Donnerstag, 30. Mai 2024

F.X. Scherrer in Indien: Eine Reise zu Pater Franklin und Projekten der Pilar Fathers

13. Dezember 2023 | Kategorie: Kreis Germersheim, Kultur

F.X. Scherrer und Sabine Müller mit Pater Franklin in Bhopal.
Foto: über F.X. Scherrer

Hagenbach / Bhopal – Franz Xaver Scherrer, genannt F.X., vielen noch bekannt als langjähriger Stadtbürgermeister von Hagenbach, ist schon lange ein engagierter Unterstützer von Pater Franklin und den Pilar Fathers in Indien.

Über die Jahre kamen viele Hilfsprojekte zustande, man besuchte sich gegenseitig und lernte sich gut kennen und schätzen. Nun ist Scherrer gemeinsam mit Sabine Müller aus Hasbergen bei Osnabrück wieder in Indien gewesen. Müller ist Schulleiterin der Domschule Osnabrück, die seit 40 Jahren für Pater Franklin sammelt. Aus dieser Verbindung entstand 2008 die Indienhilfe Deutschland e.V.

Foto: über F.X. Scherrer

Nach vier Jahren „Pause“ war es an der Zeit, Bhopal zu besuchen, um persönlich zu sehen, wie es Pater Franklin geht und ob die Kinderheime und Schulen effektiv funktionieren. 

Die ersten Eindrücke waren positiv: Fröhliche Kinder, deren Mittelpunkt Pater Franklin, die Priester und die Schwestern bildeten. Zahlreiche Gebäude der Hostels und Schulen waren während der Corona-Pandemie gestrichen und restauriert worden, da die meisten vor mehreren Jahrzehnten errichtet wurden. Alle Hostels, Kindergärten und Schulen liefen hervorragend. Pater Franklin selbst war wohlauf und immer noch im Mittelpunkt des Geschehens.

F.X Scherrer hat einen lebedigen Reisebericht verfasst, den wir aus Authetizitätsgründen im Wortlaut wiedergeben: 

„Die Pilar Father sind ein katholischer Orden, zu dem etwa 450 Priester gehören, mit Stammsitz in Goa. Der Orden arbeitet in vier Provinzen: Goa, Mumbai, Delhi und Kalkutta. Alle Projekte, zu denen wir als Indienhilfen Kontakt haben und die wir finanziell unterstützen, gehören zur Provinz Kalkutta und werden von dort aus zentral verwaltet. Die Priester selbst wechseln alle 3 bis 5 Jahre ihren Standort und auch ihren Arbeitsschwerpunkt. Für uns zunächst befremdlich, doch der große Vorteil dieser Wechsel besteht darin, dass sich alle an allen Standorten auskennen und sehr transparent arbeiten können.

Unsere erste Station war Bhopal, das Zuhause von Pater Franklin und ca. 1000 Kindern. Nach neun Stunden Flug bis Mumbai, fünf Stunden Wartezeit am Flughafen, zwei Stunden Weiterflug nach Bhopal freuten wir uns, von Franklin und Father Agnel am Flughafen abgeholt zu werden.

Herzlich wurden wir begrüßt bei den Pilar Fathers und fühlten uns sofort wieder wie zu Hause. Ausruhen, erfrischen, essen – und schon ging es los nach Berkheda.

Berkheda ist die erste Station für die Kinder, die bei Pater Franklin jedes Jahr im April aufgenommen werden. Etwa 80 bis 100 Jungen und Mädchen wohnen hier und lernen von den Schwestern alles, was sie für den Alltag brauchen: Da sie aus den Slums kommen, kennen sie keine Regeln der Hygiene und des Zusammenlebens. All das lernen sie hier und erfahren schnell ein Gefühl der Sicherheit, Verlässlichkeit und des Angenommenseins.

