert. Zudem plant das Ministerium „zu einem späteren Zeitpunkt“ eine öffentliche Dialogveranstaltung zu Kunst- und Meinungsfreiheit sowie der Rolle staatlich finanzierter Kulturpreise.
Hintergrund der Absage: Der Streit um drei ausgeschlossene Buchhandlungen
Die Kontroverse entzündete sich bereits vor Tagen, als bekannt wurde, dass Weimer drei von der unabhängigen Fachjury nominierte Buchhandlungen von der Liste gestrichen hatte. Betroffen sind: Buchladen „Zur schwankenden Weltkugel“ in Berlin (Prenzlauer Berg),
„The Golden Shop“ in Bremen,
„Rote Straße“ in Göttingen.
Alle drei gehören dem linken politischen Spektrum an und waren in früheren Jahren bereits mit dem Preis ausgezeichnet worden. Weimer begründete den Ausschluss mit „verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen“, die ihm vom Bundesamt für Verfassungsschutz mitgeteilt worden seien – ohne dass der Minister den genauen Inhalt kannte.
Das Verfahren basiert auf dem sogenannten „Haber-Verfahren“, bei dem nur das Vorliegen relevanter Erkenntnisse mitgeteilt wird, nicht jedoch Details. Der Eingriff in das Juryvotum löste massive Kritik aus: Die Fachjury distanzierte sich öffentlich, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Kurt-Wolff-Stiftung, PEN Berlin und zahlreiche Kulturschaffende sprachen von politischer Einflussnahme, Intransparenz und einem Angriff auf die Freiheit der Kulturförderung.
Die drei Buchhandlungen kündigten Klagen gegen Weimer und den Verfassungsschutz an, um die ursprüngliche Jury-Entscheidung durchzusetzen. Weimer verteidigte seine Linie mit dem Ziel, „Extremismus in jeder Form entschlossen und konsequent zu begegnen“.

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