Montag 12.Oktober 2026

Drei Jahre nach dem Hamas-Terror: Schnieder und Fuhr mahnen – „Jüdisches Leben muss ohne Angst möglich sein“

7. Oktober 2026 | Kategorie: Regional, Regional, Rheinland-Pfalz

Jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz: Synagoge in Speyer.
Archivfoto: Pfalz-Express/Ahme

RLP. Zum dritten Jahrestag des terroristischen Angriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 äußern sich Ministerpräsident Gordon Schnieder und die Beauftragte des Ministerpräsidenten für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen, Monika Fuhr.

Der Hintergrund: Am 7. Oktober 2023 startete die Hamas von der Gaza-Straße aus einen koordinierten Angriff auf Israel mit Raketenbeschuss sowie dem Eindringen von bewaffneten Kämpfern über Land, Luft und See.

Nach Angaben israelischer Behörden und internationaler Quellen kamen dabei rund 1.200 Menschen ums Leben, darunter überwiegend Zivilisten. Mehr als 240 Personen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Der Angriff gilt als einer der schwersten Terrorakte in der Geschichte Israels und löste einen anhaltenden Krieg in der Region aus.In Deutschland kam es im Anschluss an den Angriff zu einem deutlichen Anstieg antisemitischer Vorfälle. Der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) dokumentierte in den Monaten und Jahren danach Tausende Fälle, darunter zahlreiche Versammlungen mit antisemitischen Inhalten.

Zwischen dem 7. Oktober 2023 und Ende 2024 wurden bei über 2.200 Demonstrationen und Kundgebungen antisemitische Äußerungen, Parolen oder Symbole erfasst – rechnerisch etwa fünf solche Versammlungen pro Tag.

Viele dieser Pro-Palästina-Demonstrationen fanden in Städten mit größeren arabisch- und muslimischstämmigen Communities statt. Dabei traten wiederholt israelbezogener Antisemitismus, die Verherrlichung von Terror oder Aufrufe zur Vernichtung Israels auf.

Auch Vorfälle mit islamischem oder islamistischem Hintergrund nahmen nach dem 7. Oktober stark zu. RIAS erfasste zwischen 2019 und 2025 insgesamt 564 antisemitische Vorfälle in diesem Kontext; rund 80 Prozent davon ereigneten sich nach dem 7. Oktober 2023.

Der Anteil gewalttätiger Vorfälle (Bedrohungen, Angriffe, extreme Gewalt) lag in dieser Gruppe deutlich höher als im Durchschnitt aller dokumentierten Fälle. Zu den bekannten Vorfällen zählen unter anderem Feiern des Hamas-Angriffs mit Süßigkeitenverteilungen in Berlin-Neukölln (Sonnenallee) am 7. Oktober 2023, Brandsätze und Angriffe auf Synagogen und jüdische Einrichtungen, Beleidigungen und körperliche Übergriffe auf Menschen mit Kippa sowie Schmierereien mit Davidsternen an Wohnhäusern jüdischer Familien.

Polizeilich erfasste antisemitische Straftaten erreichten in den Folgejahren neue Höchststände, wobei ein relevanter Anteil dem Phänomenbereich „ausländische Ideologie“ und religiös motivierter Kriminalität im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt zugeordnet wurde.

Ministerpräsident Gordon Schnieder:

„Der 7. Oktober 2023 bleibt ein Tag des Terrors und der Trauer. Wir gedenken der Menschen, die bei dem terroristischen und barbarischen Angriff der Hamas auf Israel ermordet, verletzt und verschleppt wurden, und ihrer Angehörigen.

Die vergangenen drei Jahre haben tiefen Schmerz, Verlust und Misstrauen hinterlassen. Umso wichtiger bleibt die Hoffnung auf eine Zukunft, in der die Menschen in der Region in Sicherheit und Frieden leben können.

Unser Auftrag in Rheinland-Pfalz ist klar: Juden müssen hier sicher, frei und selbstverständlich leben können. Antisemitismus in all seinen Formen treten wir entschlossen entgegen. Das Existenzrecht Israels ist unverhandelbar.

Mit unserem Landeskonzept ‚Gemeinsam handeln für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus‘ stärken wir jüdisches Leben und setzen konkrete Maßnahmen für seinen Schutz und gegen Antisemitismus um. Zugleich setzen wir auf Begegnung und Verständigung. Seit mehr als 30 Jahren unterstützt Rheinland-Pfalz die jüdisch-arabische Bildungs- und Begegnungsstätte Givat Haviva in Israel.

Nach Jahren von Gewalt und tiefen Verletzungen braucht es Orte, an denen Menschen miteinander im Gespräch bleiben. Diese Verbindungen wollen wir erhalten und weiter stärken.“

Die Beauftragte Monika Fuhr betont, dass das Gedenken an den 7. Oktober 2023 nicht aufhören dürfe.

Seither habe sich der Alltag vieler Jüdinnen und Juden auch in Rheinland-Pfalz verändert. In Gesprächen berichte sie von Verunsicherung und antisemitischen Anfeindungen. Es sei inakzeptabel, dass Betroffene abwägen müssten, wann und wo sie ihre jüdische Identität offen zeigen könnten.

Jüdisches Leben müsse in Rheinland-Pfalz sichtbar und ohne Angst möglich sein. Antisemitismus sei in jeder Form entschieden entgegenzutreten.

Kundgebung am 7. Oktober

Am 7. Oktober 2026 findet um 17.00 Uhr auf dem Hauptmarkt in Trier eine Kundgebung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft statt.

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