Alle schlafen gemeinsam in einem großen Raum auf dem Fußboden. In diesem blitzsauberen Raum essen und lernen sie, natürlich geschieht alles auf dem Fußboden sitzend. Jedes der Kinder besitzt einen Koffer mit den persönlichen Habseligkeiten wie Kleidung, Teller und Becher und einigen Kleinigkeiten. Der Koffer wird mit einem Schlüssel verschlossen, den jedes Kind wie einen Schatz um den Hals trägt. Mit viel Spaß und leuchtenden Augen begeisterten uns diese Kinder mit Tänzen, Liedern und Gedichten. Pater Franklin ist natürlich ihr Held. „Die Kinder sind unser Himmel“, so Franklin. Man sieht diese Liebe und alle versuchen, Franklin nahe zu sein.

Foto: über F.X. Scherrer

Wenn man bedenkt, dass diese Kinder eigentlich in größter Armut leben würden, weil sie aus den Elendsvierteln kommen, erkennt man, was für eine Chance auf eine unbeschwerte Kindheit diese Kinder hier erfahren.

Nach dem ersten Jahr ziehen die Kinder um in das Tribal Hostel, eine Art Vorschule für die Jungen und Mädchen. Hier kümmern sich Schwester Jassinta und ihre Mitarbeiterinnen liebevoll um die Kinder. Natürlich ziehen auch die Koffer mit um.

Hier lernen die Kinder die Grundlagen des Lernens und werden auf die Schule vorbereitet. Das Tribal Hostel ist umgeben von Mango- und Litschibäumen, Weizen- und Gemüsefeldern. Auch Hirse und ein bisschen Reis werden angebaut. Der Weizen reicht aus für die Versorgung der 1000 Kinder in allen Hostels, Reis muss zugekauft werden, weil er nicht gut gedeiht. Auch andere Gemüse und Früchte werden angebaut.

Father Joaqiun ist verantwortlich für die Landwirtschaft und sorgt dafür, dass alle satt werden. Auch Tiere gibt es rund um das Tribal Hostel: Schweine, Gänse, Enten, Hasen, Puten – alles für die Versorgung der Kinder. Hinter dem Tribal Hostel steht der Büffelstall, finanziert durch die Indienhilfe. Jedes Kind bekommt morgens ein Glas frische Milch, der Rest der Milch kann verkauft werden. Hin und wieder wird auch ein Kälbchen verkauft, sodass etwas Geld zur Verfügung steht, um Reis oder andere notwendige Dinge zu bezahlen.

Mit dem Gas aus der Biogasanlage werden die Kochstellen geheizt. Übrigens: zwei Wärter schlafen im Büffelstall, damit den Tieren auch nachts nichts geschieht und sie nicht gestohlen werden. Deutlich wird: Selbstversorgung und Hilfe zur Selbsthilfe sind wichtige Themen.

Tanzen, singen, leuchtende Augen, natürlich auch altersgerechte Mitarbeit im Garten und bei den Tieren – so werden die Kinder erzogen, helfen bei der Arbeit und lernen dabei alltagspraktische Fertigkeiten.

Wenn die Kinder alt genug sind, ziehen die Mädchen um in das Mädchen Hostel Nishkalanka und die Jungen nach Bal Bahwan, in das Jungenhostel. Gleichzeitig beginnen sie ihre Schulausbildung in der großen Schule, die Pater Franklin gegründet hat, Prakash Vidyalaya. In dieser Schule können die Kinder bis zum Abschluss nach Klasse 12 lernen. Etwa 1200 Kinder, also auch Kinder aus den nahen Dörfern, besuchen diese Schule.

Der anspruchsvolle Tagesablauf in beiden Hostels, für Jungen und Mädchen getrennt, sieht folgendermaßen aus:

05.30 Uhr           Aufstehen, waschen, anziehen, frühstücken

08.00 – 13.00   Schule

13.30 Uhr           Mittagessen

14.00 – 15.30   Wechselnde Dienste: Haus- und Gartenarbeit für die Kinder, Wäsche waschen….

