
Immer weniger Geld: Trotz ausreichender Arbeitsjahre reicht bei vielen Senioren die Rente nicht.
Foto: dts Nachrichtenagentur
Berlin – Immer mehr Rentner stehen bei den Tafeln für kostenlose Lebensmittel an: Nach Angaben des Bundesverbandes der Tafeln in Deutschland hat sich die Zahl der bedürftigen Senioren binnen zehn Jahren verdoppelt.
„Fast jeder vierte Tafelkunde ist mittlerweile Rentner. Das sind in etwa 350.000 Menschen“, sagte der Verbandsvorsitzende Jochen Brühl der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
2007 seien noch gut zwölf Prozent der Bedürftigen Senioren gewesen. Nach Angaben des Dachverbands gibt es hierzulande mehr als 900 Tafeln, die regelmäßig bis zu 1,5 Millionen Menschen mit Lebensmitteln versorgen.
Brühl appellierte an die Politik, Armut ernsthaft zu bekämpfen. „Es nützt doch nichts, wenn Politiker in Wahlkampfzeiten unsere Essensausgaben besuchen. Das lehne ich zunehmend ab.“ Gerne könnten die Volksvertreter außerhalb des Wahlkampfs vorbeischauen und helfen, „aber für schöne Bilder halten wir nicht her“.
Er forderte von der Politik: „Macht endlich mal was und redet nicht nur.“ Armut sei der Nährboden für das Gefühl abgehängt zu sein „und damit letztlich auch Wegbereiter des Extremismus“.
Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland, sagte, dass es die Tafel überhaupt geben müsse, sei ein Armutszeugnis für Deutschland. „Wenn 350.000 Senioren regelmäßig darauf angewiesen sind, bei den Tafeln für kostenlose Lebensmittel anzustehen, dann ist das ein deutlich sichtbares Signal dafür, dass die Altersarmut auf dem Vormarsch ist.“
Insbesondere Erwerbsminderungsrentner leben nach den Worten von Mascher wegen der hohen Abschläge, die sie auf ihre Renten hinnehmen müssen, oft an der Armutsgrenze. Außerdem seien viele Frauen von Altersarmut betroffen.
Und: „Für immer mehr Rentner werden auch hohe Mieten ein immer größeres Problem. Der soziale Wohnungsbau muss oberste Priorität haben“, sagte die VdK-Präsidentin.
Am Jahresende 2016 bezogen dem Sozialverband zufolge 522.492 Personen über der Altersgrenze Leistungen der Grundsicherung im Alter. Ende 2006 hatte diese Zahl laut VdK noch bei rund 371.000 gelegen.
Rechnet man auch noch diejenigen hinzu, die als Erwerbsgeminderte auf Grundsicherung angewiesen sind, liegt die Zahl der betroffenen Volljährigen bei über einer Million. (dts Nachrichtenagentur)
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