Montag, 20. Mai 2024

Ist der Kampf um Werk 38 verloren? Bagger reißen ab

25. September 2014 | Kategorie: Landau, Regional

Bagger sind seit zwei Tagen vor Ort und an der Arbeit (Stand 26.September).
Fotos: privat

Landau. Enttäuschung bei der Landauer SPD-Fraktion am 20. September: Sie stand vor Werk 38 im Landesgartenschaugelände und hätte dieses gerne besichtigt. Dr. Maximilian Ingenthron hatte die Genossen zu einer kombinierten Führung durch das Werk 38 und die Lunette 41 eingeladen. Das war während  eines Arbeitseinsatzes an der Lunette 41 besprochen worden.

Der SPD-Stadtrat vor Werk 38: Historiker Jörg Seitz erläutert die Lage der Lunette im Gesamtkomplex der Festungsanlage.
Fotos: Pfalz-Express/Ahme

In Absprache mit dem Festungsbauverein hatte man den Termin vereinbart. Die Führung sollte durch Mitarbeiter der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) erfolgen. „Es wird wohl ein der letzten Gelegenheiten zur Führung sein, bevor dort die Baumaßnahmen beginnen“, schrieb Ingenthron in seiner Einladung.

Doch es wurde nichts aus der Führung. Die GDKE hatte zwischenzeitlich die Grabung beendet und das Gelände dem Investor Reuter übergeben. Warum diese plötzliche Eile? Auch am Tag des offenen Denkmals hatte es keine Führungen gegeben. Immerhin hatten am 30. August noch einmal über 300 Personen die Möglichkeit, einen Blick auf die Lunette 38 zu werfen.

Die wird man jetzt wohl abschreiben müssen: Ein Parkhaus soll nach dem Willen Reuters darauf gebaut werden. Nach der Landesgartenschau sei das Interesse wohl eh nicht mehr so groß, war in Insiderkreisen zu hören. Stattdessen setzt man wohl jetzt alle Aufmerksamkeit und Kraft in die Lunette 41, die als zukünftige touristische Attraktion hervorgehoben werden soll.

Für manche sind die Ausgrabungen eh nur „eine Ansammlung toter Steine“, für andere ist es weit mehr, nämlich das, was Landau so besonders macht – Landau, als ehemalige Festungsstadt. Und diese Menschen kämpfen wirklich um jeden Stein der Landauer Historie.

„Das Schild an der Autobahn „Festung Landau“ weist jeden auf einen der bedeutendsten Aspekte der Landauer Geschichte hin. Die Reste der Festung bilden 300 Jahre Stadtentwicklung Landaus und seine barocke Überformung ab. Sie sind Zeugnis der beständigen Belagerungszustände Landaus und den damit verknüpften gesellschaftlichen Umbrüchen. Die Festung und auch damit verbundene Profanbauten prägen bis heute das Stadtbild und gehören zum täglichen Leben von uns allen“, ist die Meinung der Festungsbaumitglieder. Es herrscht Enttäuschung darüber, wie Stadt und GDKE mit dem kulturellen Erbe Werk 38 verfahren.

Stehen der Stadt Landau finanzielle Überlegungen näher als ihre Geschichte? Diese Frage müssen sich die Verantwortlichen stellen lassen.

Der Festungsbauverein will jedenfalls zukünftig einen sensibleren Umgang mit den Relikten der Landauer Geschichte gewahrt wissen und wird aus diesem Grund in der nächsten Stadtratssitzung eine Unterschriftenliste übergeben. „2000 Unterschriften haben wir bisher gesammelt“, berichtet Thomas Schleuning vom Festungsbauverein.

Der Vorstand des Festungsbauvereins hat bei der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Landau und bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz die Unterschutzstellung der Festung Landau als Gesamtanlage beantragt, um so dem Verlust weiterer Teile der Vauban-Festung zu verhindern, bis ein Gesamtkonzept steht.

Das Werk 38 hat der Festungsbauverein aber noch nicht abgeschrieben. Er ruft alle Bürger dazu auf, die Unterschriftenlisten, die in der Adler Apotheke und der Bahnhofsapotheke ausliegen, zu unterzeichnen.