15.30 – 17.00   Zeit zum Spielen, Freizeit

17.00 – 19.00   Beaufsichtigte Hausaufgaben- und Lernzeit

19.00 Uhr           Abendessen

19.30 – 21.00   Beaufsichtigte Hausaufgaben- und Lernzeit

21.30 Uhr           Nachtruhe

Die Schulen bei den Pilar Fathers haben ein deutlich höheres Niveau als die staatlichen Schulen und die Kinder gewinnen viele öffentliche Wettbewerbe. Nach der Schulausbildung finden viele Kinder Ausbildungsstellen oder setzen ihren Weg sogar an einem College fort. Ohne Pater Franklins Projekt undenkbar für diese Kinder.

Wenn wir die Hostels besuchen, führen die Kinder Tänze und Lieder vor, die sie sich selbst ausdenken und einüben. Und immer wieder wird für uns gebetet und bei allen Begegnungen wird deutlich, dass Pater Franklin für diese Kinder Vater, Mutter und ein Zuhause ist. Und immer wieder muss man sich bewusst machen, dass diese fröhlichen Kinder keine Chance hätten und in größter Armut leben würden, wenn sie nicht hier sein könnten. Die Hostels und die Schulen sind „Lichtinseln“ für die Kinder und ermöglichen Zukunftsaussichten – Bildung gegen Armut.

Ein weiteres Projekt, das von Pater Franklin in Zusammenarbeit mit der Indienhilfe Deutschland ins Leben gerufen wurde, ist die Nähschule für Frauen und Mädchen. In einem zehnmonatigen Kurs lernen die Teilnehmerinnen das Nähen.

Foto: über F.X. Scherrer

Während der Ausbildung nähen sie auch die Schuluniformen der Kinder. Am Ende der Ausbildung absolvieren die Frauen eine Prüfung und erhalten ein Zertifikat und – und das ist entscheidend – als Geschenk eine neue mechanische Nähmaschine – der Beginn in eine finanziell unabhängige Zukunft. Diese Zertifikate durften wir überreichen und miterleben, mit wie viel Freude und großer Dankbarkeit dieses Examen gefeiert wird. Seit vielen Jahren gibt es dieses wunderbare Projekt, das so viel Perspektive und Hoffnung gibt.

Auch ein Besuch in der Lepra-Kolonie stand auf unserem Programm. Im Laufe unserer Besuche haben wir einige der Bewohner kennengelernt. Sie, die eigentlich auf dem „Müllhaufen der Gesellschaft“ ausgestoßen wären, zeigen ihre uns beschämende Dankbarkeit, indem sie für uns tanzen und Dankesreden halten und für uns beten.

Foto: über F.X. Scherrer

Allen ist bewusst, dass sie ohne Franklins Lepra-Kolonie und die Unterstützung der Indienhilfen verloren wären. Besonders schön ist es zu erfahren, dass die Kinder dieser Kranken inzwischen nach ihrer Schulausbildung in Franklins Schule Krankenschwestern, Ärzte und Lehrer geworden sind. Ohne Father Franklins Bildungsprojekte unmöglich.

Immer wieder gehen die Pilar Fathers zu den Ärmsten der Armen und geben ihnen Hoffnung und Perspektive. Ihr selbstloser Einsatz und die Kreativität, mit einfachen Mitteln zu helfen, machen vieles möglich.

Foto: über F.X. Scherrer

Von Bhopal aus sind Sabine Müller und ich nach Ranchi geflogen. Hier geht es um Hilfe für die Landbevölkerung, die unter einfachsten Bedingungen lebt. Das Prinzip ist ähnlich wie in Bhopal: Eine christliche Gemeinde und caritative, diakonische Arbeit in den Orten – übrigens wird unabhängig von der Religion der Menschen geholfen – und die Gründung von Schulen, damit es für die Kinder einen Ausweg aus der Armut gibt. Dabei wird inzwischen ein sozial verträgliches Schulgeld erhoben, um so einen Beitrag zur Finanzierung der Projekte zu schaffen.

