
Verteidigungsminister Boris Pistorius (im dunkelblauen Anzug mit Feldstiefeln), Generalsinspekteur Carsten Breuer (links daneben), Kommandeur Oberstleutnant Christian Zerau (rechts daneben), und die Bundestagsabgeordneten Dr. Thomas Gebhardt (CDU), Isabel Mackenseun-Geis (SPD) und Germersheims Bürgermeister Marcus Schaile schauten sich eine simulierte Gefechtssituation an.
Foto: Pfalz-Express/Licht – Fotostrecke und Video am Textende
Germersheim – Rund zwei Stunden nahm sich Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am Donnerstagnachmittag Zeit für einen Besuch beim Luftwaffenausbildungsbataillon in der Südpfalz-Kaserne. Gegen 15 Uhr landete er per Hubschrauber auf dem Gelände, gegen 17 Uhr ging’s weiter nach Hambach.
Mit dabei: Generalinspekteur Carsten Breuer. Erwartet wurden der Minister und der ranghöchste Soldat der Bundeswehr von Oberstleutnant Christian Zerau, dem Kommandeur des Bataillons, und Germersheims Bürgermeister Marcus Schaile (CDU). Auch die Bundestagsabgeordneten Dr. Thomas Gebhart (CDU) und Isabel Mackensen-Geis (SPD) waren vor Ort. Und natürlich: ein gewaltiger Presse-Pulk. Kameras, Mikrofone, Reporter im Spurt – die mediale Aufmerksamkeit war groß. Zum Glück hatte das Bataillon mit Häppchen und Getränken für Stärkungsmöglichkeiten gesorgt.
Nach einem Gespräch im Büro des Kommandeurs und einem Eintrag ins Gästebuch ging es direkt raus aufs Gelände. Pistorius zeigte sich beeindruckt von der Geschwindigkeit, mit der neue Anforderungen in Germersheim umgesetzt werden. Besonders hob er die niedrige Abbrecherquote hervor – bundesweit zähle sie zu den geringsten. Ein deutliches Zeichen für Qualität und Engagement, so der Minister, der dem gesamten Team und dem Kommandeur ein großes Lob aussprach.
Drohnen: Ausbildung am Puls der Zeit
Dann die erste Station: Drohnentechnik. Während Pistorius sich am Drohnen-Zelt über Bedienung, Reichweiten und Einsatzszenarien informieren ließ, schwirrte bereits eine Aufklärungsdrohne über den Köpfen der Gäste. Leise, aber präsent und ein greifbares Beispiel moderner Ausbildung. Ein Soldat erklärte, wie die unbemannten Systeme eingesetzt werden und was sie leisten können.

Foto: Pfalz-Express /Licht
Weiter ging´s zum Übungsfeld. Dort wurde es dynamisch: Rekruten in voller Montur – Helm, Schutzweste, Marschgepäck und Gewehr – zeigten realitätsnahe Gefechtsabläufe. Es ging über Hindernisse, in Deckung, unter Stress. Gekonnt, koordiniert, konzentriert. Pistorius beobachtete die Szenen aufmerksam und zeigte sich sichtlich angetan.
Dienst in den Streitkräften: „Sinn und Kameradschaft“
In und vor einer Halle auf dem Kasernengelände fand der abschließende Auftritt statt: Pistorius über die Pläne seines Hauses. Die Bundeswehr müsse deutlich wachsen – 60.000 zusätzliche Soldaten und Reservisten (auch für den Heimatschutz) in den nächsten Jahren seien das Ziel. Noch im August solle das Kabinett darüber entscheiden. Pistorius hofft, dass sich genug Freiwillige melden, um die ausgesetzte Wehrpflicht nicht direkt wieder einsetzen zu müssen. Theoretisch sei das aber möglich – und zwar recht schnell, sollte der Bundestag zustimmen.
Jedenfalls warb er offensiv für die Bundeswehr als Arbeitgeber: „modern und sinnstiftend.“ Er sprach von Teilstreitkräften, die beeindruckten – „Wenn die Korvette durch die Wellen bricht, wenn der Eurofighter donnert – das ist was!“, so der Minister. Und in der Truppe gebe es etwas, das es so nirgendwo anders gebe: die Kameradschaft. Jährlich rund 5.000 zusätzliche Wehrdienstleistende sollen gewonnen werden, vor allem über einen verpflichtenden Fragebogen an 18‑jährige Männer und optional für Frauen.
Drei Soldaten duften sich dann besonders freuen: Sie wurden vom Minister höchstselbst in einen höheren Rang befördert.

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Im anschließenden Pressestatement vor der Halle ging es dann um Infrastruktur und Umsetzung. Die größte Herausforderung sei es derzeit, ausreichend Unterbringungskapazitäten zu schaffen. Dafür brauche es weniger Bürokratie, mehr Tempo, einfachere Verfahren. Ein unrühmliches Beispiel: das neue Sanitätszentrum. Das Gebäude ist baulich fertig, mit nur wenigen Mängeln, die geringer ausfallen als die des Altbaus. Trotzdem darf es nicht genutzt werden. Warum? Baurecht. Ein Sinnbild für überregulierte Prozesse, die an der Lebenswirklichkeit vorbeigehen. Der Vorschlag: Generalunternehmer statt unzähliger Einzelvergaben.
Investitionen, Bedrohungslage, Perspektiven

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Rund 100 Millionen Euro sollen in den Standort Germersheim investiert werden, das bekräftigte Pistorius erneut. Auch ein zweites Ausbildungsbataillon sei in Planung, um das einzige derzeit in Germersheim – mit einer Außenstelle in Roth – zu entlasten.
Pistorius verwies wie so oft auch auf die anhaltende Bedrohungslage in Europa. Die russische Aggression sei nicht nur ein Angriff auf die Ukraine, sondern eine ernstzunehmende Gefahr für ganz Europa. Auch Generalinspekteur Breuer sieht das so. Aus dem Ukraine-Krieg ziehe man wichtige Lehren, sowohl in taktischer Hinsicht als auch für die Ausbildung, so Pistorius und Breuer. Elemente daraus würden bereits in den Schulungsalltag in Germersheim eingebunden.
Und auch beim Thema Liegenschaften wurde Pistorius deutlich. Kasernen, die in Sparzeiten geschlossen wurden und derzeit anderweitig genutzt werden, sollen wieder auf ihre Verfügbarkeit geprüft werden. „Keine einzige Liegenschaft fliegt aus dem Portfolio“, so der Minister. Man brauche Raum und den werde man auch schaffen. (cli)

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