Diese Listen werden bei der Stadtratssitzung am 30. September OB Schlimmer übergeben. Schleuning hofft, dass außerdem möglichst viele Bürger bei der Einwohnerfragestunde am 30. September, 17 Uhr im Landauer Rathaus teilnehmen, Fragen stellen und ihre Meinung kundtun werden.

Vielleicht ist es aber auch schon zu spät für Werk 38. Man munkle, dass schon Bagger an der Arbeit  seien und dass schon bald das für die Landauer Festungsgeschichte so wichtige Werk Geschichte sein wird. Etliche Wochen habe der Festungsbauverein versucht, Gespräche mit der GDKE und mit der Stadt, sprich Unteren Denkmalschutzbehörde zu führen. Doch die Verantwortlichkeit sei immer von sich auf andere geschoben worden.

In der Bauauschuss-Sitzung vor zwei Wochen sei von Stadtbaudirektor Kamplade deutlich gemacht worden, dass Verträge geschlossen, es sich nur noch um einen Verwaltungsakt handle und „nicht mehr daran zu rütteln“ sei.

Fragen, zum Beispiel von Klaus Ochsenreither vom Festungsbauverein seien nicht zugelassen worden, berichtet der aufgebrachte Thomas Schleuning. „Muss denn erst ein Römerschiff gefunden werden, damit Werk 38 schutzwürdig wird?“ fragt er.

„Damals wurde Europa neu geordnet, mit der Schlacht hier wurde Weltgeschichte geschrieben“, weist Schleuning auf die Bedeutung des Werks hin, das mit seinen Gewölben und Schießscharten sehr bedeutend für die ganze Festung sei.

Das Modell der Festung im Museum wird momentan für einen ansehnlichen Betrag auf Vordermann gebracht (das Museum wird übrigens erst nach der Landesgartenschau wieder geöffnet), während dem Original wohl nicht so viel Bedeutung beigemessen werde, mutmaßt Schleuning. Viele Versprechungen habe es gegeben und :„Wir haben den Fehler gemacht, zu wenig schriftlich zu formulieren“, weiß er heute.

Ganz anders agiere die Festungsstadt Germersheim, die vorbildlich mit ihrer Geschichte verfahre und sie auch touristisch nutze.

In Landau hätte man, was der Verein schon vorgeschlagen hatte, eine touristische Route durch die SÜWEGA-Parks, weiter durch Werk 38 und Lunette 41, zum Fort durch die Innenstadt und wieder zurück installieren können. Vieles sei abgeblockt worden, bedauert der ehemalige Festungsbauverein Schleuning, der eigentlich sein Amt aus beruflichen Gründen zur Verfügung gestellt hatte, jetzt aber mehr als zuvor mit Emails verärgerter  Bürger bombadiert wurde. „Die Leute machen sich Sorgen, die man ernst nehmen muss“.

Der Festungsbauverein hat auf jeden Fall vor, das Ganze chronologisch für die Nachwelt zu dokumentieren und dies in schriftlicher Form dem Stadtarchiv für spätere Generationen als Hinterlassenschaft zu übergeben. (desa)
Die Bagger sind vor Ort (siehe Fotogalerie unten)

Aktuell (Freitag, 26. September) hat Thomas Schleuning an den Investor Reuter folgenden Brief geschrieben:

Sehr geehrter Herr Reuter,

nicht ganz wortlos nehme ich die „Erdbaumaßnahmen“ am „Werk 38“ heute zur Kenntnis.

So möchte ich Sie bitten, wenigstens die „SPITZE der LUNETTE 38“ der so genannten „Prinz-Eugen-Schanze“  besonders zu schonen bzw. abzutragen.

Soldatengräber sind ewige Gräber!

Die Spitze der „Lunette 38“ kann so auf dem Soldatenfriedhof  der Stadt Landau als ehrenhafte Erinnerung der vor 301-Jahren Gefallenen zur Ewigen Mahnung für den Frieden,gegen Krieg und Gewalt dienen.

Auch Frau Dr. Zeeb-Lanz von der GDKE der Landes -Archäologie Speyer hat mir heute Ihre telefonische Zusage zur Übergabe der „neun sterblichen Überreste“ zugesichert.