In Agharma haben wir Pater Lino besucht, der dort ein solches Gemeindezentrum leitet. Father Attley, der uns derzeit in Deutschland besucht hat, arbeitet in Ranchi als Finanzchef. Hier gerade auf dem Land alle Stationen mit Geldern zu versorgen, damit die Arbeit geleistet werden kann, ist eine große Herausforderung. Zum Glück sind alle Pilar Fathers miteinander vernetzt und helfen sich in Notlagen aus, was gleichzeitig bedeutet, dass es schwer für alle wird, wenn irgendwo eine Finanzlücke entsteht. Eine große Aufgabe für die Zentrale in Kalkutta, von der aus alles gesteuert wird, …und auch für uns als Spender.

Foto: über F.X. Scherrer

In Kalkutta, unserem nächsten Ziel, haben wir das Projekt „One meal a day“ besucht und daran teilgenommen. Jeden Tag eine warme Mahlzeit für 250 bis 300 Frauen, Männer und auch Kinder, die auf der Straße leben und absolut nichts besitzen. Eine Armut, die wir uns so krass und so offensichtlich in Deutschland gar nicht vorstellen können und die für uns schwer zu ertragen war. Dieses Essen – ein Teller voll Reis, Dal, manchmal etwas Obst oder Fleisch – und die damit verbundene Begegnung gibt diesen Menschen für einen Moment Würde und Zuwendung. Im Jahr 2007 hat Pater Franklin dieses Projekt begonnen. Seitdem findet die Essensverteilung an jedem Tag statt – großartig und eine Lebensaufgabe.

In Kalkutta besuchten wir außerdem die Schule „Stella Maris“, an der Father Kishore, der ebenfalls jetzt bei uns in Deutschland war, derzeit Schulleiter ist. Das Besondere: morgens wird die Schule von Kindern besucht, für die Schulgeld gezahlt wird, nachmittags werden die dann leerstehenden Räume genutzt für Kinder aus den Slums im Hafengebiet, die kein Schulgeld zahlen können. Eine großartige Symbiose, die Zukunftsaussichten für die Kinder der Ärmsten ermöglicht. Wieder einmal ein typisches Beispiel für die Arbeit der Pilar Fathers.

Immer wieder haben Sabine Müller und ich festgestellt: es ist die großartige Arbeit der Menschen vor Ort – gepaart mit unserem Geld. Beides gehört zusammen und das Eine ohne das andere ist nicht möglich. Eine große Aufgabe und Verantwortung für uns.

Zum Abschluss unserer Reise sind wir nach Goa, dem Hauptsitz und Mutterhaus der Pilar Fathers geflogen. Hier hatten wir die großartige Möglichkeit, Father Nazareth, den General Superior aller Pilar Father, zu treffen und mit ihm über die Perspektiven für Bhopal und alle Projekte zu sprechen. Außerdem gab es ein Treffen mit dem zentralen Finanzchef der Provinz Kalkutta, der alle von uns unterstützten Projekte verwaltet. In beiden Gesprächen wurde deutlich, wie vernetzt alle Pilar Father in der Provinz zusammenarbeiten, dass selbst, wenn Father Franklin ausfiele, alles weiterliefe, weil schon längst die jüngeren Priester die Entscheidungen in Abstimmung mit der zentralen Verwaltung treffen, dass Father Franklin aber trotzdem für die Kinder und für uns Spender nach wie vor so wichtig ist. Für sein Lebenswerk gehört ihm so viel Dankbarkeit.  

Beeindruckt von der großen Gastfreundschaft, den vielfältigen Eindrücken und der offenen Gesprächsbereitschaft traten wir am 28.10.2023 unseren Heimflug an. Zu sehen, dass alles strukturiert, professionell und einfach gut läuft in den Projekten der Pilar Fathers, aber auch wahrzunehmen, welch große Verantwortung wir Spenderinnen und Spender in Deutschland für die Zukunft der Projekte haben und dass es ohne unsere Hilfe nicht geht, ist die große Erkenntnis unserer Reise und motiviert uns, weiterzumachen und von Herzen um Ihre und eure Unterstützung zu bitten.“

Spendenkonto Indienhilfe „Pater Franklin e.V“

IBAN:  DE37 5489 1300 0000 7370 03

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