
OB Dr. Geißler begrüßte zur Gedenkveranstaltung.
Foto: Herrmann
Landau. Im Landauer Alten Kaufhaus fand am 27. Januar 2026 eine bewegende Gedenkveranstaltung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus statt.
Im Mittelpunkt stand die NS-Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma in der Südpfalz sowie das fortgesetzte Unrecht nach 1945. Die von der Stadt Landau in Kooperation mit zahlreichen Partnerorganisationen organisierte Veranstaltung erinnerte an die Hunderttausenden Sinti und Roma, die während der NS-Zeit systematisch verfolgt, deportiert und ermordet wurden.
Besonders betont wurde, dass Diskriminierung und Ausgrenzung für viele Betroffene und ihre Nachkommen auch nach der Befreiung 1945 weitergingen – durch fehlende Anerkennung, verweigerte Entschädigung und anhaltende Stigmatisierung.
Eindrucksvolles Programm mit Musik, Vorträgen und persönlichen Beiträgen
Die mit zirka 200 Personen sehr gut besuchte Veranstaltung begann mit einer Begrüßung durch Oberbürgermeister Dr. Dominik Geißler. Ein Grußwort hielt Michael Hartmann, Antiziganismusbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz. Musikalisch umrahmt wurde der Nachmittag von dem Geiger István Kuruc, der Werke wie eine Gavotte en Rondeau von Johann Sebastian Bach, „Im alten Stil“, „Die Hoffnung“ und die „Meditation“ aus „Thaïs“ von Jules Massenet vortrug.
Ein zentraler Programmpunkt war der Vortrag zur Biografie der Familie Winterstein, präsentiert von Destiny Balzo, Urenkelin des Überlebenden Franz Winterstein. Prof. Dr. Wolfgang Pauly von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz e.V. gab eine Einführung.
Unter dem Titel „Und es war nicht vorbei“ berichteten Dr. Miriam Breß und Marie Pätzold (beide Johannes-Gutenberg-Universität Mainz) von einem studentischen Projekt zu Sinti und Roma nach 1945. Auszubildende der Nardini-Pflegeschule am Vinzentius-Krankenhaus Landau (Viktorija Andronova, Odette Igiraneza, Larissa Rollande Njokou Kepseu) unter Leitung von Moni Vogler trugen biografische Notizen vor.
Den emotionalen Höhepunkt bildete der Lyrikvortrag des Gedichts „Auschwitz“ von Santino Spinelli (2012), interpretiert von Moni Vogler. Die Verabschiedung übernahm Jacques Delfeld Sr. vom Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Rheinland-Pfalz.

Geiger István Kuruc
Foto: Herrmann
Breites zivilgesellschaftliches Bündnis
Die Veranstaltung wurde von einem breiten Netzwerk getragen, darunter:
• Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt an der Weinstraße
• Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz e.V.
• Hineniu – Jüdischer Studierendenverband Rheinland-Pfalz und Saarland
• Nardini-Pflegeschule
• Netzwerk „Erinnern vor Ort“ des Anne Frank Zentrums Berlin
• Omas gegen Rechts
• Stolperstein-Initiative Landau
• Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Rheinland-Pfalz
• Verein für Toleranz und Menschlichkeit Südpfalz e.V. (TOM)
• und weitere Partner.
Bereits am Vormittag legten die beteiligten Organisationen am Mahnmal für die Opfer des Faschismus auf dem Landauer Hauptfriedhof einen Kranz nieder.

Die beteiligten Organisationen legten am Mahnmal für die Opfer des Faschismus auf dem Landauer Hauptfriedhof einen Kranz nieder.
Quelle: Stadt Landau
Begleitausstellung im Museum für Stadtgeschichte
Im Anschluss an die Gedenkfeier wurde auf die begleitende Ausstellung „Sinti und Roma in Rheinland-Pfalz. Ermordet – ausgegrenzt – stigmatisiert“ hingewiesen. Diese ist vom 28. Januar bis 28. Februar 2026 im Museum für Stadtgeschichte (Maximilianstraße 7, Landau) zu sehen.
Sie basiert auf einem studentischen Forschungsprojekt der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (Sommersemester 2025), gefördert vom Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz. Die Ausstellung beleuchtet u. a. Themen wie Wiedergutmachung, Stadtrandsiedlungen, Antiziganismus im Alltag und Erinnerungskultur.


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