Nun gilt es die sterblichen Überreste zur ewigen Ruhe zu betten.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Schleuning

Info I: Antrag auf Unterschutzstellung der Festung Landau (im Wortlaut):

Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit beantragt der Festungsbauverein Landau –les amis de Vauban e.V. die Unterschutzstellung der Festung Landau und ihre Eintragung in die Liste der Kulturdenkmäler des Landes Rheinland-Pfalz.
Der Verein wendet sich direkt an die Denkmalfachbehörde, da sie für die Erstellung von Gutachten in Fragen des Denkmalschutzes und die Führung der o.g. Liste verantwortlich ist.
Wie bereits in der Infoveranstaltung zum Werk 38 am 16.7.14 in Landau durch den Generaldirektorkulturelles Erbe, Hrn. Thomas Metz und Hrn. Dr. Himmelmann von der Fachbehörde Landesarchäologie Speyer dargestellt, werden die vorhandenen und freigelegten Anlagen der Festung Landau als Kulturdenkmal eingestuft. Die Forschungsergebnisse des Festungsbauvereins und weiterer tätiger Wissenschaftler der letzten Jahrzehnte sowie die durchweg beachtlichen Funde, die während der Baumaßnahmen in der Stadt auftreten, lassen einen guten Erhaltungszustand der bisher noch verborgenen oder überbauten Festungsteile vermuten.
Die Reste bilden 300 Jahre Stadtentwicklung Landaus und seine Barocke Überformung ab. Sie sind Zeugnis der beständigen Belagerungszustände Landaus und den damit verknüpften gesellschaftlichen Umbrüchen. Die Festung und auch damit verbunden Profanbauten prägen bis heute das Stadtbild. Die Festung Landau bildet in ihrem spezifischen Aufbau nicht nur eine für Deutschland einmalige Anlage, sondern war auch für danach folgende Festungsanlagen in Frankreich der Prototyp. Der 400 Mitglieder starke Verein und das öffentliche Interesse an ihren Ausgrabungen auf dem Werk 38 zeigen zudem das berechtigte öffentliche Interesse an einer Unterschutzstellung.
Der beantragte Schutz gilt vor allem der Sicherung und genaueren Prüfung der noch vorhandenen Reste, die bald ausschließlich nur noch auf Privatgelände vorhanden sein werden und damit einer anderen Gefahr der Zerstörung unterliegen als es bei Eingriffen der öffentlichen Hand zu befürchten wäre.
Wir bitten daher um Wohlwollende Prüfung und Mitteilung zu welchem Ergebnis sie gekommen sind.

Info II: Landaus Unterwelt: Noch drei Samstags-Führungen im Oktober

Der Festungsbauverein Landau möchte auch im Herbst noch den vielen interessierten Bürgern und Gästen der Stadt Landau ermöglichen, die unterirdischen Gänge im Savoyenpark zu besichtigen und die historischen Hintergründe der Vaubanschen Bauwerke zu ergründen.

Bereits seit April sind die ehrenamtlichen Mitglieder und Helfer des “Baustellen-Teams Lunette 41″ im Festungsbauverein wieder fleißig mit den weiteren Grabungs- und Bauarbeiten zugange. Die aus der Vauban-Zeit original erhaltene Wendeltreppe in den Turm wurde inzwischen komplett freigelegt.
Noch bis in den Oktober hinein wird an der Lunette 41 weiter gearbeitet. Dazu werden noch freiwillige Helfer gesucht. Außerdem veranstaltet die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Festungsbauverein Landau Führungen.

Die Führungstermine, immer samstags unter der fachkundigen Führung Landauer Stadtführer und Vereinsmitglieder: 11. Oktober um 14 Uhr, 18. Oktober um 11 Uhr und 25. Oktober um 14 Uhr. Treffpunkt ist am Brunnen vor dem Französischen Tor auf dem Obertorplatz. Nach einer Einführung zur Festungsgeschichte folgt ein kurzer Spaziergang zum Savoyenpark und der Abstieg in die unterirdischen Gänge. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, die Ausgrabung der Lunette 41 zu besichtigen.

Festes Schuhwerk und unempfindliche Kleidung werden empfohlen. Die Führungen kosten 10 Euro pro Person, die Anmeldung erfolgt über das Büro für Tourismus, Tel. 06341- 138301, E-Mail touristinfo@landau.de.

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