Sonntag 15.Februar 2026

Herrenweinabend 2026 in Neustadt: Lewwerworscht-Scharade nimmt etliche Themen aufs Korn

1. Februar 2026 | Kategorie: Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer, Regional, Regional

Herrenweinabend mit tausend Gästen darunter Ministerpräsident Schweitzer (SPD) und Herausforderer Schnieder (CDU).
Foto: Michael Landgraf

Neustadt. Der 128. Herrenweinabend im Neustadter Saalbau hat wieder das geboten, was ihn ausmacht: Fröhliche und singende Männer, die normalerweise bei jeder Choranfrage sagen würden, sie können nicht singen, hervorragende Musik, Comedy und Artistik, etwas für den Kopf und etwas für das Herz, und natürlich auch einen guten Wein und ebenso prickelndes Mineralwasser.

Wieder locker moderiert von Torsten Buschmann und begleitet von der hervorragend groovenden Freddy Wonder Combo waren es vier sehr kurzweilige Stunden.

Das Motto des Abends: „Es ändert sich die Weinkultur, doch Herrenwein bleibt Riesling pur!“ Liedertafel-Chef Frank Sobirey spielt in seiner Einführung auf Veränderungsprozesse an, die derzeit die Weinwelt beschäftigen: moderater Weingenuss, alkoholfreier Wein bis zum statistisch gesehen kaum noch vorhandenen Weinkonsum bei Menschen unter 30.

Daran knüpft der Ehrenredner des Abends, Dominik Durner an, Professor am Neustadter Weincampus für Lebensmitteltechnologie und Oenologie. Mit einer Vision über die Weinkultur 2056 machte der deutlich, dass manche Sau, die heute durch den Weinkeller gejagt wird, vermutlich in 30 Jahren ganz anders gesehen wird, so die Forschungsmeinungen über die Gefahren von kleinsten Mengen Alkohol.

Rührend war die Reminiszenz an den verstorbenen Paul Tremmel, von dem eines seiner letzten Gedichte vorgetragen wurde: „Ich wär so gern bei eich gebliwwe“. Bei der Frage, wer nun der älteste Teilnehmer sei, wurde Dieter Ohnesorge ermittelt, der 86jährige ehemalige Oberbürgermeister von Neustadt.

Mit einem Einspieler bedankte sich Sabine Ohler-Jost bei der Jury für die Wahl ihres Weines für den Abend, auch mit einem merkenswerten Satz: „Trauben können mehr als nur im Obstsalat zu landen.“

Überreicht wurde die Ehrenurkunde für das Weingut an Arnim Jost. Der Atem stockte, als der Akrobat Iason Ioannidis am „Chinesischen Mast“ Waghalsiges vorführte. Diesmal wesentlich besser auf das Publikum eingestellt war Christan „Chako“ Habekost mit einem Programm aus altbekannten und neuen Gags, mit denen er begeisternd eine Brücke von der Steinzeit über die Bibel bis zur Internationalität des Pfälzischen zu schlagen wusste.

Nach der Pause trug der sonst durch den wirbelnden Taktstock bekannte Lieder-Tafel-Chorleiter Jürgen Weisser erstmals ein Lied selbst vor, nämlich „Zieh die Schuh aus“ nach Roger Cicero, und wusste damit zu begeistern.

Dann kam die gemeinsame Singrunde mit den Rieslingprinzen rund um Ede Eber-Huber, wo beim Pfalzlied der Anonyme Giddarischde bei vielen der rund tausend Männer, nun auf den Stühlen stehend, Tränen quollen.

Davon war auch der Anonymen-Sänger Thomas „Edsel“ Merz gerührt, dem der Autor dieser Zeilen Bilder dieses Moments zusandte. Dann ging es kurz vor dem Ende zur Lewwerworscht-Scharade, dem humorvoll-gesanglichen Jahresrückblick der Liedertafel, wieder hervorragend gestaltet von Johannes Joa.

Themen waren der Abriss des Hertie-Gebäudes, die neuen Bestattungsgesetze, die mögliche Wiedereinführung des Wehrdienstes, Friedrich Merz, die Hoffnung auf den Wiederaufstieg des FCK, Abnehmspritzen und ein Lob für das Ehrenamt.

Am Ende sangen die Ehrengäste auf der Bühne „Bacchus wir danken dir“, darunter Ministerpräsident Alexander Schweitzer und sein CDU-Gegenkandidat bei der nächsten Landtagswahl, Gordon Schnieder, bevor die zehn Glockenschläge den Herrenweinabend pünktlich um 22 Uhr beendeten. (Michael Landgraf)

Ein buntes Programm war Garant für einen mehr als gelungenen Abend.
Foto: Michael Landgraf

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