Montag 12.Oktober 2026

Bitcoin und Co.: Deutsche bleiben skeptisch

1. Oktober 2025 | Kategorie: Finanzen, Ratgeber

Quelle: MartinMoellerOfficial bei pixabay.com

Die Kryptowährung Bitcoin erreicht zwar regelmäßig neue Rekorde und gewinnt auf den internationalen Finanzmärkten zunehmend institutionelle Unterstützung, dennoch bleibt man in Deutschland zurückhaltend, wenn es um ein Investment geht.

Eine aktuelle repräsentative Studie des Vergleichsportals Verivox, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut Innofact, verdeutlicht diese Zurückhaltung: Mehr als die Hälfte der Befragten lehnt den Bitcoin nämlich kategorisch ab.

Die Mehrheit bleibt zurückhaltend

57 Prozent der 1.013 Befragten schließen ein Engagement in Bitcoin für sich aus – sowohl heute als auch in Zukunft. Nur rund 9 Prozent gaben an, bereits investiert zu haben. Etwa ein Viertel der Umfrageteilnehmer signalisiert hingegen eine gewisse Offenheit und kann sich durchaus vorstellen, künftig in Bitcoin einzusteigen, auch wenn bislang noch kein Investment erfolgt ist.

Für die weit verbreitete Skepsis geben die Experten den Einstiegshürden den Grund. Lange Zeit mussten Interessierte nämlich erst einmal nach den besten Bitcoin Wallets suchen und die dann einrichten oder bei kryptospezifischen Plattformen Konten eröffnen. „Der Zugang war für viele Anleger zu kompliziert“, erläutert Oliver Maier, der Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Inzwischen eröffnen jedoch neue Anlageformen wie Krypto ETFs eine einfachere Möglichkeit, über reguläre Wertpapierdepots an der Wertentwicklung von Bitcoin teilhaben zu können.

 Unterschiede nach Geschlecht und Alter

Die Ergebnisse zeigen auch deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Während fast zwei Drittel der Frauen ein Investment in Bitcoin ablehnen, liegt die Quote bei den Männern niedriger. Auch beim Alter zeichnen sich ganz klare Trends ab: Unter den 60- bis 69-Jährigen lehnen 77 Prozent ein Engagement ab, bei den 70- bis 79-Jährigen sind es sogar 89 Prozent.

Ganz anders sehen die Zahlen aus, wenn man sich die Ergebnisse der jüngeren Befragten ansieht: Nur 29 Prozent der 18- bis 29-Jährigen zeigen grundsätzlich kein Interesse an einem Investment. In dieser Altersgruppe hat aber bereits fast jeder Sechste Bitcoin gekauft. Zusammen mit den 30- bis 39-Jährigen stellen sie damit die Bevölkerungsgruppen mit der größten Investitionsbereitschaft. Das Ergebnis spiegelt also auch die größere Affinität jüngerer Menschen zu digitalen Technologien wider.

Auch Bildung und Beruf sind entscheidende Faktoren

Neben dem Alter und dem Geschlecht spielen auch Bildung und Beschäftigungsstatus eine Rolle. Befragte mit Hochschulabschluss investieren deutlich häufiger in Bitcoin als Personen, die einen niedrigeren Bildungsgrad haben. Während rund 12 Prozent der Akademiker bereits investiert haben, liegt dieser Anteil bei Menschen mit Volks- oder Hauptschulabschluss bei gerade einmal 5 Prozent. Gleichzeitig geben fast 70 Prozent dieser Gruppe an, dass sie ein Investment kategorisch ausschließen würden.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Berufstätigkeit. Erwerbstätige, ganz egal, ob in Voll- oder Teilzeit, zeigen mit 13 Prozent eine höhere Bereitschaft zu investieren als Nicht-Erwerbstätige, die nur auf 8,3 Prozent kommen. Dieser Unterschied dürfte aber auch mit den finanziellen Spielräumen begründet sein.

Unsicherheit über die Zukunft von Bitcoin

Die Befragung beleuchtete außerdem die Erwartungen an die künftige Rolle von Bitcoin im Finanzsystem. Hier ist man sich übrigens uneinig: 33 Prozent der Befragten rechnen mit einer wachsenden Bedeutung, 34 Prozent halten das für eher unwahrscheinlich. Ein weiteres Drittel ist unentschlossen.

Interessant ist vor allem die enge Verbindung zwischen der Einschätzung der Zukunft von Bitcoin und der Bereitschaft, zu investieren. Anleger, die bereits investiert sind, zeigen sich überwiegend optimistisch: 76 Prozent von ihnen gehen davon aus, dass der Bitcoin an Bedeutung zulegen wird. Bei denjenigen, die sich strikt gegen ein Investment entschieden haben, liegt dieser Anteil lediglich bei 13 Prozent. Bemerkenswert ist, dass knapp 10 Prozent der aktuellen Bitcoin Investoren nicht an eine langfristige Rolle im Finanzsystem glauben, was auf eher kurzfristig orientierte Strategien hindeutet.

Bitcoin polarisiert weiterhin

Die Ergebnisse der Umfrage machen deutlich, dass Bitcoin in Deutschland weiterhin stark polarisiert. Während eine kleine, aber immer größer werdende Gruppe Chancen in der Kryptowährung sieht, überwiegt hingegen doch mehrheitlich die Skepsis. Auffällig ist, dass vor allem jüngere Menschen eine größere Offenheit mitbringen, was sodann mittelfristig zu einer steigenden gesellschaftlichen Akzeptanz führen könnte.

Ob der Bitcoin tatsächlich zu einem festen Bestandteil des globalen Finanzsystems wird, ist nach wie vor offen. Doch die zunehmende Aufmerksamkeit auf internationaler Ebene, auch durch politische Entscheidungsträger, deutet darauf hin, dass die Kryptowährung Schritt für Schritt mehr Einfluss gewinnt.

Die Studie zeigt aber auch, dass die Kryptowährung in Deutschland noch einen langen Weg vor sich haben wird, um sich als breit akzeptierte Anlageform etablieren zu können. Traditionell sind die Deutschen im Umgang mit neuen Finanztechnologien vorsichtig. Schon Kreditkarten, Online Zahlungsdienste wie PayPal oder auch Aktieninvestments wurden hierzulande anfangs kritisch betrachtet und erst später von größeren Teilen der Bevölkerung übernommen.

Die Hoffnung liegt daher bei den jüngeren Generationen. Wenn es ihnen gelingt, die traditionelle Skepsis zu überwinden, dann könnte Bitcoin langfristig auch in Deutschland stärker Fuß fassen. Bis dahin bleibt die digitale Währung ein Thema, das zwischen Faszination und Misstrauen schwankt.

 

Gefällt Ihnen unsere Zeitung?

Fügen Sie den Pfalz-Express als bevorzugte Quelle bei Google hinzu. So verpassen Sie keine wichtigen Nachrichten aus der Region.

⭐ Bei Google als bevorzugte Quelle hinzufügen
Zur Startseite

Abonnieren Sie auch unseren Pfalz-Express-Kanal bei YouTube

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Kommentare sind geschlossen