Montag 12.Oktober 2026

Einheitsbuddeln in Kandel: Ein Amberbaum mit besonderer Botschaft

5. Oktober 2026 | Kategorie: Kreis Germersheim, Regional

Bürgermeister Mike Schönlaub (li). und Stadtbürgermeister Michael Gaudier.
Foto: v. privat

Kandel – Ein neuer Amberbaum auf dem Spielplatz im Neubaugebiet K2 soll künftig nicht nur Schatten spenden, sondern auch an Zusammenhalt und Demokratie erinnern.

Beim traditionellen „Einheitsbuddeln“ am Samstag, 3. Oktober 2026, gossen Stadtbürgermeister Michael Gaudier, Verbandsgemeindebürgermeister Mike Schönlaub und die Beigeordneten Jürgen Bauer (Stadt) und Hans Hruschka (Stadt), Josef Vollmer (Erster Beigeordneter Verbandsgemeinde) und Niklas Hogrefe (Beigeordneter Verbandsgemeinde) den bereits gepflanzten Baum gemeinsam an.

Zahlreiche Besucher waren zu der Veranstaltung gekommen, darunter viele Kinder. Die Stadtkapelle begleitete das Einheitsbuddeln musikalisch, der Bauhof hatte die Aktion vorbereitet.

Foto: v. privat

Gaudier: „Wir stehen zu Freiheit, zu Demokratie“

Gaudier verband den Tag der Deutschen Einheit mit einer nachdenklichen politischen Rede. Noch wenige Tage zuvor habe er eine eher feierliche Ansprache vorbereitet. Die politischen Entwicklungen der vergangenen Tage und Stunden hätten es ihm jedoch schwer gemacht, einfach zur Tagesordnung überzugehen.

Er erinnerte an die DDR als Unrechtsstaat, den Mauerfall und die Wiedervereinigung 1990. Noch wenige Monate vor dem Fall der Mauer seien Menschen an der innerdeutschen Grenze erschossen worden.

Foto: v. privat

Auch aktuelle politische Entwicklungen bereiteten ihm Sorgen. Gaudier sprach über politische Kräfte an den Rändern und machte deutlich, wo er Kandel verortet: „Wir verkörpern hier in Kandel die Mitte. Wir stehen zu Freiheit, zu Demokratie.“

Dabei erinnerte der Stadtbürgermeister auch an die Demonstrationen und politischen Auseinandersetzungen, die Kandel in der Vergangenheit bundesweit in die Schlagzeilen gebracht hatten. Rechte und linke Gruppierungen hätten versucht, die Stadt „als ihren Spielplatz zu missbrauchen“. Die Kandeler Bürger hätten dies nicht zugelassen. Gaudier dankte in diesem Zusammenhang Schönlaub für die damalige Zusammenarbeit.

Baum mit Blick zum Hambacher Schloss

Eine besondere Bedeutung gab Gaudier dem Standort des neuen Baums. Wenn der Amberbaum größer werde, werde er Sichtverbindung zum Hambacher Schloss haben. Mit dem Hambacher Fest von 1832 stehe die Region für eine wichtige Station auf dem Weg zur Demokratie in Deutschland.

Gaudier erinnerte außerdem an die Lichtinstallation „Denk mal Kandel neu“ an der Georgskirche. An drei Abenden hatten die Projektionen zahlreiche Besucher auf den Marktplatz gezogen. Dabei waren auch Artikel des Grundgesetzes in Wort und Bild aufgegriffen worden.

Der neue Baum stehe mit seinen starken Wurzeln ebenfalls symbolisch für die Verbundenheit mit der Demokratie. Gleichzeitig erfüllt er einen ganz praktischen Zweck: Auf dem Spielplatz soll er künftig Schatten spenden.

Idee entstand zum Stadtjubiläum

Schönlaub erzählte anschließend die Geschichte des Amberbaums. Anlässlich des Stadtjubiläums hätten die beiden Bürgermeister über ein Geschenk nachgedacht, das nicht nur für den Moment bleibe. Die Idee für einen Baum sei von Gabriele Dries-Wüst, Schönlaubs ehemaliger Vorzimmerdame, gekommen.

Foto: v. privat

Den passenden Standort lieferte schließlich ein weiterer Hinweis: Auf dem Spielplatz könne zusätzlicher Schatten nicht schaden. Damit ließ sich die symbolische Bedeutung des Baums mit einem praktischen Nutzen verbinden.

Der ursprünglich aus Nordamerika stammende Amberbaum ist für seine intensive Herbstfärbung bekannt. Seine Blätter leuchten dann in kräftigen Gelb-, Orange- und Rottönen.

Für Schönlaub passt der Baum zum Gedanken des Einheitsbuddelns. Er schlage Wurzeln, wachse über viele Jahre und bleibe für kommende Generationen bestehen. Der Tag der Deutschen Einheit stehe für Zusammenhalt, Gemeinschaft und gemeinsames Gestalten.

„Gemeinsam eine Idee entwickeln, gemeinsam etwas für unsere Stadt schaffen und etwas hinterlassen, von dem andere noch viele Jahre etwas haben“, beschrieb Schönlaub die Verbindung zwischen Baum und Einheitsbuddeln.

Zum Abschluss griffen die politischen Vertreter nicht zur Schaufel, denn gepflanzt war der Amberbaum bereits, sondern zur Gießkanne. Gemeinsam gossen sie den neuen Baum an. Er soll nun gut anwachsen, viele Jahrzehnte auf dem Spielplatz stehen und mit zunehmender Größe vor allem den spielenden Kindern Schatten spenden.

 

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