Rheinzabern – Man muss nicht gleich Thomas Morus‘ Schrift vom idealen Staatswesen Utopia zitieren, um an den Titel des neuesten ERASMUS-Austauschprojektes der IGS Rheinzabern erinnert zu werden. Ein Hauch von idealer Zukunft für unseren guten alten Kontinent ist aber sofort zu verspüren.
Europa-Kompetenz ist eines der obersten Ziele der Rheinzaberner Gesamtschule. Deswegen nimmt man dort seit einigen Jahren an europäischen Austauschprojekten teil, die auf nationaler Ebene vom Pädagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz betreut werden.
Nach mehreren erfolgreichen Comenius-Projekten ist man diesmal mit ERASMUS+ unterwegs. Lehrerin Bettina Lang-Vierthaler betreut diese Unternehmungen und ist Hauptorganisatorin eines Projektes namens „Die Kinder von EUROPIA – Schule-Arbeit-Leben in 100 Jahren“.
Die Motivation ist groß, brachte doch die jüngste Bewertung des Projektes Europia eine überragende Punktezahl ein. Heutige junge Menschen machen sich gemeinsam Gedanken, wie das Europa ihrer Urenkel einmal gestaltet sein soll.
In der Bewertung heißt es zum Beispiel: „Die Kinder von EUROPIA“ ist ein sehr gut durchdachtes, umfangreiches Projektvorhaben mit vielen beteiligten Schülern und Lehrern.
Die Projektziele beziehen sich auf die Basiskompetenzen, Vermeidung von Schulabbruch, Inklusion und Entwicklung eines europäischen Bürgersinns. Es schließt verschiedene Schulformen der Sekundarstufe I ein, viele kulturelle Aspekte, betont aber den inklusiven Ansatz und möchte Betroffenheit und Beteiligtsein der Schüler fördern.
In Bezug auf das Thema Inklusion können die Partnerschulen, die mit unterschiedlichen Voraussetzungen aufeinandertreffen, sehr gut voneinander lernen und somit vom europäischen Mehrwert der Partnerschaft profitieren.
Zu den Teilaspekten zählen Schulsysteme, Ausbildung, Jugendarbeitslosigkeit, Freizeit, Solidarität, Innovation, Naturwissenschaft, Kreativität und Politik. Im „Best Practice Verfahren“ will man von anderen lernen und gemeinsam Visionen für ein für alle lebenswertes Europa entwickeln. EUROPIA soll die interkulturelle Kompetenz von Schülern und Lehrern steigern und eine Verbesserung des Schulklimas bewirken.
Bei einem gemeinsamen Arbeitstreffen im Februar 2015 in Rheinzabern hatte man die Projektidee konkretisiert. Sieben Schulen aus sechs europäischen Ländern wollen EUROPIA umsetzen.
Bewusst sind die Teilnehmer geographisch verteilt, um die Vielfalt zu gewährleisten: Schweden, England, Frankreich, Bulgarien, Griechenland und Deutschland. Im Oktober 2015 trafen sich die Verantwortlichen zum Finetuning in Schweden, im März 2016 ist man zu Gast in Griechenland.
Im Mai macht die Projekt-Karawane Station in Rheinzabern, um danach im September 2016 in England das Projekt fortzusetzen. Im März 2017 sind die EUROPIA-Teilnehmer in Frankreich zu Gast, ehe man sich zum Abschluss im Mai 2017 in Bulgarien trifft.
Zum Auftakt vergraben alle EUROPIA-Schulen eine Zeitkapsel, legen quasi einen Grundstein für das Projekt, den kommende Generationen dann zu Tage fördern sollen, um daraus zu erfahren, wie man sich im Jahre 2015 das Europa des Jahres 2115 vorstellte.
Während der jüngsten Vollversammlung der IGS Rheinzabern stellten einige Schüler vor, was sie in ihre Zeitkapseln einlegen. Es sind Dinge, die ihnen heute wichtig erscheinen.
Angesichts aktueller Schlagzeilen zeugt es von kindlicher Unbeschwertheit, was die Klassen den unverrottbaren Plastikrohrhülsen anvertrauen: Infos über den 1. FCK, Klassenfoto, Briefe, 30 Cent, S-Bahn-Fahrkarten, Handy u.a.m. Beim Spatenstich für den Erweiterungsbau der Oberstufe im November 2015 werden dann die Zeitkapseln feierlich vergraben. (Gerhard Beil)

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