Germersheim – Bürgermeister Marcus Schaile und Landrat Dr. Fritz Brechtel haben in der Stadtratssitzung am Donnerstag über die derzeit bekannte Sachlage zur Erweiterung des Gefahrstofflagers im US-Depot informiert.
Beide erklärten, dass man die Besorgnisse in der Bevölkerung „sehr, sehr ernst“ nehme. Seit Bekanntwerden des Projektantrags bemühe man sich „intensiv um Aufklärung und weitergehende Informationen.“
Hintergrund: Eine bestehende Lagerhalle der Defense Logistics Agency (DLA) auf dem Gelände des US-Depots bei Germersheim soll renoviert, die Lager- und Verteilungskapazität sollen von 70 auf 1900 Tonnen erweitert werden. Die Gesamtkosten beziffert die DLA mit rund 1,3 Millionen Euro. Sobald die Genehmigung erteilt ist, soll mit der Renovierung der Lagerhalle begonnen werden (Pfalz-Express berichtete mehrfach).
Wie das US-Militär mitteilte, ist das Lager momentan nur teilweise belegt, soll aber nach der erforderlichen Renovierung möglichst ganz genutzt werden. Die gelagerten Flüssigkeiten und Gegenstände sollen übliche Kraftfahrzeug- und Wetterschutzprodukte, einschließlich Schmieröl, Enteisungsflüssigkeit, Hydraulikflüssigkeit, Frostschutzmittel, Reinigungsmittel, Schmierfett, Bremsflüssigkeit, Nebelöl, Dichtungsmittel, Holzkohleseife, Toiletten-Frostschutzmittel, Staubschutzmittel Inhibitor, Entfeuchtungsmittel, flüssiger Reifenschaum, Batterien für Feuerlöscher und fluoreszierende- und Halogen-Metalldampflampen sein.
Andere Lagergüter sollen nicht dazu kommen, lediglich mehr Platz will die Army schaffen. Ähnlich wie die Bundeswehr in den letzten Jahren schließe die Army kleinere Standorte und konzentriere sich auf die größeren und logistisch besser angebundenen, erklärte Landrat Brechtel.
Die Güter kommen aus den USA und werden in Containern auf Lastwagen zu den amerikanischen Truppen weitertransportiert. Alles sei schon beim Hersteller für die Lagerung und den Versand vorverpackt, um das Risiko zu minimieren, dass versehentlich Gefahrgut auslaufe. Kampfstoffe gebe es laut US-Army im Germersheimer Depot nicht.
„Ebenfalls wurde uns zugesichert, dass bei der Lagerung des Gefahrguts alle deutschen Anforderungen, zum Beispiel Umwelt- und Brandschutz-Anforderungen, erfüllt werden“, sagte Bürgermeister Schaile. Nach Fertigstellung der Bauarbeiten würden diese von deutscher Seite inspiziert.
Der Projektantrag liegt noch bis zum 27. April zur Einsicht bei der Kreisverwaltung in Germersheim aus. Zwölf Bürger haben bislang davon Gebrauch gemacht. Mögliche Einwände sollen bei einem öffentlichen Erörterungstermin am 6. Juni besprochen werden. Die Einwendungsfrist endet am 9. Mai diesen Jahres.
Das Depot liegt eigentlich auf der Lingenfelder Gemarkung und ist nur an einer Linie mit der Germersheimer Stadtgrenze verbunden. Dort soll in der Nähe ein Neubaugebiet entstehen. Deshalb will Schaile, falls die Genehmigung für das erweiterte Depot erteilt wird, die Wohnsituation in Germersheim berücksichtigt und auch die Störfallverordnung geprüft wissen: „Im Fall eines Brands machen schädliche Stoffe in der Luft nicht an der Lingenfelder Grenze Halt.“
Einen positiven Aspekt sieht der Stadtchef aber auch: Es könnten viele neue Arbeitsplätze entstehen.
Landrat Brechtel sagte, eine Informationsveranstaltung des Kreises, der Stadt Germersheim und der Gemeinde Lingenfeld für die Bürger werde gerade geplant.
Bei der Info-Veranstaltung mit dabei sein sollen auch jeweils ein Spezialist der US-Army und des Bundesamts für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleitungen der Bundeswehr (Wiesbaden). Der Termin steht noch nicht fest, soll aber, wenn er mit allen Beteiligten abgestimmt ist, schnellstmöglich bekannt gegeben werden.
Die Kreisverwaltung hat noch bis zum 14. Oktober Zeit, über den Antrag zur Erweiterung des Depots zu entscheiden. (red/cli)

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