Dienstag, 18. Dezember 2018

Erneut wichtige Nachzucht bei sehr bedrohter Gepardenunterart im Landauer Zoo

12. Mai 2015 | noch keine Kommentare | Kategorie: Landau

Erste Bilder einer Überwachungskamera der vier neugeborenen Sudan-Geparden im Zoo Landau.
Fotos: zoo landau

Landau. Pünktlich nach Ablauf der durchschnittlichen Tragzeit von nur drei Monaten wurden am 9. Mai 2015 das zweite Mal im Zoo Landau in der Pfalz vier augenscheinlich gesunde Jungtiere der sogenannten Nordöstlichen oder Sudan-Geparden (Acinonyx jubatus soemmeringii) geboren.

Der Zoo Landau beherbergt seit 2006 derzeit die einzige Zuchtgruppe dieser in der Wildbahn gefährdeten Wildkatzenunterart in Deutschland. Viele Jahre wurde im Landauer Zoo darauf hingearbeitet und 2012 konnten erstmals in der Geschichte des Zoos drei Welpen erfolgreich aufgezogen werden.

Diese Nachzuchttiere wurden mit Erreichen der Geschlechtsreife im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) an den Zoo Marwell in England und an den Fota Wildlife Park in Irland abgegeben. Eine erneute Verpaarung der beiden Zuchttiere im Zoo Landau auf Empfehlung des Zuchtbuchkoordinators verlief danach erneut spontan erfolgreich. „Dies ist allerdings keine Selbstverständlichkeit,“ erläutert Landaus Zoodirektor Dr. Jens-Ove Heckel, da neben einer Reihe bekannter Haltungsfaktoren insbesondere auch die Sympathie zwischen den Paarungspartnern bei Geparden eine besondere Rolle spielt.

U.a. ist es aber auch wichtig, dass Zuchttiere nicht dauerhaft zusammen gehalten werden, sondern wie im Zoo Landau in getrennten Gehegen. Das Zuchtmanagement erfordert ein regelmäßiges hin- und herwechseln der Zuchttiere in das Gehege des jeweils anderen Partners. Idealerweise kann dann am Verhalten der Tiere abgelesen werden, wann der optimale Zeitpunkt einer Verpaarung, die sogenannte „Rolligkeit“ bei der Katze, eingetreten ist.

Die baulichen Voraussetzungen an den Gehegen in Landau wurde zu Zeiten durch die großzügige finanzielle Unterstützung des Freundeskreis des Landauer Tiergartens e.V. und die dankenswerte testamentarische Zuwendung eines zoobegeisterten bekannten Landauer Geschäftsmanns geschaffen. Nun hofft man, dass die nächsten noch etwas kritischen Tage der Aufzucht weiter gut verlaufen.

Für die Mitarbeiter des Zoos, besonders aber auch für Zoodirektor Heckel, ist der Zuchterfolg auch ein emotional bewegendes Ereignis, da es sich um eine in der Wildbahn starken Gefährdungen ausgesetzte Tierart handelt.

Das natürliche Verbreitungsgebiet des nordöstlichen Afrika (südlicher Sudan und Äthiopien, Somalia, nördlicher Tschad und Zentralafrikanische Republik) leiden z.T. seit Jahrzehnten unter Bürgerkriegshandlungen. Der illegale Tierhandel läuft in der Region praktisch ungebremst.

Illegaler Handel mit Fellen wie hier in Dschibuti und mit Jungtieren gefährdet Geparden in ihrem nordostafrikanischen Verbreitungsgebiet.
Quelle: Jens-Ove Heckel, privat

Schon als Jugendlicher und im Rahmen seiner Artenschutztätigkeit in der Region wurde Heckel persönlich Zeuge von Geparden, die oft in sehr schlechtem Zustand als „Haustiere“ oder „Hotelmaskottchen“ ihr Dasein fristeten. „Solange sich die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der Region nicht nachhaltig stabilisieren, ist das Überleben dieser eleganten Jäger in der Wildbahn äußerst fraglich,“ sagt Heckel. Umso wichtiger ist, dass sich das koordinierte Zuchtprogramm hier als Rettungsboot über diese kritische Zeit etabliert.

Schon als Jugendlicher machte Landaus heutiger Zoodirektor, Dr. Jens-Ove Heckel, fasziniert Bekanntschaft mit einem in Somalia als Haustier gehaltenen Nordöstlichen Geparden.
Quelle: Jens-Ove Heckel, privat

Um die Aufzucht nicht zu gefährden, werden im Zoo mögliche Störungen des Muttertiers und ihrer Jungen besonders in den kommenden drei Wochen auf einem Minimum gehalten. Sehr positiv ist, dass die Jungtiere sich nun in den Sommer hinein entwickeln können und in einigen Wochen bei trockenem Wetter dann auch für die Besucher im Außengehege zu beobachten sein werden. (zoo-landau)

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