
Den ganzen Tag strömten die Besucher zum ältesten Landauer Haus, um es, in Teilen zumindest, besichtigen zu können.
Foto: Pfalz-Express
Landau. Trotz der heißen Temperaturen kamen am Wochenende ungewöhnlich viele Interessierte in den Hof Marktstraße 92/94 in Landau, wo das Haus zum Maulbeerbaum steht.
Ilona Breiner, Dr. Karl-Heinz Rothenberger und Dr. Peter Burkhart wechselten sich in bei den Führungen und Vorträgen zur langen und wechselvollen Geschichte des Hauses ab und konnten zeitweise den Ansturm der Besucher kaum bewältigen.
Die Genossenschaft Haus zum Maulbeerbaum, die das Gebäude sanieren und betreiben möchte, konnte neue Mitglieder werben und Spenden sammeln.
„Einhellige Meinung der Besucher war, dass das Haus zum Maulbeerbaum trotz seines schlechten Zustandes in jedem Fall erhalten werden muss“, berichtet Dr. Michael Zumpe, Beisitzer des Vereins „Freunde des Hauses zum Maulbeerbaum“ und zusammen mit Sonja Behrens, Vorstand, der die Geschäfte der Genossenschaft führt.
Den Erhalt historischer Bausubstanz haben Landauer Bürger schon oft unterstützt, so zum Beispiel das Frank Loebsche Haus, das Alte Kaufhaus oder die Jugendstil-Festhalle. Warum also nicht auch dieses Landauer Kleinod, in dem Ritter wie Franz von Sickingen 1522 den „Landauer Bund“ gegründet hatten?
Hier wurden im 16. Jahrhundert hochrangige Persönlichkeiten wie der König von Polen und andere bewirtet, da war das Haus eine Herberge. Es war auch schon eine große Kolonialwarenhandlung mit eigener Kafferösterei; das war 1873. Danach wieder Café. Café und Herberge könnte es auch nach einer Restaurierung wieder sein.
Doch bis dahin ist noch ein langer Weg. Es braucht die Hilfe Vieler, die sich für das Haus einsetzen wollen und können.
Deshalb ruft auch OB Hirsch dazu auf, das Projekt in vielfältiger Form zu unterstützen: „Als Genossenschaftsmitglied, als Spendengeber, als Multiplikator einer guten Sache – nur gemeinsam kann das ehrgeizige Projekt, dieses historische Haus zu retten, gelingen.“
„Wäre das Haus direkt von der Marktstraße zugänglich und zu sehen, könnte es schon längst gerettet sein, so die Meinung von Denkmalschützer Jörg Seitz. Seitz hatte sich am Tag des Offenen Denkmals (man konnte in Landau auch die Katharinenkapelle, das Landgericht und den Heiligenthaler Hof besichtigen) zum Haus zum Maulbeerbaum geäußert (siehe Video).
Wandmalerei
Im Jahre 2003 wurde das Gebäude von Kunsthistorikern eingehend untersucht und dabei auch Reste historischer Wandmalereien freigelegt. Der 2011 gegründete Verein „Freunde des Hauses zum Maulbeerbaum“ veranlasste 2014 eine weiterführende Freilegung durch Restauratoren.
Dabei wurde eine Wandinschrift in gotischen Lettern und eine reiche Bemalung einer Fensterumrandung im ehemaligen Saal im 1. OG entdeckt. Der Text konnte als Zitat aus der Lutherbibel (Psalm 109, Vers 3) entziffert werden; er lautet:
„… und sie reden giftig wider mich allenthalb und streiten wider mich ohn Ursach.“
Diese Wandinschrift ist allen bisherigen Erkenntnissen zufolge wohl vor 1689 entstanden und stellt die Annahme, dass das Haus beim großen Stadtbrand vollständig zerstört worden sei, infrage.
Ab Oktober will man sich weiter den Wandmalereien im 1. OG widmen und sie frei legen.
Zur Genossenschaft:
Das Genossenschaftsprojekt „Haus zum Maulbeerbaum“ ist in Rheinland-Pfalz einmalig. Das älteste und besonders geschichtsträchtige Haus Landaus verfällt seit Jahren.
Um dem entgegenzuwirken, gründete sich 2011 der Verein „Freunde des Hauses zum Maulbeerbaum Landau e.V. Die Stadt Landau hat als Eigentümerin seit 2013 vergeblich einen Investor zur Sanierung des Gebäudes gesucht.
Vereinsmitglieder entwickelten die Idee, dass die Landauer Bürgerschaft den Erhalt selbst in die Hand nehmen kann, um das historische Kleinod (auch für eine öffentliche Nutzung) zu bewahren.
Die im Juli 2015 gegründete (gemeinnützige) Genossenschaft Haus zum Maulbeerbaum eG hat von der Stadt Landau (Eigentümerin des Hauses) die Option erhalten, das Haus zu erwerben und zu sanieren, wenn sie ein schlüssiges Nutzungs- und Finanzierungskonzept vorlegen kann.
Dazu gehört insbesondere das Aufbringen eines Eigenkapitalanteils von rund 800 000 Euro, der sich aber durch öffentliche Zuschüsse reduzieren würde.
Dies Portion läuft Ende dieses Jahres aus. Da das Ziel in der kurzen Zeit nicht erreicht werden konnte, wird eine Verlängerung angestrebt.
Da nicht sicher ist, ob das Projekt gelingt, können die Geschäftsanteile (und größere Spenden) auf ein Treuhandkonto eingezahlt werden. Diese Gelder erhält die Genossenschaft erst, wenn die Finanzierung gesichert ist; andernfalls werden die Gelder zurückgezahlt.

Auch der Pfalz-Express (hier Redakteurin Desirée Ahme) ist in Verein und Genossenschaft eingetreten und möchte mit gutem Beispiel vorangehen.
Foto: privat
Weitere Informationen findet man auf der Homepage www.maulbeerbaum-eg.de
Infos erteilen auch gerne: 1. Vorsitzende Gunhild Wolf (06341-9674596 oder der 2. Vorsitzende Otto Rocker (06341-80825).
Gunhild Wolf ist übrigens gerade dabei ein Kinderbuch zu schreiben, in dem ein Gespenst im Haus zum Maulbeerbaum die Hauptrolle spielt. Im Oktober soll das Buch erscheinen. (desa)

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