Montag, 27. September 2021

Ortsgruppen des Naturschutzverbandes Südpfalz gründen Stiftung: Packende Worte bei der offiziellen Überreichung der Stiftungsurkunde

15. September 2014 | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße

Regierungsdirektorin Claudia Bies überreicht die Stiftungsurkunde an den Stiftungsvorstand und die Vorsitzenden der NVS-Ortsgruppen.
Foto: red

Klingenmünster. Über 100 Gäste aus Politik und Naturschutz begrüßte Dr. Rainer Tempel, Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung zum Schutz von Landschaft und Natur in der Südpfalz, zur offiziellen Übergabe der Stiftungsurkunde in der Keysermühle in Klingenmünster.

Mit einem Festakt präsentierte sich die im Frühjahr gegründete Stiftung der Öffentlichkeit. Politische Repräsentanten aus dem Bundestag und dem rheinland-pfälzischen Landtag, der Landkreise Germersheim und Südliche Weinstraße sowie den Gemeinden waren gekommen.

Landrätin Theresia Riedmaier brachte es in ihrem Grußwort auf den Punkt: „Jahrtausende lang brauchte die Natur nicht den Menschen, der Mensch aber die Natur. Heute braucht die Natur den Menschen.“ Der Landrat des Kreises Germersheim, Dr. Fritz Brechtel, lobte die herausragende Verantwortung, die die Stiftung für das Naturerbe der Südpfalz übernimmt.

Brechtel, der den Werdegang des südpfälzischen Naturschutzverbandes kennt, nannte die Stiftungsgründung eine maßgebliche Weiterentwicklung seiner besonderen Arbeit der letzten Jahrzehnte. Dankende Worte sprachen die Landtagsabgeordneten Barbara Schleicher-Rothmund und Christine Schneider.

Das Mitglied des Bundestages Dr. Thomas Gebhart, selbst seit einigen Jahren im NVS, ist überzeugt, dass über die Stiftung neue Möglichkeiten entstehen „unsere Natur- und Kulturlandschaft fortzuentwickeln.“

Die Stiftung hat insbesondere die Ziele, ökologisch wertvolle Flächen zu erwerben, um sie für den Naturschutz oder die Landschaftspflege nutzbar zu machen. Sie will  stiftungseigene Grundstücke renaturieren und naturnahe Landschaftselemente in der Kulturlandschaft schaffen.

Und nicht zuletzt bietet sie Kommunen und Privatleuten die Möglichkeit, ihr Ökokonto auszugleichen. So gibt sie gegen Geld gepflegte Flächen zum  Ausgleich für von Menschen entwertete Naturflächen. „Diesen Zielen ist die Stiftung auf ewig verpflichtet und bietet so auch Zustiftern die Sicherheit, dass ihr Vermögen einzig und allein dem regionalen  Naturschutz zu Gute kommt“, unterstrich der Stiftungsvorsitzende Dieter Zeiß die klare Ausrichtung der Stiftung.

Besitz ist ganz entscheidend im Natur- und Landschaftsschutz, waren sich die beiden Festredner Kurt von Nida, stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates, und Professor Dr. Emil Dister, Leiter des Rastatter Aueninstituts, einig. Lyrisch stellte von Nida den gefesselten Zuhörern die Schönheit der Natur dem profitorientierten Anbau in Monokulturen gegenüber.

Er stellte die Bedeutung von Grunderwerb für den Naturschutz heraus und, dass gerade über die Stiftung jeder einen Beitrag dazu leisten könne: „Und plötzlich sind wir alle potentielle Landbesitzer, nämlich als Besitzer von Mitteln, mit denen wir Grundstückserwerb zu Gunsten der Natur ermöglichen können. Jetzt ist jedem ganz einfach ein Beitrag zur Bereicherung unserer natürlichen Umwelt möglich.“

Ein weiteres Plädoyer für den Naturschutz hielt Professor Dister. Dokumentiert mit Luftaufnahmen zeigte er Auenschutz in Deutschland, Frankreich und Kolumbien.

Besonders stolz war er auf eine Fläche im kolumbianischen Tropenwald, die 1982 nach schweren Eingriffen angekauft und gepflegt wurde und heute wieder zahlreiche damals fast ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten enthält. Abgetrennt durch einen Zaun schockierte unmittelbar daneben brandgerodetes Weideland. „Alles das geht nur, wenn Sie Gelände in Eigentum haben. Deshalb gehen Sie diesen Weg weiter. Er ist zwingend notwendig“, stärkte er die junge Stiftung in ihrem Handeln.

725 Grundstücke mit einer Gesamtfläche von über 130 Hektar hat der Naturschutzverband Südpfalz (NVS) in das Stiftungsvermögen überschrieben und ist damit der größte Stifter, berichtete der erste Vorsitzende des Verbandes Gerd Kümmel. Zum neuen Stiftungsvermögen zählen ökologisch wertvolle Flächen, wie eine aufgelassene Kiesgrube bei Schweighofen, zahlreiche Grünflächen und Streuobstwiesen, oder auch Wasserflächen, die  zahlreichen in ihrer Existenz gefährdeten Arten bei ihrer Ausbreitung als Trittsteine dienen oder künstliche Brutinseln für Flussseeschwalben zulassen. Einige der gekauften Flächen werden an Landwirte zur Pflege verpachtet.

Für die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz überreichte Regierungsdirektorin Claudia Bies die Anerkennungsurkunde an den Vorstand der Stiftung sowie die Vorsitzenden der NVS-Ortsgruppen. Bies berichtete, dass es jetzt mit der Stiftung zum Schutz von Landschaft und Natur in der Südpfalz 1.041 Stiftungen in Rheinpfalz gibt, die sich in den Dienst einer guten Sache stellen.

„Wir haben etwas zu verlieren. Wir wollen unseren eingeschlagenen Weg weiter gehen. Schutz von Landschaft und Natur in der Südpfalz, begleitet von einer Stiftung, die sich dem Naturschutz vor der Haustür verschrieben hat“, gab Stiftungsvorstand Zeiß zum Ende der Veranstaltung die Richtung vor. Er dankte allen Beteiligten sowie Professor Ha-Jo Sommer, der die Stiftungsbroschüre „Unser Erbe“ erstellte, und Heidi Weibel, die eine Internetseite für die Stiftung gestaltete, die in Kürze online gehen wird (www.nvs-natur-stiftung.de).

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von der Sängerin Kirstin Seutter begleitet von Benno Burkhart auf der Gitarre.  (red)

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