Barcelona – Bei dem unter chaotischen Umständen durchgeführten Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens haben sich die Befürworter klar durchgesetzt: Nach Angaben der katalanischen Behörden stimmten rund 90 Prozent für die Abspaltung Kataloniens von Spanien, knapp acht Prozent votierten dagegen.
Die Wahlbeteiligung soll rund 42 Prozent betragen haben. Die Regionalregierung hatte für den Fall eines Sieges des „Ja“-Lagers angekündigt, innerhalb von 48 Stunden die Sezession von Spanien und damit die Unabhängigkeit auszurufen.
Die Zentralregierung will das Ergebnis des Referendums dagegen nicht anerkennen. Die Abstimmung fand gegen den Willen der Regierung in Madrid und trotz eines gerichtlichen Verbotes statt. Die Polizei war am Sonntag im Auftrag der Zentralregierung teilweise gewaltsam in Wahllokale gestürmt und hatte Wahlurnen beschlagnahmt. Bei Protesten auf der Straße sollen Gummigeschosse eingesetzt worden sein, aber auch die Polizisten wurden mit Gegenständen beworfen.
Nach Angaben der Regionalregierung wurden am Sonntag in Zusammenhang mit dem Referendum mindestens 844 Personen wegen „Polizeigewalt“ in Krankenhäusern behandelt. Nach Polizeiangaben wurden zudem 33 Sicherheitskräfte bei den Auseinandersetzungen verletzt. Mehrere Gewerkschaften und andere Organisationen riefen wegen des Vorgehens des Staates für Dienstag zu einem Generalstreik auf.
Indess hat die katalanische Regionalregierung von einem Erfolg gesprochen.
Die Katalanen hätten das Recht auf einen eigenen Staat gewonnen, sagte der katalanische Ministerpräsident Carles Puigdemont i Casamajó am Sonntagabend nach Schließen der Wahllokale.
Das offizielle Ergebnis werde an das Parlament geschickt, das sich dann damit beschäftigen werde. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte hingegen davon gesprochen, dass es am Sonntag gar kein Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien gegeben habe. Die katalanische Führung habe gewusst, dass die Volksbefragung illegal sei. (dts nachrichtenagentur)

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