Samstag, 25. September 2021

„Die dritte Welle ist ganz anders als die vorherigen“

In Videokonferenz mit Thomas Gebhart aktuelle Corona-Fragen besprochen

10. April 2021 | Kategorie: Kreis Germersheim, Kreis Südliche Weinstraße, Landau, Politik regional, Regional

Foto: Pfalz-Express

Südpfalz – Dr. Thomas Gebhart, südpfälzischer CDU-Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär bei Gesundheitsminister Jens Spahn, hatte am Donnerstag zu einer öffentlichen Videokonferenz zur aktuellen Corona-Lage eingeladen.

Eingangs sagte Gebhart, man befinde sich mittlerweile eigentlich nicht in einer dritten Welle, sondern in einer ersten mit der neuen Virusvariante B117, gemeinhin als „britische Variante“ bekannt. Deren Anteil sei stark gestiegen, die südafrikanische oder brasilianische Mutationen hätten sich indes nicht durchsetzen können. Gebhart verwies auch auf die belegten Intensivbetten in Deutschland: „Die Zahlen auf den Intensivstationen trügen nicht.“

Das bestätigte Dr. med. Dirk Piorko, Ärztlicher Direktor des Vinzentius Krankenhauses in Landau und Chefarzt der Anästhesie. Die dritte Welle sei ganz anders als vorherigen. „Die Patienten sind deutlich jünger, haben einen wesentlich schnelleren Verlauf, die Verschlechterung geht schnell.“ Möglicherweise warteten jüngere Leute aber auch länger, bevor sie ins Krankenhaus gingen.

„Manchmal resignieren die Leute“

In Rheinland-Pfalz gebe es momentan 83 Beatmungspatienten (Stand 8. April, Anm. d. Red.). „Mehr als die Hälfte in unserer Region, in Speyer, Ludwigshafen, Frankenthal oder im Kreis Bad Dürkheim.“ Er habe zudem gehört, so Piorka weiter, dass sich jüngere Leute oftmals nicht meldeten, wenn sie positiv getestet seien – weil sie nicht in Quarantäne wollten. Also sei die Dunkelziffer wesentlich höher: „Das läuft aus dem Ruder.“ Manchmal allerdings zeigten die Tests auch „positiv“ an, obwohl die Personen keine Symptome mehr hätten. „Irgendwann resignieren die Leute. Sie müssen arbeiten gehen, sind aber verunsichert. Dazu gibt es leider keine einheitlichen Regelungen.“

Alle geimpft im Sommer?

Thomas Gebhart sagte klipp und klar, auch er sei nicht mit allem einverstanden und zufrieden, was das Corona-Management von Bund und Ländern angehe. Aber er sei zuversichtlich. Das Impfen komme nun richtig in Fahrt. „Sicher, wir hätten es uns schneller gewünscht, aber Fakt ist: Es wird jetzt mehr Impfstoff geliefert, als Ende letzten Jahres angekündigt wurde. Wir können von April bis Juni rund 40 Millionen Menschen impfen. Im Sommer kann sich dann jeder impfen lassen.“ Gebhart wagte eine Voraussage unter dem Vorbehalt, dass nichts Unvorhergesehenes dazwischen käme, und nannte den Juli 2021 als Zeitpunkt. Die Aussage von Kanzlerin Angela Merkel (bis zum Sommer ein Impfangebot für jeden, der es möchte) sei nach jetzigem Stand „absolut realistisch“.

Einige schwierige Wochen werde man dennoch haben, weil die Impf-Effekte noch nicht so deutlich zu sehen seien. Man sehe die Wirkung trotzdem aber schon bei älteren Menschen, so Gebhart. In dieser Altersgruppe, die zuerst geimpft wurde, sei die Inzidenz inzwischen sehr niedrig.

Fragen in der Runde gab es zur Teststrategie („in die Statistik gehen nur PCR-Tests ein“), zu Demos gegen Corona-Maßnahmen („Grundrechtseinschränkungen sind sehr schwer zu umgehen, wenngleich die Bilder vom letzten Wochenende unerträglich waren“) und natürlich zum Lockdown.

„Lockdown einzige Möglichkeit“

Dazu meldete sich nochmals Dr. Piorko zu Wort. Ein Lockdown sei die einzige Möglichkeit, Ausbrüche in den Griff zu bekommen, sagte er. Im Krankenhaus kenne man solche Situationen. Es sei zudem eine „sehr, sehr hohe Disziplin in Sachen Hygiene notwendig.“

Wenn es nach ihm ginge, würde auch die Impfstrategie eine Änderung erfahren. Zuerst alte Menschen zu impfen, könne zwar die Mortalität senken, aber: „Es ist keine Strategie, die Pandemie zu bekämpfen.“ Seiner Meinung nach sollten zumindest auch diejenigen geimpft werden, die die Infektionen weitertragen.  „Warum nicht 50 Prozent Priorisierungsgruppen und 50 Prozent derjenigen, die Corona verteilen? Ein bisschen weg vom ´entweder oder´, sondern parallel vorgehen.“ Auch bräuchten Jüngere ohne Vorerkrankungen eine Perspektive zum Impfdatum, denn vielfach herrsche die Meinung vor, man „käme ja doch nicht dran.“ Das sei einfach zu berechnen. „Jeder könnte sich schon anmelden zur Impfung – und wenn dann ein gesunder 45-Jähriger einen Termin beispielsweise Mitte Mai bekommen würde – das wäre eine Perspektive.“

Thomas Gebhart meinte dazu, dass der Impfreihenfolge künftig eine immer geringere Rolle zukäme. Je weiter die Impfungen voran gingen, desto weniger entscheidend würde die strenge Priorisierung sein. Wann das sein wird? „In ein paar Wochen. Das ist meine Einschätzung.“ (cli)

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