Sonntag 16.August 2026

Nicht der Tod sondern der Kreislauf des Lebens steht im Fokus

Hauptfriedhof Landau: 33 verschiedene Nachtschmetterlingsarten gesichtet

27. September 2025 | Kategorie: Landau

Die Faltervielfalt wurde mittels Profi-Gerätschaften dokumentiert.
Quelle: privat

Landau. Am Abend des 6. September kamen 20 interessierte Menschen auf dem jüdischen Grabfeld des Hauptfriedhofs in Landau zusammen. Das Areal ist einer der acht Pilot-Archegärten des Projekts: Der Friedhof lebt – Interreligiöse Archegärten in Deutschland, welches vom Institut für Theologische Zoologie in Münster getragen wird.

Auf der gemeinsamen Begehung erkundeten die Teilnehmer die ökologisch-interreligiösen Zusammenhänge und bekamen Impulse aus unterschiedlichen Fachrichtungen für
eigene Handlungsoptionen.

Anschließend wurden mittels professionellem entomologischen Leucht-Gerät die bunte Vielfalt und tierische Farbenpracht der Nacht für kleine Augenblicke sicht- und erlebbar
gemacht. Mit der Anzahl der besuchenden Nachtfalter hatte das Projekt-Team Glück: Das Wetter stimmte und der Friedhof bot durch seine Anlage bereits ökologische Grundvoraussetzungen für Lebensvielfalt.

So wurden 33 verschiedene Nachtschmetterlingsarten im Laufe des Abends und der Nacht gesichtet – oft unerwartet bunt und mit kreativen Namen wie Olivenbaum-, Purpurroter- und Rhabarberzünsler sowie das Vierpunkt-Flechtenbärchen und der Perlglanzspanner.

Sogar eine Dunkelbraune Brombeereule (wissenschaftlich: Dysgonia algira) wurde gesichtet. Dieser Nachtfalter kommt normalerweise eher im Süden vor. Mit weiteren Maßnahmen kann die biologische Vielfalt auch dieses Pilot-Archegartens noch erweitert und erhalten werden.

Zum Verweilen lädt bereits jetzt schon eine neu installierte Archebank in Regenbogenfarben ein. Zur gesonderten Einweihung der Archebank am Jüdischen Grabfeld wird am 8.10.25
um 10.00 Uhr eingeladen. Der Regenbogen ist symbolträchtig und verbindet durch die Noach-Erzählung alle drei Weltreligionen sowie alle Mitgeschöpfe.

„Heute gilt es, alle Kräfte für den Erhalt der biologischen und kulturellen Vielfalt zu einen“, so Dr. Deborah Williger, Projektleiterin.

Es ist notwendig, dass Menschen sich für den Natur- und Artenschutz einsetzen, Natur nicht lediglich als Ressource zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse betrachten. Auf Friedhöfen
begegnen Menschen ihrer eigenen Endlichkeit. Die Mitweltbildungsmodule leiten dazu an, sich selbst als Teil natürlicher Kreisläufe aus Werden und Vergehen zu begreifen. Vor diesem
Hintergrund schwinden auch gesellschaftliche Unterschiede. Mit dem Projekt „Der Friedhof lebt“ will das ITZ durch interreligiöse Bildung und durch gemeinsamen Einsatz für den
Artenschutz den innergesellschaftlichen Frieden stärken und einen Beitrag zum Erhalt der Schöpfungsvielfalt leisten.

Weitere Veranstaltungstermine und Informationen erhalten Sie über den Link: www.der-friedhof-lebt.de oder www.theologische-zoologie.de

Das ITZ-Projekt „Der Friedhof lebt – Interreligiöse Archegärten in Deutschland“ wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit
Mitteln des Bundesumweltministeriums sowie durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen.

Auch sie wurde gefunden: Dunkelbraune Brombeereule
Foto: privat

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