Sonntag 11.Oktober 2026

Dr. Karl-Heinz Wiesemann verabschiedet: „18 Jahre lang durfte ich hier für Sie Bischof sein“

14. September 2026 | Kategorie: Kaiserslautern, Kreis Bad Dürkheim, Kreis Germersheim, Kreis Südliche Weinstraße, Landau, Ludwigshafen, Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer, Regional, Rhein-Pfalz-Kreis, Südwestpfalz und Westpfalz

Standing Ovations für Bischof em. Dr. Karl-Heinz Wiesemann.
Foto © Klaus Landry

Speyer – Rund 1.200 Gläubige haben am Sonntag im vollbesetzten Speyerer Dom Abschied von Bischof em. Dr. Karl-Heinz Wiesemann genommen. 18 Jahre lang stand er an der Spitze des Bistums. Unter den Gästen waren zahlreiche Bischöfe aus ganz Deutschland, darunter der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer.

„Wenn ich in Ihre vielen Gesichter schaue, dann wird’s mir auch schon ein wenig wehmütig ums Herz“, sagte Wiesemann zu Beginn des Gottesdienstes. 18 Jahre lang habe er hier Bischof sein und mit den Menschen Christ in dieser Welt sein dürfen.

Missbrauchsaufarbeitung als prägende Erfahrung

Einen großen Teil seiner Amtszeit habe die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs geprägt. Die Gespräche mit Betroffenen seien für ihn eine Erfahrung von „abgründiger Ohnmacht und beschämender Entmachtung“ gewesen. Zugleich habe er dabei viel darüber gelernt, was Seelsorge und kirchlicher Dienst bedeuten.

In seiner Predigt sprach Wiesemann außerdem über gesellschaftliche Veränderungen und warnte vor Rechtspopulismus, Spalterei und Rechtsextremismus. Gerade in unsicheren Zeiten dürfe man sich nicht in eine idealisierte Vergangenheit zurückziehen.

Foto © Klaus Landry

Lob für Haltung und Offenheit

Auch in den weiteren Grußworten wurde Wiesemann als menschlicher, glaubwürdiger und gesellschaftlich engagierter Bischof gewürdigt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, sagte: „Dein Humor und Deine Theologie werden uns fehlen.“

Die evangelische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst würdigte Wiesemanns Aufrichtigkeit, seine Zugewandtheit zu den Menschen und sein Engagement für die Ökumene und eine zukunftsfähige Kirche.

Auch Speyers Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler sprach über Wiesemanns Engagement über die Kirche hinaus. Er habe sich zu Menschenwürde, Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt geäußert und dabei Haltung gezeigt. In den vergangenen 18 Jahren sei er „zu jemand geworden, der zu unserer Stadt dazu gehört“.

Weitere Worte sprachen Jürgen Barke, stellvertretender Ministerpräsident des Saarlandes, Kathrin Anklam-Trapp, Staatssekretärin der rheinland-pfälzischen Landesregierung, sowie Theo Wieder und Dr. Isabelle Faul, die Vorsitzenden der Diözesanversammlung im Bistum Speyer. Barke fasste seine Würdigung mit den Worten zusammen: „Sie haben unserem Land gutgetan.“

„Weite leben“ und 1000 Jahre Speyerer Dom

Diözesanadministrator Markus Magin schlug in seinen Abschiedsworten den Bogen zum Jahr 2030. Dann feiert der Speyerer Dom sein 1000-jähriges Jubiläum. Das Motto des Jubiläums lautet „Weite leben“ und passe, so Magin, nicht nur zum Dom, sondern auch zu Wiesemann und seiner Art, sein Amt als Bischof zu verstehen.

Wiesemann habe immer wieder für eine Kirche geworben, die sich nicht abschotte, sondern offen auf Menschen und gesellschaftliche Fragen zugehe. Gerade beim Blick auf die Zukunft der Kirche habe er Strukturen hinterfragt und auch sich selbst immer wieder kritisch betrachtet.

Zum Abschied überreichte Magin Wiesemann eine Kopie eines Kreuzbildes aus der 2015 neu gestalteten bischöflichen Hauskapelle. „Das Bistum Speyer ist und bleibt für Sie ein Stück Heimat“, sagte Magin.

 

Diözesanadministrator Markus Magin (rechts) überreicht das Abschiedsgeschenk des Bistums an Karl-Heinz Wiesemann.
© Klaus Landry

 

Wiesemann und ev. Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst
© Klaus Landry

 

Karl-Heinz Wiesemann (links) zusammen mit Priestern aus dem Bistumsgebiet und Bischöfen aus ganz Deutschland.
© Klaus Landry

 

Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes übernahmen der KathedralJugendChor, der Domchor und die Dombläser.
© Klaus Landry

 

Gottesdienst im voll besetzten Dom
© Klaus Landry

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