Landau. Extrembergsteiger Reinhold Messner kam gestern zu einem spontanen Besuch nach Landau und sprach in der Reihe „Große Begegnungen“ des Zentrums für Kultur- und Wissensdialog (ZKW) im Universum Kino über den Begriff „Berge versetzen“.
Anja Ohmer vom ZKW hatte zwei Jahre gebraucht um Messner nach Landau zu holen. Sie begrüßte ihn deshalb umso herzlicher. „Es geht darum, Schwierigkeiten zu überwinden“, sagte sie. Triebkraft, Motivation und Leadership seien Eigenschaften, die auch für Studenten sehr hilfreich sein könnten. Und die, nämlich die Studierenden der Uni Landau, waren zum großen Teil dann auch vor Ort. Da die Veranstaltung nur den symbolischen Eintritt von 5 Euro gekostet hatte, schickte Ohmer eine Spendenkiste durch die Reihen. Mit diesem Erlös soll das Hilfsprojekt Messners, die „Messner Mountain Foundation“ für die Bergbauern am Himalaya unterstützt werden.
Uni-Programm
Anja Ohmer wies auch auf das weitere Uni-Programm hin, den großen Poetry-Slam am 18. April im Universum Kinocenter oder die Veranstaltung mit Abbas Khider am Mittwoch, 17. April. Und selbstverständlich begrüßte Ohmer unter anderem auch den anwesenden Uni-Präsidenten Heiligenthal, sowie den nachmittags neu eingeführten Vizepräsidenten Schulz.
Messner: Bergsteiger, Europapolitiker, Autor, Geschäftsmann, Winzer und natürlich Bergbezwinger: Messner ist alles in einem. Wenn man so will, viele Herzen schlagen in seiner Brust. Er hat alle 14 Achttausender sowie die „seven summits“ bestiegen, er hat die Antarktis, die Wüsten Gobi und Taklamakan überquert und ihm ist die Längsdurchquerung Grönlands gelungen.
„Ich war immer am stärksten, wenn ich neugierig war“, so Messner. Und in all seinem Tun war die Motivation immer dar. Fehlte sie, wurde das anvisierte Projekt abgebrochen.
Weder die Idee noch die Tat seien das eigentlich Spektakuläre, meint Messner, sondern eine Idee in die Tat umzusetzen, sei das eigentlich Faszinierende. Außerdem müsse man eine Sache mit Sinn erfüllen.
Was ist der Yeti?
Messner skizzierte seinen Weg vom alpinen Extrembergsteiger zum Höhenbergsteiger. Durch einen unglücklichen Sturz von einer Mauer(!) bricht er sich das Fersenbein, wird zu einem Quasiinvaliden, geht in die Politik und wird Europapolitiker. Die Berge lassen ihn nicht ruhen. Er besucht alle heiligen Berge, um herauszufinden, welche Mystik die Bergbauern in den Bergen finden. Er untersucht auch das Mysterium Yeti. Die Bergbauern zeigen ihm einen riesigen ausgestopften Bären, den sie als „Bärenmenschen“ bezeichnen. Messner, der selbst eine solche Kreatur von weitem gesehen hat, erkennt, dass es sich wohl um ein Exemplar der gewaltigen Himalaya-Bären handeln muss und nicht um „übrig gebliebene Neanderthaler auf dem Berg“.
Tabu gebrochen: Mount Everest ohne Sauerstoff
Messner berichtet über Expeditionen, für die er früher gebucht wurde. Himalaya-Expeditionen kosteten cirka 500.000 Euro und waren sehr aufwändig. Die Logistik, den Everest mit einer Sauerstoffausrüstung besteigen zu wollen, sei seinerzeit sehr kompliziert gewesen. Jeder Bergsteiger hätte cirka 100 Kilogramm Gepäck inklusive sieben schwerer Stahl-Sauerstoffflaschen, übernehmen müssen. Das ist nicht zu schaffen, „Ich habe das seinerzeit größte Tabu gebrochen und habe den Mount Everest ohne Sauerstoff bezwungen“, sagt Messner. Und er habe damit das Höhenbergsteigen revolutioniert. Mit seinem „leichten“ alpinen Stil und wenig Gepäck hatte er 1978 die Everest-Besteigung ohne Maske gewagt. „Die Expedition hat 10.000 Euro gekostet, danach war der Bann gebrochen und ich habe pro Jahr 2-3 eigene Expeditionen durchgeführt. Die Bedingungen oben auf dem Berg ohne Sauerstoff sind naturgemäß extrem, Beurteilungsfähigkeit und Konzentration schwinden, „man ist 40 mal langsamer als daheim – der Berggipfel entfernt sich von einem“, so Messner.
Man sei, wenn man den Gipfel erreicht habe, „beileibe nicht euphorisch“, sondern wolle so schnell als möglich dieser unwirtlichen Zone entfliehen. „Mir war ab damals klar: wenn ich den Everest mit meinem speziellen Stil besteigen konnte, dann sind alle Berge der Welt so zu schaffen“. Das nächste große Ziel war 1978 die Alleinbesteigung des Nanga Parbat. All seine Habseligkeiten musste er damals verkaufen, denn die chinesische Regierung verkaufte die Erlaubnis nur gegen harte Währung – 80.000 Dollar war der Preis, den Messner zu zahlen hatte. Mit dieser Besteigung hatte er als erster Mensch einen Achttausender von der Basis bis zum Gipfel im Alleingang bezwungen. „Ich glaube mittlerweile, dass wir alles durch mentale Kraft erreichen, so Messner.
Auch die Durchquerung der Antarktis, der Arktis, der Wüste Gobi waren Grenzwerterfahrungen, über die Messner im (bebilderten) Vortrag sprach. Heute betätigt sich Messner als Erzeuger biologischer Produkte und widmet sich dem Aufbau seines Bergsteiger-Museums.
Diskussion
In der sich anschließenden Diskussion konnten Fragen gestellt werden. „Wie lange hat die Mount-Everest-Expedition gedauert? Wo schlafen Sie auf dem Berg? Könnten Sie heute nochmals auf den K2? Woher kommt diese Unzufriedenheit?
„Ich werde bald wieder zum Himalaya fahren und die Bergbauern dort besuchen, aber die Bergsteigerei ist nicht mehr so wichtig. Die Motivation, einen K2 zu besteigen, ist nicht mehr da“, so Messner. „Unzufrieden mit meinem Leben bin ich nicht, denn ich habe alles zum jeweiligen richtigen Lebensabschnitt gemacht.“ Obwohl er oft in seinem Leben an Projekten gescheitert sei, habe er immer wieder zur Stärke zurückgefunden und wieder neu anfangen können. (desa)

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