
Die Doku „Hiwwe wie Driwwe“ der beiden pfälzischen Filmemacher Benjamin Wagener und Christian Schega illustriert wie sich die pfälzische Kultur knapp 6.500 Kilometer entfernt von der Pfalz erhalten und entwickelt hat.
Quelle: red
Schlechte Ernten, das fehlende Recht, Land zu besitzen, aber auch politische Verfolgung waren vor rund 300 Jahren für viele Pfälzer Anlass, nach Nordamerika auszuwandern.
Die beiden pfälzischen Filmemacher Benjamin Wagener und Christian Schega folgten diesen Spuren und begaben sich für ihre Dokumentation auf eine Suche nach der pfälzischen Kultur und Sprache im US-Bundesstaat Pennsylvania.
Der rheinland-pfälzische Landtag präsentierte das filmische Ergebnis mit dem Titel „Hiwwe wie Driwwe – Pfälzisch in Amerika“ nun im Rahmen einer exklusiven Vorpremiere im gut gefüllten Interimsplenarsaal des Landtags Rheinland-Pfalz in der Steinhalle des Mainzer Landesmuseums.
Noch heute sprechen rund 500.000 Amerikaner ihre eigene Variante des pfälzischen Dialekts: das so genannte „Pennsylvania Dutch“.
Die Doku „Hiwwe wie Driwwe“ illustriert auf unterhaltsame Art und Weise wie sich die pfälzische Kultur knapp 6.500 Kilometer entfernt von der Pfalz erhalten und entwickelt hat.
Zusammen mit dem Protagonisten und YouTuber Douglas Madenford untersucht der Film kulturelle und linguistische Überbleibsel der Pfälzer Mundart auf der anderen Seite des großen Teiches.
So existieren auch heute noch zahlreiche Parallelen zwischen der „pennsylvanisch-dutchen“ und der pfälzischen Kultur. Das reicht von einer abgewandelten Form des Pfälzer Saumagens über den „Belznickel“, dem pennsylvanisch-dutchen Äquivalent des Weihnachtsmanns, bis hin zu Bier nach deutscher Brauart unter der Bezeichnung „Schnickelfritz“. Und „Grumbeere“ bleiben auch in Nordamerika „Grumbeere“.
Ähnliche Fluchtursachen damals wie heute
Landtagspräsident Hendrik Hering verwies in seiner Begrüßung auf die Parallelen in den Fluchtursachen der damaligen und heutigen Migrationsbewegungen.
Auch heute müssten Menschen aufgrund politischer Verfolgung und wirtschaftlicher Not in für sie fremde Länder fliehen, wo sie ähnliche Schwierigkeiten und Ängste erlebten wie einst unsere Vorfahren bei ihrer Auswanderung nach Amerika.
Es sei laut Hendrik Hering wichtig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass sich Geschichte in Teilen wiederhole und wir uns nie einer demokratisch regierten und wirtschaftlich prosperierenden Heimat sicher sein könnten.
„Es zeigt, dass wir alle aktiv und kontinuierlich daran arbeiten müssen, die demokratische Grundordnung in unserer Gesellschaft zu bewahren“, sagte Hendrik Hering. Darüber hinaus wolle der Landtag mit der Filmpräsentation auch das Bewusstsein um die vielfältige Kultur und um die Regionen unseres Landes mit ihren unterschiedlichen Dialekten stärken.
Der rheinland-pfälzische Kulturminister Professor Konrad Wolf ging in seinem Grußwort vertiefend auf die historischen Beweggründe der pfälzischen Auswanderungsbewegung ein. Der rheinhessische Publizist und Linguist Michael Werner erläuterte in seinem Impulsvortrag die Besonderheiten der kulturell-sprachlichen Entwicklungen des „Pfälzisch hiwwe“ und des „Pennsylvanisch-Deitsch driwwe“.
Der Film, der von der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur gefördert wurde, soll bis Ende dieses Jahres bei verschiedenen Film-Festivals präsentiert werden.
Für Anfang 2019 sind Vorführungen in Kinos im Pfälzer Sprachraum geplant.

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