
Foto: dts Nachrichtenagentur
Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, hat die Politik um Unterstützung dabei gebeten, Geflohene aus der Ukraine medizinisch zu versorgen.
„Wir werden die medizinische Versorgung der ukrainischen Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, sicherstellen. Die Hilfsbereitschaft der Krankenhäuser ist sehr groß“, sagte Gaß dem „Handelsblatt“. „Wir brauchen aber dringend die Unterstützung der Politik, um bürokratische Hindernisse aus dem Weg zu räumen und die Finanzierung der humanitären Hilfe sicherzustellen.“
So bräuchten die Hilfsleistungen des gesamten deutschen Gesundheitswesens einen rechtlichen und finanziellen Rahmen. Hier sei die Politik gefordert. „Dieser Prozess läuft im Moment und wir sind im engen Dialog mit der Bundesregierung.“
Der Krieg in der Ukraine bringe unermessliches Leid für die Menschen. „Selbst wenn die ukrainischen Krankenhäuser nicht direkt angegriffen und zerstört würden, wird deren Arbeit durch die zerstörte Infrastruktur im Umfeld nahezu unmöglich gemacht“, sagte Gaß. „Sollte es in den nächsten Tagen Evakuierungskorridore aus den umkämpften Regionen geben, müssen wir damit rechnen, dass die Patienten ganzer Krankenhäuser in umliegende Länder verlegt werden.“

Für die Verteilung der Patienten in Deutschland könne man Prozesse nutzen, die bereits in der Corona-Pandemie zur Verteilung von Patienten implementiert worden seien. Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sieht das Gesundheitswesen durch die Fluchtbewegung aus der Ukraine vor großen Herausforderungen. „Die medizinische Not der Flüchtenden aus der Ukraine wird auch das Gesundheitssystem in Deutschland kurzfristig deutlich fordern“, sagte Dahmen. „Neben der regulären medizinischen Versorgung für die Geflüchteten nehmen Krankenhäuser auch Patienten auf, die durch die zusammenbrechenden Strukturen in der Ukraine dort inzwischen nicht mehr weiter im Krankenhaus versorgt werden können.“
Dies stelle „viele Kliniken in Deutschland bisher vor große Herausforderungen, da weder die Kostenübernahme der zur Zeit noch in der Ukraine befindlichen Patienten, noch die systematische Verteilung auf die Bundesländer und einzelne Kliniken bisher geregelt ist.“ Bund und Länder sollten den Kliniken signalisieren, dass die Kosten für die Versorgung von Patienten aus der Ukraine übernommen werden.
Zudem forderte Dahmen: „Um ein einheitliches Lagebild zu erhalten und medizinische und humanitäre Hilfe gezielt zu steuern, halte ich einen Krisenstab der Bundesregierung zur Koordination der medizinischen und humanitären Hilfe für dringend erforderlich.“ Die Versorgung dürfe nicht von einigen wenigen Bundesländern wie Berlin und Brandenburg übernommen werde, wo zur Zeit die meisten Menschen in Deutschland eintreffen. (dts Nachrichtenagentur)
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