Berlin – Deutsche Islamisten beschaffen sich offenbar auf dem Balkan falsche Dokumente, um die wahre Identität von Kämpfern der Terror-Milizen „Islamischer Staat“ (IS) zu verschleiern.
Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins „Focus“ orderte der Initiator eines syrischen Hilfsvereins aus Bergisch-Gladbach bei Fälschern 16 nachgemachte bulgarische Pässe.
Die Papiere veräußerte der inzwischen inhaftierte Chef einer Bande militanter Islamisten laut Bundesanwaltschaft zum Stückpreis von 1.500 Euro an „Personen, die beabsichtigten, illegal in das Bundesgebiet einzureisen“.
Die Truppe des gebürtigen Pakistanis hatte sich auf Einbrüche in Kirchen und Schulen spezialisiert, um den IS und weitere islamistische Terrororganisationen zu finanzieren. Überdies schleuste die Truppe etliche junge Männer nach Syrien. Mindestens drei von ihnen fanden dort den Tod.
Wie aus Sicherheitskreisen weiter zu erfahren war, veranstalten islamistische Zellen hierzulande zunehmend Wehrsporteinheiten und Kampfschulungen.
So absolvierte der Kopf eines Aachener Unterstützernetzwerks für den IS in einem Waldstück Schießübungen. Im Netz informierte sich der inzwischen inhaftierte 39-jährige IS-Rekrutierer über den Einsatz ferngesteuerter Spionagehubschrauber.
Zwei Mitglieder der Gruppe um den mutmaßlichen Bombenleger am Bonner Hauptbahnhof reisten im Dezember 2012 nach Belgien, um tagelang auf Paintball-Schießanlagen „für den Dschihad zu trainieren“, vermerkte die Dortmunder Staatsanwaltschaft.
Weil die Staatsschützer den Verdächtigen ein Mobiles Einsatzkommando nachschicken wollten, um zu sehen, mit welchen Personen sie sich im benachbarten Königreich treffen wollten, baten sie Brüssel um Amtshilfe.
Das Rechtshilfeersuchen blieb unbeantwortet. Massiv beklagen Polizeiexperten in Nordrhein-Westfalen, dass den Staatschützern Observationskräfte fehlen, um radikal-islamische Gefährder zu überwachen.
„Die Schere zwischen den Möglichkeiten und den Notwendigkeiten in Bezug auf die innere Sicherheit und unsere Ressourcen war in der Nachkriegszeit noch nie so weit geöffnet wie heute“, moniert Sebastian Fiedler, NRW-Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BdK).
Zwei Wochen nach dem Waffen- und Sprengstofffund in einem Mietwagen auf der Autobahn A8 nahe Traunstein, verdichten sich die Bezüge zu den Pariser Anschlägen: Offenbar wollte der Fahrer, ein 51-jähriger Montenegriner, einen Parkplatz in einem Pariser Außenbezirk ansteuern, um seine heiße Ware dort einer Kontaktperson zu übergeben.
Die bayerischen Ermittler fanden bei ihm einen zerknüllten Zettel mit einer Adresse in den Banlieue der französischen Hauptstadt. Wie „Focus“ weiter erfuhr, hatte der Waffentransporteur mit seinem Handy eine Nummer in Frankreich angerufen.
Der Anschlussnehmer rief dann just zurück, als der Kurier bereits in Haft saß. „Wir gehen davon aus, dass sich die Person gemeldet hat, die die Waffenladung in Paris entgegennehmen wollte“, so ein bayerischer Fahnder gegenüber dem Nachrichtenmagazin.
Waffenfund und französische Handy-Nummer gaben die Ermittler nach eigenen Angaben an ihre französischen Kollegen weiter allerdings unter dem Kürzel Organisierte Kriminalität. Zudem versäumten sie, das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum in Berlin über eine mögliche „politisch motivierte Straftat“ zu informieren. (dts Nachrichtenagentur)
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