Berlin – Buchautor, ehemalige Bundesbank-Vorstand und SPD-Politiker Thilo Sarrazin, macht die etablierten Parteien für das Erstarken von Pegida und AfD verantwortlich.
In einem Interview mit „Bild“ sagte Sarrazin, die SPD habe die schlechten Umfragewerte selbst verschuldet. „Eine Partei, die den Nerv der Zeit nicht trifft und ihre Wähler enttäuscht, bekommt die Rechnung serviert.
Seit 2010 habe ich die Gefahren von falscher Zuwanderung und falscher Eurorettung beschrieben. Hätten die etablierten Parteien meine Warnungen ernst genommen, gäbe es heute weder Pegida noch AfD“, sagte Sarrazin.
Der Ex-Bundesbanker kritisierte vor allen Dingen das Verhalten der Bundesregierung während der Flüchtlingskrise. Sie habe ignoriert, dass die Zahl der Flüchtlinge seit 2011 deutlich anstieg.
Die Reaktion im Sommer 2015 sei zu spät gewesen. Sarrazin erklärte, er hätte früher gehandelt und angekündigt, dass Deutschland nur noch Asylbewerber ins Land lässt, die sich in dem Land registriert haben, in dem sie als erstes EU-Boden betreten haben.
„Das hätte einen Domino-Effekt entlang der Balkanroute ausgelöst. Österreich hätte seine Grenzen für unregistrierte Flüchtlinge geschlossen, danach Ungarn, Mazedonien, Griechenland. Eine Million Asylbewerber und illegaler Einwanderer wären Deutschland erspart geblieben“, sagte Sarrazin.
Auch die aktuelle Situation schätzt er skeptisch ein: Solange es kein einheitliches Registrierungssystem in Deutschland und Europa gibt, seien Probleme vorprogrammiert. Sarrazin: „Dieses Chaos bei der Datenerhebung, das ist doch Irrsinn, ein Verbrechen an der deutschen Zukunft!“
Die große Zahl der muslimischen Zuwanderer empfindet er als „wachsende Gefahr“ für die Gesellschaft, immer mehr junge Muslime würden sich „dem Fundamentalismus und Antisemitismus verschreiben“. (dts Nachrichtenagentur)

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